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An meinen widerlichen Nachbarn, wegen dem ich den Aufzug nicht mehr benutzen kann

01/12/2017 18:17 CET | Aktualisiert 04/12/2017 11:43 CET

Es soll während der Oktoberfest-Zeit passiert sein. Ich war zu dieser Zeit nicht in München, mein großes Glück.

Denn sonst hätte ich zur Zeugin des Vorfalls werden können. Ich hätte dich finden können. Im Fahrstuhl. Oder das, was du dort angerichtet hast. Und vermutlich hätte es mich für den Rest meines Lebens zutiefst verstört.

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Für mich ist es einfach unvorstellbar, wie ein Mensch so etwas tun kann. Selbst, wenn du betrunken gewesen sein sollst. Das ist keine Entschuldigung.

Nach einem längeren Urlaub betrat ich den Fahrstuhl unseres Hauses nichts Böses ahnend. Sofort stieg mir ein Geruch von Kot und Erbrochenem in die Nase.

Eine Nachbarin im Flur sah meine angewiderte Miene.

"Einer der Nachbarn hat in den Fahrstuhl gemacht", sagte sie. "Groß. Er war wohl betrunken. Rein gekotzt hat auch jemand. Wir haben alles versucht. WC-Reiniger. Chlor-Reiniger. Duftkerze. Hat alles nichts genutzt."

Genau genommen hat es alles noch verschlimmert. Denn über den Geruch von Kot und Erbrochenem hat sich nun ein beißender Chlor-Geruch und ein Hauch künstliche Erdbeer-Duftkerze gelegt.

Ich verstehe nicht, wie du so anstandslos sein konntest

Es riecht ein bisschen, als hätte ein Hund in einem Esoterik-Shop auf einen Aldi-Klostein gemacht. Und es ist unzumutbar. Mittlerweile ist der Fahrstuhl sogar ganz außer Betrieb.

Ob das mit dem Vorfall zusammenhängt, weiß ich nicht. Aber ich vermute es.

fahrstuhl

Mir stellen sich seitdem einige Fragen.

Vor allem, warum ich so etwas in zwei Jahren in Berlin nie erleben musste, aber jetzt im vornehmen München. In einem Haus, in dem Männer wohnen, die im Alltag Zylinder tragen.

Ob es einer von euch war, der sein Geschäft im Fahrstuhl verrichtet hat? Ich möchte es gar nicht wissen.

Aber was ich wissen möchte, ist: Wie kann so etwas passieren? Wie konntest du so anstandslos sein?

Warum? Was ging in deinem Kopf vor?

Okay, nehmen wir an, du warst auf dem Oktoberfest und hast literweise Bier in dich hinein gekippt. Natürlich warst du betrunken, vielleicht war dir sogar so übel, dass du dich danach übergeben musstest.

Eigentlich sollte ein Mensch seinen Brechreiz während einer wenige Sekunden langen Fahrstuhlfahrt gerade noch unterdrücken können. Das weiß ich, weil mir das schließlich auch gelungen ist, nachdem du in den Fahrstuhl gemacht hast und ich den Geruch deines Werkes ertragen musste.

Aber na gut, dass man sich übergibt, kann mal passieren.

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Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe, ist, wie es dir gelingen konnte, dein Geschäft im Fahrstuhl zu verrichten. Also erst mal Respekt, dass du das überhaupt vollbracht hast. So lang ist eine Fahrstuhlfahrt schließlich nicht.

Vielleicht bist du währenddessen mehrmals rauf und runter gefahren oder hast auf Stop gedrückt, wer weiß. Irgendwie wird das schon machbar sein.

Bloß: Warum? Was ist währenddessen in deinem Kopf vorgegangen?

Wahrscheinlich wolltest du deine Anzughose nicht verschandeln

Warst du so betrunken, dass du den Fahrstuhl mit der Toilette verwechselt hast? Hast du deinen Irrtum dann nicht wenigstens bemerkt, als du auf die Spülung drücken wolltest?

Möglicherweise bist du auch ein Schlafwandler und hast den Fahrstuhl deshalb mit einer Toilette verwechselst. Wenn ja, habe ich Angst davor, was du in Zukunft in unserem Haus anrichten wirst. Vielleicht sollte ich dieses zusätzliche Vorhängeschloss an meiner Tür doch benutzen. Und die Pflanzen im Flur in Sicherheit bringen.

Selbst wenn du solch außergewöhnlich schwere Magenbeschwerden hattest, dass du es einfach nicht mehr raus aus dem Fahrstuhl und in deine Wohnung geschafft hast - warum ist das Ergebnis deiner Beschwerden dann nicht in deiner Hose, sondern im Fahrstuhl gelandet?

Wahrscheinlich wolltest du deine schicke Anzughose oder deine neue Lederhose nicht verschandeln. Dann doch lieber den Fahrstuhl.

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Und...was ist danach passiert? Ich hoffe, du hattest Taschentücher dabei. Oder wenigstens eine "Bild"-Zeitung.

Fast könntest du mir leid tun

Hoffentlich hattest du wenigstens so viel Anstand, dich anschließend an den verzweifelten Reinigungsversuchen des Fahrstuhlklimas zu beteiligen. Auch wenn sie hoffnungslos waren.

Der Geruch deines Werkes wird wahrscheinlich nie wieder vollständig verschwinden - und dich für die Ewigkeit an den peinlichen Vorfall erinnern.

Fast könntest du mir deshalb schon wieder ein kleines bisschen leid tun. Aber auch nur fast. Bis ich daran denke, dass wir jetzt keinen benutzbaren Fahrstuhl mehr haben. Und das nur, weil du betrunken warst.

Und das Schlimmste ist: Bei jedem meiner Nachbarn kann ich jetzt nicht anders, als ihn misstrauisch anzusehen und mich zu fragen: Warst du das Schwein, das in den Aufzug gemacht hat?

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(ks)

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