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Meine geliebte Teenager-Tochter: Wir können gerade keine Freunde sein

02/11/2015 18:29 CET | Aktualisiert 02/11/2016 10:12 CET
Amanda Waggener

Meine geliebte Teenager-Tochter,

Ich habe lange darüber nachgedacht und ich komme zu dem Schluss, dass wir keine Freunde sein können.

Es liegt nicht an mir. Es liegt an dir.

Dank dir verstehe ich, warum einige Tierarten ihre Jungen fressen.

Als du geboren wurdest, warst du außergewöhnlich bezaubernd. Wesentlich bezaubernder als die anderen Babys, die an diesem Tag geboren wurden. Ich bin mir sicher, dass die anderen Mütter ihre eigenen Babys mit großer Enttäuschung betrachtet haben.

Du warst so ein gutes Baby. Du hast lange Nickerchen gemacht, damit ich auch mal eine Pause hatte und du hast die ganze Nacht in deinem eigene Bettchen durchgeschlafen.

Du hast alles gegessen. Das hat mir das Gefühl gegeben, besser als die anderen Mütter zu sein, die sich ständig über ihre wählerischen Kinder beschwerten.

Du warst unabhängig und wolltest Dinge selbst und alleine machen. Du hast dir nichts gefallen lassen, von niemandem - sogar als Kleinkind.

Als der nette alte Mann aus der Kirche deine Hand berührte und lächelte, warfst du ihm einen Blick zu, der deutlich 'fahr zur Hölle, fahr direkt zur Hölle' sagte. Dabei warst du aber so niedlich, dass er einfach lachen musste und es nächste Woche wieder versuchen würde. Du warst eigentlich ziemlich perfekt. Ich setzte große Hoffnung in dich.

Jetzt bist du ein Teenager und mit nur 14 Jahren hast du den Körper eines Supermodels und absurd lange Wimpern. Du ziehst die Aufmerksamkeit der älteren Jungs auf dich, weil du wirklich nicht jünger als 17 aussiehst.

Ich finde das nicht fair, bedenkt man, dass ich fast 20 Zentimeter kleiner und acht Kilo schwerer bin als du. Du bist noch immer sehr willensstark, klug, kreativ und zum Schreien komisch.

Du wirfst noch immer, bei sich bietender Gelegenheit, jedem, den du nicht magst, Todesblicke zu (daran arbeiten wir noch). Dennoch ist das nicht der Grund, warum wir zwei keine Freunde sein können.

Du hast dich von einem süßen, naiven kleinen Mädchen, das Zootiere und American Girl Puppen liebte, in einen hormongefüllten, irrationalen, emotionalen Teenager verwandelt. Ich muss mir Strategien zurecht legen, wie ich dich auf Themen anspreche, von denen ich fürchte, dass sie dich zum ausrasten bringen könnten.

Wie zum Beispiel, dass die Schlange bei Olive Garden zu lang ist und wir uns einen Plan B für das Abendessen einfallen lassen sollten. Wenn du Hunger hast, bist du besonders angsteinflößend.

Um ganz ehrlich zu sein: Das hast du nicht gestohlen. Diese Eigenschaft könnte dir vererbt worden sein. Du springst hin und her. In einem Moment bist du ein Kind und im nächsten bist du ein vergnügungssüchtiger, energischer Teenager und dann wirst du zu einem unreifen Erwachsenen.

Das ist der Grund, warum wir keine Freunde sein können. Menschen haben mich vor dieser Teenagersache gewarnt. Aber ich wollte ihnen nicht glauben ... so wird mein Baby doch nicht. Tja, jetzt stellt sich heraus, dass sie wohl recht hatten.

Wir können keine Freunde sein, weil du meine Hilfe brauchst. Du brauchst meine Hilfe, um diese Teenagerzeit zu überstehen und dich zu einer erwachsenen Person zu entwickeln, die auf Partys nicht von anderen gemieden wird.

In diesem Moment brauchst du nicht die zweite Hälfte von meiner "Beste Freunde fürs Leben"-Halskette. Du brauchst eine Mutter.

Wenn wir streiten, weil du beschließt, dein brandneues Herbst-Outfit, bestehend aus Boho-Top unter einer langen Strickjacke und Skinny Jeans mit Ankle Boots, unbedingt Anfang September anzuziehen, obwohl die Wettervorhersage 33 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit verspricht, weiß ich, dass du mich brauchst. Du brauchst mich, um dich vor einem Hitzschlag im Schulbus zu bewahren.

