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Hört endlich auf, mir zu sagen, was ich erlebt haben muss, bis ich 30 bin

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BUCKET LIST
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Es gibt Menschen, die glauben, Träume und Ziele in eine To-Do-Liste packen zu müssen, um glücklich zu werden. In meinem Bekanntenkreis gibt es genug solcher Menschen. Euch möchte ich sagen: Hört endlich auf damit!

Versteht doch, was ihr damit anrichtet: Ihr verleiht dem Leben den Charme einer Einkaufsliste, die ihr abhaken müsst.

Ihr lasst euch von diesen Texten inspirieren, die meinen uns vorschreiben zu müssen, was wir bis zu unserem 30. Geburtstag erlebt haben müssen. Wenn ich noch einen einzigen dieser Texte sehe, werde ich all diese Dinge garantiert nicht tun.

Eure Listen sind völlig absurd

Ich will keine Liste, die mir sagt, was ich erleben muss. Nicht einmal von mir selbst aufgeschrieben. Schließlich verändern sich meine Wünsche.

Noch weniger aber will ich von anderen Menschen geschriebene Listen lesen, die mir zu solch völlig hirnrissigen Dingen raten wie:

"In einer Wanne voll flüssiger Schokolade Platz nehmen", "eine Tortenschlacht veranstalten", oder mich "in einen Ski-Lehrer verlieben."

Auch wenn mir noch einige Jahre bleiben, bis ich 30 werde, sind diese Listen so lang, dass ich sie niemals werde erfüllen können. Schon jetzt hänge ich hinterher. Nun muss ich auch noch Ski fahren lernen, um mich in den Lehrer zu verlieben.

Und leider meinen Job kündigen. Das sollte man aufgrund einiger Listen nämlich auch mehrmals getan haben.

Für Männer sind diese Listen übrigens nicht weniger absurd.

Die Listen für Männer und Frauen sind endlos

Die "Bild" schreibt in einer solchen Liste: "Mit 30 sollte ein Mann Respekt vor Frauen haben...und die Erkenntnis, dass sie mehr sind als Hintern und Brüste"

Also, wenn ihr 29 seid, dann kostet es richtig aus: Ein Jahr lang habt ihr noch Zeit, euch Frauen gegenüber respektlos zu verhalten und sie auf ihre Körperteile zu reduzieren.

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Außerdem rät euch die "Bild" dringend dazu, bis 30 die perfekte Jeans gefunden zu haben, "die einen super Hintern macht", und "für jede Gelegenheit das richtige Lächeln zu finden".

Ich befürchte, dass ein Lächeln, das man erst "finden" muss, bei jeder Gelegenheit das falsche sein wird. Aber ich habe vielleicht auch keine Ahnung. Schließlich führe ich keine Bucket List - im Gegensatz zu vielen anderen meiner Generation.

Das Leben wird zu einer XXL-To-Do-List

Einmal über die Brooklyn Bridge laufen: Check!
Fallschirm springen: Check!
Traumpartner finden: Check!

Wann ist es für so viele Menschen normal geworden, ihr Leben als eine Bucket List, eine XXL-To-Do-List, zu betrachten - mit Dingen, die sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt erledigt haben müssen?

Denn dafür ist eine To-Do-List eigentlich da: um Dinge zu erledigen. Ich habe mir mittlerweile auch eine Liste angelegt. Da steht so etwas drauf wie "Klopapier kaufen" - weil das etwas ist, das mir keinen Spaß macht. Etwas, an das ich mich erinnern muss.

An Ziele, Träume und Wünsche muss ich mich nicht erinnern. Wie wichtig können sie schon sein, wenn sie eine Liste bräuchten, um sie nicht zu vergessen, frage ich mich.

Die Listen bürden uns den Zwang auf, mehr zu erreichen

Ich brauche auch keine Medien, die mich daran erinnern.

Unbewusst entsteht dadurch ein Druck, ein Zwang, mehr und mehr erreichen zu müssen.

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Mit 30 MUSS ich zwei Kinder haben: Das steht auf meiner Bucket List, gleich nach der Welt-Umsegelung. Wenn der richtige Partner aber mit 29 nicht gefunden ist? Tja, wird eng. Müssen dann wohl Zwillinge werden.

Es ist verrückt, so zu denken. Und es ist traurig, unser Leben als eine Liste zu betrachten, die wir abarbeiten müssen.

"Ich plane damit halt mein Leben", sagte mir ein Bekannter.

Das Leben lässt sich aber genauso wenig planen, wie es sich abhaken lässt - und seine echten Träume und Ziele vergisst man doch ohnehin nicht.

Bucket-Lists könnten vielleicht das Gegenteil bewirken

Buckets Lists könnten sich vielleicht sogar ins Gegenteil verkehren und statt zu motivieren, ziemlich deprimieren. Nämlich dann, wenn etwas nicht abgehakt werden kann.

Selbst die Freude über etwas "Erreichtes" dürfte nur von kurzer Dauer sein: Auf der Liste stehen noch viele weitere Dinge. Sie soll schließlich für ein ganzes Leben reichen. Der Druck ist hoch.

Statt einen Moment zu genießen wird ein Haken hinter etwas gesetzt und schnell zum nächsten Erlebnis gehetzt.

Mehr zum Thema: Warum die Generation Y so unglücklich ist

Was aber, wenn alles abgehakt ist?

Können wir dann einen Haken neben "erfülltes Leben" setzen?

Ob ihr glücklich wart, als ihr die Dinge auf eurer Bucket List erlebt habt, darüber sagen die Listen nichts aus.

Was ihr meiner Meinung nach unbedingt tun solltet, bevor ihr 30 seid: Aufhören, Listen zu lesen, mit Dingen, die ihr erlebt haben müsst, bevor ihr 30 seid.

Check!

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