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Der Teufel liegt im Familienbett? - Wenn du durchschlafen willst, werde nicht Mutter!

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FAMILIENBETT
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Der Teufel liegt im Familienbett? NEIN

Och nööö, nicht noch so ein "Pro Familienbett alles Friede, Freude, Eierkuchen Artikel." So nach dem Motto: NUR DAS ist das BESTE usw. usf. NEIN, ihr werdet weiter unten sehen, dass es eben KEIN Patentrezept ist. Es kann dennoch nicht genug Artikel darĂŒber geben, weil es einfach jeden Tag (bzw. Nacht) einer Familie bestimmt und viele diese "Lösung" - gar nicht erst in Betracht ziehen.

In der Onlinewelt scheint es immer so, als seien es viele und jeder den man dort so kennt, praktiziert das so. Bin ich aber mal im LEBEN unterwegs, bin ich schon öfter mal sprachlos wie normal Ferbern bzw. Schlaftraining IMMERNOCH ist.

Wer ist jetzt hier der Teufel?

Ich bin ein klein wenig der Teufel, weil ich falsche Vorstellungen vom Kindesschlaf hatte. Vom Ort, von der Dauer. Von allem. Wirklich, ich habe alle AmmenmĂ€rchen adaptiert und mich selbst in grĂ¶ĂŸte Unruhe versetzt. Dinge die ich nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen kann, aber ich kann es jeden TAG anders machen. Jeden Tag neu beginnen. Vielleicht sogar die Grundursache fĂŒr viele andere ‚Problemchen' beseitigen.

In the rest of the world, babies don't need their own cribs and rooms because everyone expects babies to be close to the mother after birth--they only just came out of the mother's body, after all. (incultureparent.com)

Die Klassiker unter den Klassikern


Babys/Kinder mĂŒssen doch (irgendwann mal) alleine schlafen? Sonst gewöhnen sie sich doch NIE daran alleine (ein) zu schlafen.

MĂŒssen sie das ĂŒberhaupt? Und wenn ja, wieso? Was bezwecken wir eigentlich damit? SelbststĂ€ndigkeit? SelbststĂ€ndigkeit, Selbstbewusstsein und Sicherheit kommen meiner Meinung nach von einem sicheren Hafen, nicht von einer Konditionierung oder ungewollte Trennung von der Bezugsperson.

Thema: Nicht ablegen lassen. Menschen sind Traglinge und haben eine Kontaktverlustangst. Anders als z.B. Nesthocker bzw. Nestlinge. Das schreien/meckern ist also fast vorprogrammiert. Wobei ich immer wieder Berichte von MĂŒttern höre, wo das Kind seelenruhig alleine im Bett schlĂ€ft. Auch nachts? Das wird irgendwie nicht erwĂ€hnt. Es scheint jedenfalls nicht die Norm zu sein. Oder das Kind nimmt einen Schnuller zum beruhigen und einschlafen. Der ist bei uns entfallen, sodass ich das gar nicht als Möglichkeit in Betracht ziehen konnte.

Zitat Susanne Mierau (von geborgen-wachsen.de): Von Natur aus können Babys und Kinder dann gut einschlafen, wenn sie sich sicher und geborgen fĂŒhlen. Insbesondere bei Kindern, die noch nicht laufen können, ist dafĂŒr die NĂ€he der Eltern notwendig. Sind sie in der NĂ€he, bedeutet dies fĂŒr das Kind: Mir kann nichts passieren.

Wenn irgendetwas nicht in Ordnung ist, ist jemand fĂŒr mich da und kĂŒmmert sich um mich, trĂ€gt mich im Notfall davon. Seinen Ursprung hat dieses Verhalten darin, dass das Verhalten unserer Babys in vielen Punkten noch von den Urinstinkten bestimmt wird, die seit Millionen von Jahren fĂŒr das sichere Aufwachsen notwendig waren.

Babys und Kleinkinder wissen noch nicht, dass keine wilden Tiere in unsere Wohnung kommen können oder wir mit sicheren TĂŒren und Glasscheiben gegen die Naturgewalten geschĂŒtzt sind. Um sich sicher zu fĂŒhlen, brauchen sie kein Angelcare oder Babyphone, sondern die Gewissheit, die Eltern in der NĂ€he zu haben.

Wenn daher Babys und Kinder im Familienbett schlafen, kommt das einem ganz natĂŒrlichen und Millionen Jahre altem Impuls nach. Von "verziehen" kann also keinesfalls die Rede sein, sondern vielmehr davon, auf die Signale und BedĂŒrfnisse des Kindes zu achten. Zudem hat das Schlafen im Familienbett bzw. der unmittelbaren NĂ€he der Eltern weitere, auch gesundheitliche Vorteile (...)

Sonst schlÀft das Kind noch mit 18 bei dir im Bett, und stillt sowieso bis es 18 ist.

