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Liebe Kitas, ihr solltet eure freien Plätze den Flüchtlingskindern geben

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Viele Eltern fürchten sich davor, keinen Kita-Platz zu bekommen. So sehr, dass sie schon Monate vor der Geburt bestens über die vielversprechendsten Kitas der Stadt informiert sind.

Vielleicht erklärt es gerade dieser Umstand, dass in Berlin offenbar immer wieder sehr kurzfristig Kita-Plätze frei werden. Möglicherweise haben die Eltern sich eben spontan doch noch für eine vermeintlich bessere Kita entschieden und der anderen abgesagt: ein Luxusproblem.

"Wenn ich in unserem Bezirk zu Fuß unterwegs bin, überraschen mich oft Aushänge, in denen Kitas und Kinderläden freie Plätze anbieten", schreibt der "Tagesspiegel"- Journalist Markus Hesselmann aktuell im Newsletter der Tageszeitung und auf Twitter.

Wenn man Online nach freien Kita- und Kindergartenplätzen sucht, fällt tatsächlich auf, dass es viele kurzfristig freie Angebote in Berlin gibt. Die Betreiber suchen nahezu verzweifelt nach Eltern, die ihr Kind noch in die Kita geben wollen. Dabei läge die Lösung auf der Hand. Hesselmann fordert: Kitas, nehmt bitte Flüchtlingskinder auf!

Und er hat völlig Recht damit.

Alle Kinder würden davon profitieren

Vermutlich denkt ihr, liebe Kita-Betreiber, gar nicht an die vielen Vorteile, die es mit sich bringen könnte, wenn ihr Flüchtlingskinder aufnehmen würdet. Nicht nur für die Entwicklung der Flüchtlingskinder, sondern auch für alle anderen.

Mehr zum Thema: Das passiert mit Kindern, die früh in die Kita kommen

Das, was wir immer von anderen Menschen verlangen, sich zu integrieren und andere Nationalitäten kennen zu lernen, könnten die Kinder spielend lernen. Noch bevor sie in die Schule kommen.

Die Kinder würden lernen, auch die Menschen zu akzeptieren, die nicht die eigene Sprache sprechen wie sie selbst.

Sie würden nicht nur ihre eigene, sondern auch noch eine fremde Kultur kennenlernen. Dadurch könnten sie automatisch auch weltoffener und toleranter werden.

Denn eine Auswertung von 113 Studien weltweit hat ergeben, dass Kinder vor allem im Kindergartenalter ethnische oder nationale Vorurteile entwickeln.

"Nur unter Kindern der eigenen Nationalität aufzuwachsen, ist fatal"

"Wenn es keinerlei Kontakt zu sozialen Fremdgruppen gibt, kann man auch keine persönlichen Erfahrungen machen und hält an pauschalen negativen Bewertungen länger fest", sagte der Jenaer Psychologe Andreas Beelmann der Tageszeitung "Berliner Morgenpost".

Die eigenen Freunde gehörten hingegen zur Identität, sagte der Psychologe. Die Wahrscheinlichkeit sei deshalb gering, dass ein Kind Nationalitäten ablehne, denen seine Freunde angehören.

Entstandene Vorurteile könnten außerdem auch in späteren Lebensjahren nicht mehr verändert werden.

Die Integration ohne Kita-Platz ist schwer

Der Journalist Hesselmann schreibt, dass seine Elterninitiativ-Kita im vergangenen Jahr ein syrisches Flüchtlings-Mädchen aufgenommen und viele positive Erfahrungen gesammelt hätte.

"Die kleine Dafar hat nun nach den Sommerferien einen ganz anderen Start ins erste Schuljahr, als sie es ohne ihre Zeit bei uns in der Kita gehabt hätte", schreibt Hesselmann.

Viele Eltern von Flüchtlingskindern warten auf einen Kita-Platz, aber bekommen keinen. In Stuttgart fehlen für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren 182 Kita-Plätze, wie das ZDF berichtete. Von 182 sind 113 Flüchtlingskinder betroffen.

Oft müssten die Träger der Flüchtlingsheime viel Überzeugungsarbeit leisten, bis es gelingt, Flüchtlingskinder in den Kitas unterzubringen, berichtet der Sender.

Die Angst davor, andere Eltern abzuschrecken, ist offensichtlich groß. Mit fatalen Folgen für die geflüchteten Familien. Denn wenn das Kind nicht in die Kita kann, leidet die ganze Familie darunter.

Vor allem für Alleinerziehende hat das schwerwiegende Folgen: Sie verlieren wertvolle Zeit, um beispielsweise in einen Integrationskurs zu gehen.

Und die Kinder verlieren wertvolle Zeit, in der sie die Sprache lernen könnten. Und: In der sie Freunde finden und sich heimisch fühlen, kurz sich integrieren könnten. Das, was alle von Flüchtlingskindern verlangen.

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(pb)