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Warum ich als verheiratete Frau allein reise

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALI WUNDERMAN
Facebook/ Ali Wunderman
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Mein Mann und ich waren elf Jahre ein Paar, bevor wir uns dazu entschlossen haben, zu heiraten. Als wir uns das Ja-Wort gaben, rechneten unsere Familie und Freunde damit, dass ich jetzt das Allein-Reisen aufgeben würde.

Unsere erste Verabredung hatten wir am 1. April 2005. Den darauffolgenden Juli flüchtete ich in die kleine argentinische Stadt Villa Del Totoral, wo mein Onkel zu der Zeit lebte.

Es war dieses Abenteuer, das mich erkennen ließ, wie abhängig ich von anderen Menschen war, die mich unterhielten, sich um das Essen kümmerten und den Tag strukturierten.

Zu diesem Zeitpunkt war ich 15 Jahre alt. Ich wusste, dass die Realität das war, was ich daraus machte - eine Offenbarung von Reisenden, die viel Zeit allein verbringen.

Es war offensichtlich, wie das Allein-Reisen und die damit verbundenen Herausforderungen mein Selbstbewusstsein auf eine positive Art und Weise beeinflussten. Es war aber nie eine Frage, ob ich diese einmonatige Reise fortsetzen sollte, statt meine frische Beziehung zu priorisieren.

Ja, wir waren Jugendliche - und in diesem Alter ist es nicht ungewöhnlich, wenn Freunde für ein paar Wochen mit ihren Eltern oder in einem Feriencamp verschwinden.

Es war von Anfang an klar, dass das Reisen ein großer Teil meines Lebens sein wird.

So reiste ich in dem darauffolgenden Sommer nach Ecuador und auf die Galapagos-Inseln.

Mein Wunsch die Welt auf eigene Faust zu erkunden, wurde immer wieder von meinem Partner, meiner Familie und meinen Freunden unterstützt.

Aber diese Haltung änderte sich, als wir Ringe tauschten und die Papiere unterschrieben.

Nicht für meinen Partner, der mich dazu ermutigte das Allein-Reisen wieder verstärkt zu verfolgen - in den letzten Jahren habe ich es etwas schleifen lassen. Aber meine Kollegen und der Rest der Welt konnte es nicht verstehen, warum ich weiterhin alleine verreiste.

Unmittelbar im Anschluss an die Hochzeit, begann ich meine zweimonatige Reise nach Mittelamerika zu planen. Dort wollte ich Fotos und Geschichten für mein Wildlife-Magazine "The Naturalist" sammeln.

Ich war ziemlich aufgeregt, wieder allein auf Reisen zu gehen, meinen Mut und meine Belastbarkeit unter Beweis zu stellen, während ich mir einen Lebenstraum erfüllte.

Andere waren nicht so überzeugt:

"Er lässt dich so lange allein reisen?", fragten sie. Und damit deuteten sie an, dass mein Ehemann bestimmten sollte, was ich tue. "Glaubst du nicht, er wird dich verlassen, während du weg bist?" Ich wurde gewarnt.

Aber sind wir mal ganz ehrlich: Wenn er mich wegen ein paar Wochen verlässt, dann ist es wahrscheinlich nicht die richtige Person, mit der ich alt werden will. "Hast du nicht gerade geheiratet?", fragten einige. Und damit verdeutlichten sie, dass eine Ehefrau ihrem Mann nie von der Seite weichen sollte.

Ich habe mich gefragt, ob meinem Ehemann dieselben Fragen gestellt werden würden. Ich glaube nicht: Geschäftsreisen gehören bei Männern einfach dazu - und das schon seit die Vikinger längere Zeit auf See verbrachten. Die Gesellschaft ist noch nicht daran gewöhnt, dass Frauen die gleiche Rolle besetzen.

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Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass diese Kommentare mich verletzten. Ich hinterfragte meine Prioritäten in Bezug auf meine Reise und im Allgemeinen - ich wurde mit Meinungen von Menschen konfrontiert, die ich wirklich respektierte.

Da ich eine Ehefrau bin, ist es vielleicht wirklich wichtig für die Ehe, dass ich zu Hause bleibe ... aber was soll ich dann genau tun? Ich bin eine freie Autorin, die versucht ein Geschäft aufzubauen und ich will auch alleine reisen. Wäre es für unsere Beziehung wirklich besser, wenn wir nie mehr irgendwo getrennt voneinander hingehen würden?

Die Antwort ist natürlich ein klares "Nein".

Egal ob man Single oder verheiratet ist, es sollte keinen Einfluss darauf haben, ob man die Dinge, die einen glücklich machen, verfolgt oder nicht.

Ich schreibe das hier aus einem Cafe namens Eva in San Ignacia, Belize. Ich habe meinen Mann nicht verlassen, sondern ich verfolge das, was mich glücklich macht und was mich letztlich zu einem besseren Ich macht und so auch zu einem besseren Partner.

Ich liebe es allein zu reisen. Ich mag es auf mich selbst angewiesen zu sein, bei der Lösung von Problemen kreativ werden zu müssen und, dass ich neue Freunde auf meinen Reisen kennenlerne, weil man die Einsamkeit während des Allein-Reisens an einem gewissen Punkt vermeiden will.

Die Version einer Hausfrau aus den 50er Jahren bin ich nicht und ich weigere mich diesen Stereotypen zu verkörpern.

Außerdem: Single, verheiratet oder irgendetwas dazwischen zu sein, sollte keinen Einfluss darauf haben, ob wir die Dinge verfolgen, die uns glücklich machen. Also werde ich weiterhin auf eigene Faust reisen.

Ich rufe zu Hause an, wenn ich kann. Ich fühle mich gut mit dem Wissen, dass meine Partnerschaft so ist wie sie ist und meine Entscheidungen zu mir gehören und niemand kann mir das oder die Welt nehmen.


Der Blog erschien zuerst in "Misadventures" und wurde von Samantha Meier aus der Huffington Post USA ins Deutsche übersetzt.

Sie sah eine Frau zwischen den Beinen ihres Freundes - und reagierte so

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(juk)