Nicht ganz, es mag durchaus Familienmitglieder geben, die selbstbestimmt entscheiden wann der richtige Zeitpunkt ist, dass das Kind alleine schlafen kann und das auch von selbst mag. Das ist sehr altersunabhÀngig - und sollte es auch sein! Und selbst wenn es mal wieder Phasen gibt, wo das Kind wieder im Familienbett schlafen möchte, wieso nicht?

Können wir nicht einfach flexibel bleiben? Wir sind doch auch nicht jeden Tag gleich gut gelaunt. Man sollte sich dieses kostbare Verhalten von Kindern, welches Erwachsenen abhanden gekommen ist, vielleicht bewahren: Kinder sind so ehrlich wie betrunkene, sagt man ja.

Sie kommen auch jederzeit unvoreingenommen zu einem zurĂŒck und erhoffen sich Geborgenheit. Und dann sage ich: Du hast doch dein eigenes Bett? Nein, dann sage ich. Komm her, morgen brauchst du mich vielleicht wieder weniger.

Hast du keine Angst das Kind im Schlaf zu erdrĂŒcken?

Ganz ehrlich, nein. Das halte ich fĂŒr einen vorgeschobenen Grund. Und auch Studie XY verwirrt mich dabei nicht. Auch keine Horrorstory aus den USA. Fahrt ihr jetzt alle kein Auto mehr, weil man dabei sterben könnte? Auch Babys sind robuster als man vielleicht denken mag. Und machen sich, ganz sicher sogar lautstark bemerkbar, wenn etwas nicht stimmt. Gerade das ist ein GRUND fĂŒr das Familienbett, denn ich wĂŒrde viel schneller bemerken, wenn etwas nicht stimmen WÜRDE.

Ihr habt doch gar keine Paar-Zeit mehr?

Familienbettler wissen, wie sie das managen. Sie haben sich ja schließlich bewusst dafĂŒr entschieden. Und ja es gibt auch andere Orte fĂŒr *PIEEEEP*. Mal ernsthaft: DAS ist doch kein Grund dafĂŒr, warum ich mein Kind zum allein schlafen konditioniere, oder etwa doch? Der Teufel kommt, auch wenn Kinder konditioniert werden alleine zu schlafen, nur anders.

Den Spieß umdrehen

Versetze dich doch ein mal in die Lage des Kindes

Wo wĂŒrdest du dich als Neugeborenes oder Kleinkind in der Nacht am wohlsten fĂŒhlen? Ich weiß, das fĂ€llt jetzt vielen schwer, das nachzuvollziehen. Seid ehrlich zu euch selbst - und zu euren Kindern.

Sehe es von einem anderen Blickwinkel aus

Ein anderer, als dein jetziger. Vielleicht auch mal das komplette Gegenteil. Was wĂ€re einfacher, wenn ich einfach mal das MACHEN WÜRDE, was ich vielleicht schon lange gerne machen wĂŒrde? Was wĂ€re einfacher, wenn ich einfach mal nicht auf die Kritik anderer höre.

Blende Stimmen der Außenwelt aus, wenn dir deine Intuition etwas anderes sagt, oder gehe ins GesprĂ€ch. Vielleicht werden sie es dann anders sehen. Sie selbst haben es oft nicht einmal versucht, im Familienbett zu schlafen.

Die kritischsten Stimmen stammen meist von Eltern, die es selbst nicht so gehandhabt haben, am besten noch von Kinderlosen. Und dann fallen SĂ€tze wie ‚Da ist noch niemand dran gestorben (alleine schlafen)' - ‚Das macht man so, bzw. das hat man immer schon so gemacht'. - ‚Das ist gefĂ€hrlich'. - ‚Dann bist du ja nur noch Mutter.' - usw. usf.

Familienbett ist kein Patenrezept

Nein, Familienbett ist kein Patenrezept. Nein, das Kind schlĂ€ft nicht lĂ€nger, schneller ein, oder ruhiger als andere Babys, die in einem eigenen Bett ( oder sogar anderen Raum ) schlafen. Nein, ein Familienbett ist nicht DIE LÖSUNG FÜR JEDERMANN. Nein, es ist einfach manchmal die bessere Lösung, als zwanghaft Kinder auf das allein schlafen zu trainieren, denn das liegt nicht mal in unserer Natur. Selbst wenn DAS allein schlafen manchmal die bessere Lösung ist. Mein Fazit ist: Schaut genau hin.

Wie war das bei uns?

K1 schlief (auf Dauer) alleine WESENTLICH besser, K2 eben nicht. Das alleine schlafen, war durchaus anstrengender, denn ich musste mindestens alle 2 Stunden aufstehen. Das tĂ€gliche in den Schlaf tragen, das anschließende Ablegen und den Raum (VERSUCHEN ZU) verlassen, war immer ein James Bond Film Szenario.

