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Impfen - Gottes Segen oder Medizinischer Fluch?

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Sie steuern geradewegs auf ein Wespennest zu. Vorsicht sie haben es beinah erreicht - Sie wurden gestochen und dies gleich 10-mal, sie können nichts mehr dagegen unternehmen.

Derzeit ist das Thema Impfen erneut in aller Munde und wieso? Weil ein kleiner Junge im Alter von 1,5 Jahren, an den doch eigentlich so harmlosen Masern gestoben ist. Die Masern sind zurück und somit auch die angeheizte Debatte um die Frage nach der Notwendigkeit der Impfpflicht.

Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, warum ich mich in diese heiße Debatte überhaupt hinein begebe, da ich doch in der Tiefe meines Herzens so ein friedliebender und nicht gerade aktueller Mensch bin. Ich habe bisher auf meinem Blog noch nie ein aktuelles Thema behandelt und gerade dieses Thema ist im Endeffekt lediglich ein aggressives Wespennest, bestehend aus aufgebrachten Müttern, die nur darauf warten dir die Wörter im Mund zu verdrehen um der Welt ihre Meinung zu injizieren.

Es gibt auf beiden Seiten, die Vollblut-Impfer und die Vollblut-Kritiker, die beiderseits nur darauf aus sind ihre Meinungen in die Welt hinaus zu tragen und davon zu berichten, warum ja oder warum nein. Doch was ist mit denen, die weder das eine, noch das andere zu 100% vertreten können?

Als ich gestern zum Thema Impfen einen Artikel bei Stadt Land Mama fand, den ich mit sehr interessierten Augen las, kam ich nicht mehr drum rum, mich und meine Meinung zum Besten zu geben, denn ich glaube so wie es mir geht, geht es im Grunde doch recht vielen Müttern.

Wir sind unentschlossen...

Wir überlegen hin und her, haben beide Impulse, entscheiden uns letztendlich dafür und dennoch so ganz überzeugt sind wir nicht, denn immerhin greift jemand anderes ganz arg in das körperliche Wohl unseres Kindes ein. Keiner sieht diese Auswirkungen der Impfungen gerne an seinem geliebten Kind.

Ich sitze oft da, wenn ich vom Impfen komme und warte einfach nur -warte auf das was passiert, auf die Anzeichen, dass es meinem Sohn bald schlechter geht, dass er weint, weil sein kleiner Körper kämpft und sich wehrt ... - nein, das sehe ich nicht gerne und nein, es fühlt sich auch nicht gut an- in diesem Moment.

Ich kann euch ja mal kurz erzählen warum ich mich letztendlich dazu entschieden habe meinen Sohn zu impfen! Bei der ersten U-Untersuchung beim Kinderarzt stellte sich uns die Frage: Impfen ja oder nein, doch wir zögerten.

Wir sind beide junge Eltern, haben selbst keine überlebensschweren Krankheiten durchgemacht und auch so sind in unserem nahestehenden Umfeld weitestgehend alle Krankheiten, unserem Gefühl nach, eingedämmt worden. So kam uns schon mal zwischendurch die Idee, es einfach sein zu lassen, wenn wir da die riesengroße Nadel sahen, die die Ärztin vorhatte in unseren kleinen 60 cm großen Sohn zu rammen. Vor allem auch die Kritikpunkte an Impfungen schallten noch lange in mir nach.

"Stiko ist keine unabhängige Impfkommission"

"Die Pharmaindustrie ist generell, als Verbrecher zu sehen und nicht, als Menschenrettende Wohltäter, die das Wohl des einzelnen nie aus den Fugen verlieren."

"Man kann trotz Impfung erkranken"

"Zu viel Alluminium ist in den jeweiligen Impfstoffen vorhanden"

"Impfungen verursachen die Erkrankungen, gegen die sie schützen sollen"

Hier könnt ihr die häufigsten Argumente nachlesen und weitere Punkte, die gegen das Impfen sprechen. Das RKI nimmt ebenfalls Stellung dazu.

Ich, für meinen Teil wurde aufgrund vieler Meinungen anderer Mütter zunehmend unschlüssiger -ob ich wirklich Impfen sollte. Immer mehr Argumente kamen dazu und Horrorszenarien aufgrund schwerer Impfschäden schlossen sich an meine: "Ich will alles richtig machen Welt" an.

