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Amelie Graen Headshot

Ich bin eine junge Frau und war auf einer Porno-Messe - diese Szene bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf

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Ich verfolge einen etwa 65-jährigen Mann auf einer Porno-Messe. Seit einer Viertelstunde läuft er mit gezückter Kamera hinter Nacktmodels her. Sobald er eine halbnackte Frau entdeckt, reißt er die Augen auf und nimmt die Jagd auf.

So wie Alice im Wunderland, wenn sie den Hasen mit der Taschenuhr sieht. Nur dass die Hasen hier statt Taschenuhr eben String-Tangas und Herzchen auf den Nippeln tragen. Hochkonzentriert wie der Verfolger ist, merkt er nicht einmal, dass er ebenfalls verfolgt wird.

Vor zehn Minuten fand ich ihn noch ganz unterhaltsam. Ich dachte, er wäre einfach nur ein armer Greis, der Nahaufnahmen von Frauenhintern sammelt. Vielleicht will er sich daraus ja einen Popo-Kalender mit nachdenklichen Sprüchen basteln, dachte ich mir. Was Männer in meiner Vorstellung eben so für Hobbys haben, die 38 Euro Eintritt für die Erotik-Messe Venus zahlen.

Im Video oben seht ihr, welch absurde Dinge Besucher auf der Venus kaufen können.

Mittlerweile aber bin ich nicht mehr belustigt, sondern nur noch voller Abscheu. Ich bin der Halbglatze mit der lilafarbenen Regenjacke in Halle 20 gefolgt. Dort ist er auf einmal wie erstarrt stehen geblieben. Mit leuchtenden Augen und geöffnetem Mund.

Die Männer filmen das Spektakel für die private Videothek

Vor ihm auf dem Sofa sitzt eine Frau mit weit auseinander gespreizten Beinen. Sie trägt nichts bis auf weiße Pumps an den Füßen und führt sich ein neues Dildo-Modell ein: den "first true Pussy lover". Ein Fernsehbildschirm daneben zeigt ihre Vagina noch einmal deutlich vergrößert in Nahaufnahme.

Ein Pulk von mindestens 20 Männern hat sich um sie herum gebildet. Fast alle von ihnen haben weißes oder lichtes Haar. Sie tragen Cordhosen, billige Karohemden oder Multifunktionswesten. Mit ihren Smartphones, Camcordern und Spiegel-Reflex-Kameras halten sie das Spektakel fest. Einer hat sich hingekniet, für einen besonders guten Blick auf die Vagina.

ekel

Auch der Popo-Fan zĂĽckt jetzt begeistert seinen Camcorder und zoomt an das Objekt seiner Begierde heran.

Ich werfe ihm einen angewiderten Seitenblick zu, aber er merkt es nicht einmal. Kein Wunder, denn die Frau spreizt ihre Beine gerade noch ein bisschen weiter und öffnet noch dazu ihren Mund. Die Münder der Männer sehen aus, als würde gleich Speichel daraus hervor tropfen.

Ich muss aufhören, sonst kotze ich

Ich will der Frau nicht dabei zusehen, wie sie sich selbst befriedigt und filme stattdessen die Zuschauer. Kaum jemand bemerkt es. Einer von ihnen zieht schnell die Hand aus seiner Hose und sieht mich kurz an, eher er sich wieder in seine Video-Aufnahme vertieft.

Nur einer von ihnen hat einen Presse-Ausweis um den Hals baumeln. Doch auch er kann nicht anders, als die Kamera zwischenzeitlich abzusetzen und die Frau mit eigenen Augen anzustarren.

Ich sehe es geradezu vor mir, wie sein Redaktionsleiter in der Konferenz gefragt hat, wer auf die Venus gehen möchte und er schnell seine Kollegen zur Seite geschubst und ganz laut "ICH, ICH!" gebrüllt hat.

Einer der Männer, ein dicker mit schlohweißem Haar, leckt sich jetzt die Lippen. Ein anzügliches Lächeln breitet sich immer weiter auf seinem Gesicht aus. Je breiter sein Grinsen wird, desto größer wird mein Brechreiz.

An seinen Handbewegungen kann ich sehen, dass er nun ebenfalls an das Geschlechtsteil der Frau heranzoomt. Jetzt hole ich auch mein Handy heraus und zoome an ihn heran, an sein Gesicht, an sein widerliches Grinsen, aber es stört ihn nicht - und ich höre auf. Weil ich sonst möglicherweise kotzen muss.

Ich habe genug gesehen.

Die Männer sind selbst von einem Wischmopp erregt

Als ich nach einer Runde durch die Halle wieder an dem Sofa vorbei muss, um den Saal verlassen zu können, stehen die Männer immer noch dort. Die Frau ist längst weg, das Sofa ist leer.

Ein Putz-Team wischt das Sofa und den Boden mit Tüchern und Wischmopp ab. Als gäbe es dort genug, um es mit einem Wischmopp aufzuwischen. Den Speichel der Männer vielleicht. Sie scheinen immer noch unglaublich erregt zu sein.

Vielleicht hätte ich den Wischmopp stehlen und bei Ebay versteigern sollen. Dann wäre ich jetzt vermutlich reich.

Als ich Stunden später an einem der Stände einen Kaffee trinken will, sehe ich einen der Männer auf einer Holzbank sitzen. Mit einem seligen Lächeln auf den Lippen schaut er sich Aufnahmen auf seiner Kamera an. Er sieht auf, nickt mir freundlich zu. Ich bekomme nicht einmal mehr meinen Kaffee herunter.

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(ks)