Man muss dazu aber auch die vielen anderen UmstĂ€nde bedenken. K1 fehlte das Stillen, K2 nicht. (Just for the record: Kind 1 & Kind 2, klingt unpersönlich oder? Ich möchte hier aber generell keine Vornamen nennen, außer eben meinen. Deshalb K1 und K2.)

Ein absolut wichtiger Punkt

Kinder schlafen NIE durch. Auch nicht nach dem 1 und 2 Geburtstag.

Weder im Familienbett noch im eigenen Bett. Kathrin von Nestling.org fragte sich: "Denn obwohl ich genau weiß, dass manche Kinder erst mit vier bis fĂŒnf Jahren durchschlafen, hatte ich einerseits gehofft, dass unser MĂ€dchen es schneller schafft. Andererseits fragte ich mich immer wieder, ob das Familienbett und das "lange" Stillen das Durchschlafen nicht doch verhindern."

NĂ€chtliche Mahlzeiten fĂŒr die Gehirnentwicklung

Vom evolutionĂ€ren Blickwinkel betrachtet ist es ĂŒbrigens sinnvoll, dass Kinder auch nachts Nahrung aufnehmen, denn diese benötigen sie in den ersten drei Lebensjahren fĂŒr den Aufbau ihres enorm komplexen Gehirnes. "Ein Kind muss sein extrem schnell wachsendes Gehirn bestĂ€ndig mit Energie beliefern und da gilt es, möglichst keine Gelegenheit auszulassen." [7]

Obwohl unsere Kinder (im Gegensatz zu unseren Vorfahren) aufgrund des konstanten Nahrungsangebotes keine EngpĂ€sse erleiden, sind nĂ€chtliche Stillmahlzeiten auch heute noch ĂŒber das erste halbe Jahr hinaus gut und wichtig fĂŒr ein Kind. Schließlich weiß niemand besser als das Kind selbst, wann es wie viel Nahrung benötigt.

FĂŒr uns Eltern ist dabei wichtig zu wissen, dass "Kinder nicht wachsen, weil sie gegessen haben, sondern dass sie essen, weil sie wachsen."[8] Diesen phasenweise erhöhten Energiebedarf decken sie hĂ€ufig in der Nacht, auch um die Milchproduktion anzukurbeln.

Ganzen Artikel Nestling.org hier weiterlesen.

R E L A X !

Ein Kind, das Tag und Nacht umsorgt wird, fĂŒhlt sich in seinem Glauben an die Liebe und UnterstĂŒtzung seiner Eltern bestĂ€tigt, anstatt mit GefĂŒhlen wie Angst, Ärger und Einsamkeit Nacht fĂŒr Nacht zurechtkommen zu mĂŒssen. Kinder, die sich wĂ€hrend der Nacht dicht neben ihren MĂŒttern und/oder VĂ€tern sicher fĂŒhlen durften, wachsen zu Erwachsenen heran, die besser mit unausweichlichen Stresssituationen, die das Leben nun mal mit sich bringt, zurecht kommen.

John Holt bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: Liebe und Geborgenheit in der frĂŒhen Kindheit erfahren zu haben, hat nichts mit Verwöhnen gemein, sondern ist wie ein dickes Bankkonto: ein Fundament aus Selbstachtung und Selbstsicherheit, von dem das Kind zehren und die Herausforderungen des Lebens meistern kann. (Rabeneltern.org)

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Babys sind nun mal BABYS. Wer hat denn behauptet, dass sich nicht viel Energie und Zuwendung benötigen? Warum macht man es sich denn oft selbst so schwer? Fragen ĂŒber Fragen. Aber dort setzt der Blogtitel an. Wer durchschlafen möchte, der sollte wohlmöglich einfach keine Kinder bekommen.

Overrated

Huffingtonpost.de schrieb: Eltern, die sich ĂŒber die Schlafgewohnheiten ihrer Kinder Sorgen machen, sollten in den Spiegel schauen: Eine neue finnische Studie fand heraus, dass Eltern, die selbst Schlafprobleme haben, mit höherer Wahrscheinlichkeit dazu neigen, die Schlafstörungen ihrer Kinder ĂŒberzubewerten.

Sofern man das alles immer als ‚Schlafproblem' bezeichen kann, denn oft sind es wir, die ein Problem haben, nicht die Kinder. Sie wollen nur bei einem sein, auch nachts! Wir sind mit den Gedanken woanders, hĂ€tten gern mehr Freiraum, sind gestresst, ĂŒberfordert, im Zwist mit dem Partner, der das Familienbett u.U nicht (mehr) möchte, etc. pp.

Offen mit dem Partner sprechen und FreirÀume schaffen kann da sehr wohltuend sein.

Guten Schlaf und bis bald. : - )

Der Beitrag erschien ursprĂŒnglich auf http://blog.urnaturaen.de.

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