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Dieses traurige Gefühl, wenn du weißt, dass du keine weiteren Kinder mehr bekommen wirst

25/07/2017 15:21 CEST | Aktualisiert 25/07/2017 15:29 CEST

Ich sah meiner Tochter dabei zu, wie sie sich neben das Baby auf den flauschigen kleinen Kinderzimmerteppich kuschelte. Sie rieb vorsichtig sein Bäuchlein und flüsterte ihm in einer Tonlage, die ich noch nie von ihr gehört hatte, liebevolle Worte zu.

Ein paar Minuten zuvor hatte ich selbst in der Hocke neben dem Baby gesessen und mit meiner zuckersüßen Tantenstimme mit ihm geredet.

alice seuffert

Credit: Alice Seuffert

Jetzt war sie plötzlich so liebevoll, geduldig und hilfsbereit

Meine Tochter ahmte meine Bewegungen nach und schubste mich wie eine Eishockeyspielerin mit der Hüfte zur Seite, weil sie mir zu verstehen geben wollte, dass ich das Baby zu sehr in Beschlag nahm.

"Lass mich das machen, Mama", sagte sie.

Also ging ich ins Nebenzimmer und sah ihr dabei zu, wie sie sich um das Baby kümmerte. Der Kleine lag ganz ruhig da, quakte vor sich hin und strampelte mit seinen Armen und Beinen, wenn sie ihn berührte.

Ihr Bruder war vor gerade mal drei Jahren zur Welt gekommen, doch zu der Zeit war sie noch nicht so geduldig. Sie ging damals zur Vorschule und konnte sich einfach nicht still halten, weder körperlich noch geistig. Und jetzt war sie plötzlich so liebevoll, geduldig und hilfsbereit und interessierte sich für das Baby.

Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mir nicht auch schon überlegt habe, doch noch einmal ein Baby zu bekommen.

Momente wie dieser erinnern mich daran, dass meine Kinder endgültig aus dem Babyalter heraus sind, und das macht mich jedes Mal traurig.

Es macht mich traurig, keine Kinder mehr zu bekommen

Die Trauer darüber, dass ich nie wieder ein Baby bekommen werde, trifft mich in ganz unterschiedlichen Momenten.

Wenn ich mir Bilder von meinen Kindern anschaue, auf denen sie noch Babys waren.

Wenn ich mir selbstgedrehte Videos anschaue und sehe, wie sie auf den Hochstühlen sitzen, oder wie sie auf dem Boden liegen, weil sie noch nicht krabbeln können. Und wie sie auf ihre Babyart mit anderen kommunizieren, obwohl sie noch gar nicht sprechen können.

Wenn ich wie zu Beginn jeder neuen Jahreszeit die Kleidung meiner Kinder aussortiere und dazwischen einzelne Babyklamotten finde, die irgendwo in den Tiefen ihres Schranks in Vergessenheit geraten sind. Und um ehrlich zu sein, verleiht mir dieses Aussortieren ihrer Kleidung jedes Mal ein bittersüßes Gefühl, denn es zeigt mir, wie schnell sie groß werden.

alice seuffert

Credit: Alice Seuffert

Wenn Eltern von älteren Kindern mir erzählen, dass ihre Kleinen in "null Komma nichts" groß geworden sind. Weil ich weiß, dass die Zeit jetzt schon viel zu schnell vergeht.

Wenn ich daran denke, dass in meinem eigenen Körper nie wieder ein Kind heranwachsen wird, dass ich nie wieder ein Baby stillen werde und dass ich nie wieder ein eigenes Baby in den Armen halten werde.

Und in letzter Zeit trifft mich dieses Gefühl auch, wenn ich meine Kinder im Umgang mit Babys sehe. Wenn sie Babys auf dem Arm halten, sie streicheln und liebevoll mit ihnen sprechen.

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Ich habe meine Trauer immer versteckt

Dann überfällt mich die Traurigkeit.

Normalerweise verstecke ich diese Trauer immer. Ich erzähle niemandem davon. Ich lasse mich nicht von Worten oder Umarmungen trösten. Ich mache einfach weiter. Bis auf letzte Woche.

