Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Alina Beckmann Headshot

Ein sicherer Zufluchtsort

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FLCHTLINGE
dpa
Drucken

"Safe Haven"! "Humanity"! Nur zwei Gründe, die geflohene Menschen in Interviews nennen, weshalb sie nach Deutschland kommen. Ihre Sicht ist es, die dieser Tage oft in den Hintergrund gerät. Im Vordergrund stehen die Angst vor Terror und der Zweifel, ob Deutschland in der globalen Flüchtlingskrise den richtigen Weg gewählt hat.

Man kann sich der Angst nicht entziehen, aber den Zweifeln. Kanzlerin Angela Merkel gab ein "Wir schaffen das" vor und zeigte, dass auch im 21. Jahrhundert, welches von Kapitalismus und ökonomischer Effizienz geprägt ist, die Priorität auf der Menschlichkeit liegen kann.

Tausende von Deutschen nehmen diesen Aufruf als Herausforderung und füllen ihn mit
Leben, wenn sie sich Tag für Tag, Woche für Woche um geflohene Menschen kümmern und versuchen, ihnen eine "Willkommenskultur" entgegenzubringen, die ihresgleichen sucht.

Aber das Land ist gespalten. Aus ethnologischer Sicht weiß man, dass der Grund hierfür in der Angst vor dem Fremden zu suchen ist. Gewisse Politiker und bestimmte Medien schaffen es diese Angst zu schüren, das "neue Fremde" bringt Deutschland angeblich Terror, Instabilität und sozialen Abstieg.

Wer sind diese Menschen, die "Flüchtlinge" genannt werden?

Das unrealistische Bild einer deutschen, homogenen Gruppe mit christlichen Werten, welches dieser Tage nur zu gern heraufbeschworen wird, ist ein bekanntes Mittel, das auch schon in der deutschen Historie in unsicheren Zeiten dazu diente, eine spezifisch deutsche Identität festzulegen, um sie gegen eine andere, homogen fremde Gruppe abzugrenzen.

Es vermittelt eine Art von Sicherheit, von Geborgenheit. Das derzeitige "Fremde" sind die "Flüchtlinge". Eine anscheinend homogene Gruppe von Menschen, wie sie jedoch in der Realität unterschiedlicher nicht sein könnte. Der Stempel "Flüchtling" raubt einem Menschen jegliche kulturelle Identität, Religion und ethnische Zugehörigkeit.

Es ist einfacher von "Flüchtlingswelle", "Flüchtlingsstrom" zu sprechen als zu fragen: Wer sind diese Menschen, die "Flüchtlinge" genannt werden? Es ist unter anderem die iranische Frau, die fliehen musste, weil sie sich für Frauenrechte einsetzte. Es ist eine syrische Mutter von zwei Kindern, die ohne ihren Mann nach Deutschland kam, weil dieser in der Türkei arbeitet, um die Familie im Heimatland zu unterstützen.

Es ist die christlich irakische Familie, die nach einem Leben in Bagdad hoffte, ihren "Safe Haven" in Erbil zu finden, aber dann auch dort nicht mehr sicher war. "Wenn im Irak an einem Tag 100 Menschen sterben, dann ist es ein normaler Tag", konstatierte ein junger Iraker.

Isolation von der deutschen Gesellschaft führt zu Frustration

Geflohene Menschen haben den Terror erlebt, sie wollen ihm entkommen und bringen ihn nicht nach Deutschland. Der Begriff "Flüchtling" wurde während der Genfer Flüchtlingskonvention 1951 definiert, um von staatlicher Seite auf schutzsuchende Menschen reagieren zu können.

Aber wie kann man sich auf der menschlichen Ebene dem Fremden nähern? Kommunikation, Austausch und Verständnis sind wichtige Faktoren, die bei diesem Prozess helfen. Das Fremde muss zu einem Teil des Eigenen gemacht werden, denn nur so können Stereotype, Vorurteile und Ressentiments abgebaut werden.

Insbesondere bei jungen Menschen, die nach Deutschland kommen, weil sie vor Krieg, Terror und Perspektivlosigkeit geflohen sind, führt Isolation von der deutschen Gesellschaft zu Frustration.

Der Begriff Integration sollte nicht zu einer leeren Bezeichnung verkommen, sondern auch dafür stehen das Potenzial der in Deutschland ankommenden Menschen zu nutzen. Integration betrifft jeden Einzelnen, nicht nur die Geflohenen und Migranten, die sich integrieren müssen, sondern auch jeden Deutschen, der offen und mit einem differenzierten Blick den Menschen egal welcher Nationalität, Religion und Ethnie die Chance geben sollte, sich integrieren zu können.

Integration ist Schlüssel gegen Hass und Gewalt

Nur wenn man das "Fremde" kennt, macht es einem keine Angst mehr. Familie, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und soziale Beziehungen sind Faktoren, die in vielen Ländern einen anderen, oft höheren Stellenwert haben als in Deutschland.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ein junger Syrer erzählte: "Wir haben Freitags immer als Familie zusammen gegessen. Da gab es keine Ausrede. Ich verstehe es nicht, dass in Deutschland die Kinder absichtlich von ihren Eltern in weit entfernte Städte ziehen. Bei uns ist die Familie das Wichtigste".

Das Verstehen dieser "fremden" kulturellen Faktoren hilft zu begreifen, was sich hinter dem "Fremden" versteckt. Die Fragen, wie "Wird der Terror unser täglicher Begleiter?", "Wo ist die Schuld zu suchen?", sind berechtigt. Wir leben in erschreckenden Zeiten und das Einzige, wie die Wissenschaft helfen kann ist forschen, vermitteln, aufklären.

Niemand kann Taten, wie Amokläufe und Attentate vorhersehen. Aber die Wissenschaft zeigt, dass erfolgreiche Integration der Schlüssel gegen Hass und Gewalt ist, die sich so häufig unter dem Deckmantel aller Religionen verstecken.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: