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Ideologien der Ungleichwertigkeit mit Rückgrat begegnen

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FLCHTLINGE
dpa
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Orlando, Nizza, Würzburg, München, Ansbach, Tokio - Sie alle eint vor allem eins: Die tödliche Gewalt, die von Einzelnen ausgeht und Viele das Leben kostet. Ansonsten eint sie nicht viel, weder ihre Religion, noch ihre Herkunft und noch weniger - ihre Motive.

Reflexhaft wird die Verantwortung für diese Taten stets außerhalb der eigenen Gesellschaft verortet. In Syrien, im Irak und dort bei denen, die als ISIS in den westlichen Medien bekannt geworden sind und deren einzige wirkliche Gemeinsamkeit, ihre Verachtung menschlichen Lebens, zu sein scheint.

Schauen wir genauer hin, sind viele der Täter/innen jedoch solche, die dort, wo sie die Gewalttaten ausüben, geboren und aufgewachsen sind. Wir sollten uns also vielleicht fragen, was wir selbst vor Ort tun können, um Menschen nicht ins Abseits zu stellen, was wir tun können, um Ideologien zu begegnen, die manches Leben als wertvoll und anderes als unwert verurteilen.

Und wie können wir die Attraktivität, die von solchen Gruppen und Ideologien ausgeht und die insbesondere für junge marginalisierte Männer anziehend zu sein scheint, reduzieren?

Stark machen gegen die Feinde

Wir selbst leben es letztlich vor. Wenn beispielsweise täglich hunderte Menschen der Gewalt in den Kriegsgebieten dieser Welt zum Opfer fallen, wenn, laut UN-Bericht, jährlich 11 Millionen Kinder auf dieser übersättigten Welt an Hunger und 5 Millionen Menschen an, durch verunreinigtes Wasser übertragenen, Krankheiten sterben, haben alle diese Menschen weder ein Gesicht, noch einen Namen für uns.

Nur bestimmtes Leben scheint wertvoll genug zu sein, dass wir darum trauern, dass wir es schützen und sichern müssen. Hier können rechte Ideologien wunderbar anknüpfen und die mobilisieren, die glauben, zu kurz gekommen zu sein.

Für unsere Sicherheit scheint alles recht zu sein. Grenzzäune hoch, Bürger bewaffnen, Asylrechte noch weiter einschränken, Datenschutzrechte komplett aufheben ... Es wird für Intellektuelle, linke wie liberale, immer schwieriger dagegen zu argumentieren, jetzt, wo es doch offensichtlich zu sein scheint, wie sehr wir in Gefahr sind, jetzt, wo die Gewalt nicht mehr nur in Fernsehbildern, sondern direkt bis vor unsere Haustür gekommen ist.

Doch umso wichtiger ist es, dass wir uns gerade jetzt stark machen gegen unsere Feinde. Aber nicht gegen jene, die uns als männliche IS-Angehörige präsentiert werden und hier und da meinen, eine Handvoll Menschen brutal und sinnlos mit in den Tod zu nehmen und vor allem nicht gegen jene Millionen von Menschen, die als gläubige Muslim/a unter uns leben.

Der Blick für die Anderen

Vielmehr sollten wir wachsam für unsere Verantwortung bleiben, uns nicht mitreißen zu lassen in dem Sog von Hass und Abwehr. Wir sollten vielmehr versuchen das, was hier vor Ort passiert, im Kontext dessen zu sehen, was parallel, zeitgleich im globalen Süden passiert.

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Die Welt ist etwas größer als das winzige Europa und das noch kleinere Deutschland. Wir sollten nicht vergessen, dass jede Einzelne von uns wichtig ist, ohne uns selbst zu wichtig zu nehmen, denn dann sind wir nicht mehr in der Lage die Anderen zu sehen.

Während wir also einerseits sehr darauf achten müssen, dass wir uns das, was wir uns jahrelang an demokratischen Grundlagen in dieser Gesellschaft erarbeitet haben, nicht von Rechtspopulist/innen wieder nehmen lassen und hier trotz aller Sorgen um die eigene Sicherheit immer wieder Mut und Rückgrat zeigen müssen, bleibt es andererseits unsere Hauptaufgabe, den solidarischen Blick auf die uns unvertrauten Anderen hier und in anderen Teilen der Welt nicht zu verlieren, ja, ihn gar erst einzuüben.

Nur dann ist es perspektivisch möglich, gemeinsam mit diesen, uns anders erscheinenden Menschen, neue Wege zu finden, mit Gewalt und Hass widerständig umzugehen.

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