Ich bin nicht wie alle und mache das, was alle machen

Zudem kommt ja auch immer noch ein gewisser Freigeist, der zeigen soll: "Ich bin nicht wie alle und mache das was alle machen". Manche Menschen neigen dazu, durch solche Taten aus der Masse hervor zu stechen. Ich vielleicht auch einwenig.

Oft ist vielleicht auch gerade dies der Nachteil, wenn man so eine junge Mama ist wie ich es bin und gerade ich bin kein Menschen, der auf den Mund gefallen ist, aber dennoch kann ich nicht bestreiten, dass ich in 10 Jahren mit 35 kein anderes Wissen hätte, auf das ich zurückblicken könnte.

Ich hätte vielleicht Freunde die bereits Kinder haben und solche Gedankengänge mehrmals für sich durchgegangen sind. Hätte Freunde mit schon mehreren Kinder, die vielleicht sogar beide Erfahrungen gemacht haben oder..oder..oder, aber so bin ich des Öfteren auf mich und meine eigene Informations-Filtermaschine gestellt.

Einerseits ist es gut, denn so lerne ich schnell gefiltert und reflektiert über das Wohl meines Kindes zu entscheiden. Auf der anderen Seite ist Absicherung und ein informativer Austausch keine schlechte Geschichte. Viele Mütter in meinem Alter machen sich des Öfteren überhaupt keine Gedanken und gehen einfach den Weg des geringsten Widerstandes. Ich weiß nicht recht, ob es unbedingt der richtige Weg ist, den Weg zu gehen, den auf den ersten Blick alle gehen. Nun gut, in diesem Moment stand ich da und wusste nicht mehr so recht weiter.

Hin und her hüpften meine Gedanken und letztendlich sagte ich zögerlich "ja". Ich wollte nicht der Grund dafür sein, dass mein Kind später eine solche Krankheit in all seinen Facetten erleben musste, weil ich damals zu unschlüssig war um eine fundierte Aussage zu äußern. Ich wolle schlichtweg einfach nichts riskieren. Doch dann fragte die Ärztin: "Möchten sie auch Hepatitis A und B impfen?" wie aus der Pistole geschossen, schrie ich ihr förmlich mein "JA" an den Kopf.

Hups, was war denn nun passiert. Wie konnte ich auf einmal so voller Rückgrat meine Meinung zu diesem schwierigen Thema an den Mann bringen. So schnell wie ich geantwortet hatte, hatte mein Freund nicht mal anfangen können zu überlegen, da hatte ich mich schon entschieden. Auf dem Weg nach Hause überlegte ich, was war da nur passiert mit mir. Wie konnte ich ein paar Sekunden vorher noch so kritisch diesem Thema gegenüberstehen um bei den Impfungen gegen Hepatitis A und B zu umzuknicken.

Wenige Minuten später kam es mir. In meiner beruflichen Tätigkeit, als Krankenschwester bin ich oft mit Hepatitis A und B Patienten in Berührung gekommen, für mich nicht schlimm, denn ich habe meinen Impfschutz vor meiner Ausbildung auffrischen lassen und so musste ich keine Angst davor haben mit dieser Krankheit in Berührung zu kommen.

Was hingegen schon ganz anders bei Patienten mit Hepatitis C aussieht. Überall in der Kurve steht oft in Rot vermerkt, dass dieser Patient Hepatitis C mitbringt, was besondere Schutzmaßnahmen erfordert, da es übertragbar wäre, wenn man sich nicht schützt und mit Blut und Sekreten des Patienten in Berührung kommt.

Hep A und B sind nicht gefährlich, da es heutzutage einen funktionierenden Impfstoff gibt. Hepatitis und Tetanus sind zudem keine unwahrscheinliche Geschichte, die man nur in seltenen Fällen bekommen kann- dies nur am Rande. C hingegen ist so gefährlich, da der Impfstoff noch nicht entdeckt wurde. Aus den gesammelten Erfahrung heraus konnte ich also mit bestem Gewissen meiner Ärztin sagen, dass ich meinen Sohn dagegen Impfen möchten.

Fehlt uns also für die anderen Krankheiten die Sensibilität?