Ich trete ab und zu in einer Kochsendung im Fernsehen auf und in der letzten Sendung war eine Hellseherin zu Gast. Zugegebenermaßen war ich an diesem Tag ziemlich durch den Wind. Die Frau bot mir an, meine Aura zu lesen. Als sie mich berührte, sagte sie: "Du scheinst sehr traurig darüber zu sein, dass du keine Kinder mehr bekommen wirst. Das spüre ich in deinem Herzen."

Und schon rollten die Tränen.

Sie hatte recht.

Ich war traurig.

Vor allem in letzter Zeit, wenn ich meine Kinder im Umgang mit ihrem neugeborenen Neffen beobachtete.

Endlich ließ ich meine Tränen zu

Die Frau blieb neben mir stehen und hielt meine Hand. Und sie gab mir einen einfachen, ehrlichen und liebevollen Rat: "Lass deine Trauer über dieses Gefühl zu. Und dann finde etwas anderes, das du großziehen kannst."

Ich fuhr schluchzend nach Hause. In der geborgenen Umgebung meines leeren Minivans konnte ich endlich alles herauslassen. Die Traurigkeit, die ich so lange unterdrückt hatte. Endlich ließ ich meine Tränen zu.

Ich erlaubte mir, traurig darüber sein zu dürfen, dass ich keine Kinder mehr bekommen würde. Zum ersten Mal setzte ich mich bewusst mit dem Gefühl der Trauer auseinander, dass ich nie wieder die Mama eines Babys sein würde.

Man darf traurig darüber sein, dass man nie wieder Kinder im Babyalter haben wird.

Und man sollte seine Trauer darüber zulassen, dass diese Phase im Leben jetzt für immer vorbei ist.

Denn es ist traurig.

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Ich habe das Gefühl, dass das Leben mit meinen Kindern einfach viel zu schnell vergeht

Die Babyphase meiner Kinder war eine tolle und wunderschöne Zeit. Und wir haben ja immerhin Fotos und Heimvideos, auf denen man das ganz genau sieht, stimmt's?

Dieses Gefühl der Trauer anzuerkennen ist wichtig, damit damit umgehen kannst, wenn du irgendwann später wieder einmal traurig sein solltest. Denn diese Trauer wird immer wieder einmal völlig unerwartet auftauchen.

Ich habe darüber nachgedacht, warum es mich so traurig macht, dass die Babyphase jetzt vorbei ist. Ich glaube, es liegt daran, dass ich das Gefühl habe, dass das Leben mit meinen Kindern einfach viel zu schnell vergeht. Ich bemühe mich immer, eine bessere Mama zu werden.

Ich bereue die Fehler, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe. Als meine Kinder noch Babys waren, waren wir alle noch jung und unschuldig, sowohl meine Kinder als auch ich als Mama. Wir waren ein unbeschriebenes Blatt.

Die Wahrheit ist jedoch, dass ich die Fehler, die ich als Mama gemacht habe, nicht einfach wieder ungeschehen machen kann. Doch ich bekomme jeden Tag aufs Neue die Chance, eine bessere Mama zu werden.

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Du wirst als Mama immer weiter wachsen

Vielleicht haben wir mit dem Kinderkriegen abgeschlossen, doch wir haben noch lange nicht damit abgeschlossen, dass wir an unserer Mutterrolle wachsen wollen.

Denn die Zeit des Wachsens ist noch nicht vorbei.

Was werde ich jetzt großziehen?

Diese Frage gilt es zu beantworten.

Du musst dich nicht dafür schämen, dass der Gedanke, dass du nie wieder ein Kind zur Welt bringen wirst, dich manchmal traurig stimmt.

Es ist vollkommen in Ordnung, dass du zwar zu deiner Entscheidung stehst, keine weiteren Kinder mehr bekommen zu wollen, aber dass diese Entscheidung auch manchmal Trauer in dir auslöst.

Sprich mit anderen darüber. Unterhalte dich mit anderen Müttern über dieses Thema. Lass deine Trauer zu. Sei ruhig traurig darüber, dass du nie wieder Kinder im Babyalter haben wirst. Und tröste dich mit dem Gedanken, dass du trotzdem als Mama immer weiter wachsen wirst.

Nicht nur deine Kinder werden weiter wachsen, sondern auch du.

Dieser Blogbeitrag erschien ursprünglich bei Dining with Alice.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lm)

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