Wenn du mit den Augen rollst und etwas Gehässiges vor dich hin murmelst und das Zimmer verlässt, weil ich dir nicht erlaube mit dem 16-jährigen Jungen, auf den du stehst, im Auto zu fahren.

Dann sehe ich wie unschuldig und kurzsichtig du im Moment bist. Du siehst all die lebenverändernden Konsequenzen nicht, die etwas mit sich bringen kann. Aber ich sehe sie und deshalb lasse ich mich von dir so behandeln, als sei ich diejenige, die falsche Vorstellungen hat.

Wir haben einen Traumurlaub gemacht, der durch und durch perfekt zu sein schien. Aber jedes Mal, wenn eine Winzigkeit nicht so lief, wie du es dir vorgestellt hattest, kamst du zu mir, krabbeltest in meinen Schoß, zogst deinen langen Beine an dich und weintest.

Da wurde mir klar, dass du, auch wenn du bald erwachsen sein würdest, noch immer ein Kind bist. Du brauchst mich.

Sind wir ehrlich: Du hast Freunde. Ich habe Freunde. Wir brauchen uns im Moment nicht als Freunde. Ich mache dich mit meinen dummen Regeln wahnsinnig und ehrlich gesagt, bist du auch nicht immer ein angenehmer Mitbewohner.

Verstehe meine Überzeugung, dass wir keine Freunde sein können, nicht als mangelnde Liebe. Ich habe für dich gebetet, seit dem Moment, in dem ich erfahren habe, dass ich mit die schwanger war. Jeden Tag.

Meine Gebete haben sich so verändert, wie sich auch das Leben verändert. Ich habe gebetet, dass du die ganze Nacht in deinem Bettchen durchschlafen würdest. Ich habe gebetet, dass dein Windelausschlag weggehen würde. Ich habe gebetet, dass du dich nicht zu sehr über die Spritzen aufregen würdest, die dir der Doktor geben musste.

Ich habe gebetet, dass du Selbstbewusstsein entwickeln würdest, wenn du durch die seltsame Phase mit ausgefallenen Zähnen und krummer Brille gehen musstest.

Ich habe gebetet, dass dein erster Tag auf der Highschool dieses Jahr großartig werden würde. Täglich bete ich dafür, dass du gesund bleibst, sicher bist, dass du kluge Entscheidungen triffst und dass du dich nicht auf die falschen Leute einlässt.

Ich bete, dass du, je näher du dem Dating-Alter kommst, einen Idioten erkennst, wenn er vor dir steht. Ich bete, dass du eine Balance zwischen Selbstbewusstsein und Bescheidenheit findest.

Es ist schwer für dich, zu verstehen wie tief meine Liebe für dich ist und ich erwarte es auch nicht von dir, solange du nicht selbst Kinder hast. Du bist der beste Teil von mir und deinem Vater.

Du und dein Bruder, ihr seid unser Herzschlag. Wenn du verletzt bist, sind wir verletzt. Es ist unser Job, dich zu einer Erwachsenen zu erziehen, die nett und verantwortungsvoll ist, sich selbst und andere Menschen respektiert.

Wir wollen dich so bereit wie möglich für alles, was das Leben für dich bereithält, in diese Welt entlassen. Wir wollen, dass du mutig und stark bist.

Nun stellt sich heraus, um diese Aufgabe zu erfüllen, kommt meine Liebe für dich nicht immer so gut an. Das nervt und ich wünschte, es wäre anders, aber ich hege Hoffnung, dass das nicht ewig dauert. Es ist in Ordnung, dass du mich nicht immer magst oder denkst, dass ich cool bin.

Wenn du mich also anschreist, damit ich morgens in dein Zimmer komme, um deine Haare zu frisieren, dich dann beschwerst, wie das Ergebnis aussieht, mich bittest, dein Shirt zu bügeln und dir Frühstück zu machen, um mir dann auf dem Weg zur Schule zu sagen, dass ich noch ein dreiseitiges Formular jetzt ausfüllen muss, damit du mit auf den Schulausflug darfst, von dem ich gar nichts wusste, dann atme ich einfach tief durch und mache es.

Weil ich dich lieb habe.

Auch weil ich zu Gott gebetet habe, dass du eines Tages eine Tochter haben wirst, die genauso ist wie du. Das allein wird genug Entlohnung für mich sein, damit das alles etwas wert gewesen ist.

Ich hoffe, du verstehst das. Nimm es nicht persönlich.

In Liebe,

Mom

*Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog der Autorin, No Grit, No Pearl.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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