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Zara, seitdem ich weiß, wie ihr eure Mitarbeiter behandelt, will ich nicht mehr bei euch einkaufen

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ZARA
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Hallo Zara,

Ich habe viel Kleidung von euch - Kleider, Röcke, Hosen.

Lange Zeit war ich sogar ein großer Fan von euch. Denn ihr bietet modische Klamotten zu Preisen an, die man sich auch als Studentin leisten kann. Nicht viel teurer als H&M - aber dafür etwas hochwertiger. Sogar eine umweltfreundliche Modelinie habt ihr im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht.

Wenn ich mit meinen Freundinnen shoppen gegangen bin, war euer Laden meistens einer von denen, an dem wir nicht vorbeigehen konnten. Bis jetzt.

Denn guten Gewissens kann ich nicht mehr bei euch einkaufen. Nicht, seitdem ich weiß, wie ihr mit euren Mitarbeiterinnen umgeht.

Mit jungen Frauen - eurer Zielgruppe, falls ich euch daran erinnern muss.

Wie das Magazin "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sortiert ihr eure Mitarbeiter aus, und zwar auf eiskalte und unverschämte Weise.

Aber Entschuldigung, ihr sprecht ja gar nicht von Mitarbeitern, sondern von "Risikopersonal", wie der "Spiegel" erfahren hat.

Risikopersonal: Das sind für euch laut dem "Spiegel" Mütter und Mitarbeiter, die häufiger krank sind. Mitarbeiter, die euch zeitlich zu unflexibel sind oder zu oft fehlen. Von denen trennt ihr euch lieber.

Schnell jemanden ohne Kinder einstellen

27 von 480 Mitarbeitern in München habt ihr kürzlich einen Aufhebungsvertrag angeboten, wie ihr mir auf eine Anfrage bestätigt habt. Nur drei davon seien Mütter gewesen, sagt ihr. Der Grund: Sie hätten "ohne klar erkennbaren Grund" bei der Arbeit gefehlt.

Als Zeichen des guten Willens habt ihr laut eigener Aussage Gespräche mit den Mitarbeiterinnen geführt und versucht, ihre Situation am Arbeitsplatz zu verbessern. Offenbar nur mit geringem Erfolg.

Ähnliche Entlassungs-Gespräche sollt ihr nach "Spiegel"-Informationen außerdem noch in Filialen in Hannover, Stuttgart und Hamburg geführt haben.

Dort sollt ihr noch einmal mehr als 40 Mitarbeitern Aufhebungsverträge angeboten haben - und mindestens ein Dutzend davon sollen Mütter gewesen sein.

Sicher: Manchmal ist es unumgänglich, Mitarbeitern zu kündigen. Aber dass so viele Mütter unter den Entlassenen sind, scheint mir kein Zufall zu sein.

Entlassungen gehen schneller als Kindereinrichtungen

Aber klar, es ist schließlich viel einfacher, einer jungen Mutter zu kündigen, als sich um eine betriebliche Kindereinrichtung zu kümmern. Das würde es einfacher machen, Beruf und Familie zu vereinen.

Eure Betriebsräte haben euch laut "Spiegel" bereits dazu aufgefordert, eine solche Einrichtung anzubieten. Ihr hättet darauf einfach nicht reagiert, kritisiert der Betriebsrat.

Wieso auch - wenn ihr stattdessen auch Menschen beschäftigen könnt, die keine Kinder haben.

Mehr zum Thema: So werden syrische Flüchtlinge von Modeunternehmen wie Zara und Asos ausgebeutet

Doch auch auf die Frage, warum ihr keine Kinderbetreuung anbietet, wiegelt ihr ab. Ihr würdet stattdessen ja eine kostenlose "Lebensberatung" anbieten und spezielle Arbeitszeitmodelle sowie eine finanzielle Unterstützung zur Kinderbetreuung.

Wenigstens eure Briefe haben ein Herz

Wie ihr zu der Idee einer Kindereinrichtung steht, zeigt ihr an anderer Stelle. Nämlich, indem ihr jungen Müttern ratet, sich besser "ein Netzwerk zur Kinderbetreuung" zu schaffen.

Das steht laut "Spiegel" in einem Schreiben aus dem Zara-Personalbüro. Im Briefkopf stehe der Schriftzug "Babyzeit", darüber prange ein Herz. Wie schön. Wenigstens eure Briefe haben ein Herz.

Ihr könnt froh sein, wenn Mütter in Zukunft überhaupt noch bei euch arbeiten wollen. Zumindest eure Betriebsräte wehren sich bereits. Auch gegen die Entlassungen wollen sie vorgehen. Ob sie damit erfolgreich sein werden, ist fraglich.

Mir jedenfalls reichen diese Informationen. Ich werde erst mal nicht mehr bei euch einkaufen.

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