Haben wir zu wenig Vertrauen in Prozesse die uns so fremd sind wie die eines Impfstoffes? Oder misstrauen wir einfach zu sehr dieser großen Industrie die sich Pharmaindustrie schimpft und meint uns Menschen nur Gutes tun zu wollen?

Mit Sicherheit ist dies nicht so und dennoch plädiere ich für mehr Vertrauen, da uns oft der Blick fürs große Ganze verborgen bleibt. Das liegt nicht mal nur an uns, sondern größtenteils an unseren Berührungspunkten im Alltag, denn jemand wie ich, der selbst Betroffene mit Hep A und B und auch Tetanus erleben durfte, sieht natürlich die Dramatik des Ganzen anders, als jemand der dies aus recherchierten Erfahrungsberichten heraus nimmt.

Und jemand der sein Kind aufgrund von Komplikationen eines Impfschadens behandeln muss, sieht natürlich die Dramatik des Impfens wiederum anders, als jemand der nicht impft, weil er die Meinungen der Impfgegner befürwortet und Schreckliches darüber gelesen hat.

Statistiken sind nicht greifbar, ein einzelnes Schicksal schon!

Doch warum dringe ich in dieses sensible Thema überhaupt ein und mache mich selbst  und meine Meinung zur Angriffsfläche? Das ist eigentlich ganz einfach, denn der Text von Stadt Land Mama hat mir gezeigt wie schnell wir beeinflussbar sind, gerade wenn wir selbst so unschlüssig in unseren Meinungen sind.

So ein Text ist mehr als kritisch zu betrachten, da er in extrem gefährlicher Form die eine für diese Person allgemein gültige Meinung des Impfens vertritt. Ich selbst habe Erfahrungen mit Osteopthen gemacht die gut waren -sicherlich, aber dennoch ist es schwierig ein so heikles Thema unkommentiert zu lassen.

Doch ich selbst bin das beste Beispiel dafür, dass wir Mütter unschlüssig sein können und solch ein Text dockt bei dem ein oder anderen mehr als einfach nur an. Er bildet eventuell für diese Person -in Zukunft, allgemein gültige Wahrheit. Ich habe kein Problem damit beide Seite zu akzeptieren, daher begrüße ich solche Texte in der Regel sogar sehr, denn ich finde sie hilfreich und prägend um letztendlich seine eigene individuelle Meinungsfindung zu durchlaufen, denn am Ende musst nur du damit leben was du tust oder nicht tust.

Natürlich stecken Kindern, die die Masern haben am Ende eventuell auch andere an, aber soweit soll es hier überhaupt nicht gehen, denn mir geht es nicht um die Meinung als solches, sondern lediglich darum: wie schwierig dieses Thema eigentlich ist und wie schnell Meinungen getroffen werden können.

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es neben der einen Seite, die stark dafür ist und der anderen Seite, die stark dagegen ist, auch noch die Seite besteht, die es gar nicht so recht weiß. Die, die jedes Informationswitzelchen aufschnappt und allein die Hoffnung hat, irgendwann einmal zu einer für sich vertretbaren Meinung zu gelangen.

Denn darum geht es am Ende: um seine eigene Meinung und mit dieser leben zu können!

Ich möchte euch dafür sensibilisieren wie gefährlich hoch emotionale Texte zu diesem Thema sind und wie schnell diese Anklang bei anderen finden können.

In der Zwischenzeit ist eine kurze Stellungnahme und ein Text zur Befürwortung der Impfung bei Stadt Land Mama online gegangen - was letztendlich den Blick auf die Thematik deutlich verändert, dennoch konnte ich es mir nicht nehmen lassen euch einmal zu sagen, dass es uns auch gibt - die Unschlüssigen!

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Geht Impfen!

Kaum ein Thema spaltet die Elternschaft so sehr wie das Impfen. Es ist ein Thema, bei dem die sonst so harmonischen Elternforen zu Kriegsgebieten werden. Beide Seiten - die Impfbefürworter und die Impfgegner - werfen der jeweils anderen Kindesmisshandlung vor, nennen sich gegenseitig Verbrecher und sogar Mörder. Es gibt auch genügend Mythen und Horrorgeschichten, auf die sich beide Fronten berufen.

Wie geht ihr in eurer Familie mit dem Thema um? Schickt uns eure Meinungen, schreibt einen Beitrag oder nehmt ein Video auf und sendet es an Blog@huffingtonpost.de.

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