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Was sagen wir den Kindern?

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CHILD FILTER
Christopher Hopefitch via Getty Images
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Der Direktor einer Schule fragte mich vor Kurzem: „Was soll ich meinen Schülern sagen, wenn Trump die Wahl gewinnt?" Gute Frage. Was sollen wir unseren Kindern sagen?

Sagt ihnen, dass es aufgrund der demokratischen Strukturen in den USA einem einzigen Mann unmöglich sein wird, zu viel Schaden anzurichten.

Sagt ihnen, dass wir diese demokratischen Strukturen verteidigen werden - und dass wir sie nutzen werden - damit Trump die vielen falschen Versprechen, die er während seiner Kampagne gemacht hat, nicht verwirklichen kann.

Sagt ihnen als nächstes, dass ihr das Wahlergebnis respektieren, aber dass ihr Bigotterie bekämpfen werdet. Bigotterie hat keinen demokratischen Wert und wird in der Schule nicht toleriert.

Sagt ihnen, dass ihr eure muslimischen Familien unterstützt. Eure gleichgeschlechtlichen Eltern. Eure homosexuellen Schüler. Euren schwarzen Familien. Eure Schülerinnen. Eure mexikanischen Familien. Eure behinderten Schüler. Eure immigrierten Familien. Eure transsexuellen Schüler. Eure indianischen Schüler.

Sagt ihnen, dass Schweigen gefährlich ist

Sagt ihnen, dass ihr es nicht zulassen werdet, dass irgendjemand sie verletzt oder abschiebt oder ihnen droht, ohne es mit euch zu tun zu kriegen. Sagt ihnen, dass ihr als Schulgemeinschaft zusammenhalten werdet, und dass ihr einander beschützen werdet. Sagt ihnen, dass Schweigen gefährlich ist, und bringt ihnen bei, wie man sich bemerkbar macht, wenn etwas schief geht.

Lehrt sie dann, wie man seine Meinung äußert, wie man einander liebt, wie man sich gegenseitig versteht, wie man Konflikte löst, wie man mit diversen Kulturen lebt und manchmal sogar mit gegensätzlichen Ideologien, und vermittelt ihnen die Fähigkeiten, eine Welt zu betreten, die zu all dem nicht in der Lage ist.

Lehrt sie an dritter Stelle, wie man ein verantwortungsvolles Mitglied einer zivilen Gesellschaft wird. Lehrt sie, wie man an Diskussionen teilnimmt - nicht, um sie zu gewinnen, sondern um zu verstehen und verstanden zu werden.

Mehr zum Thema: Nie war die Zukunft der USA so riskant und unsicher wie heute

Schüler müssen lernen, Fakten zu prüfen, Nachrichtenquellen abzuwägen, für selbstverständlich gehaltene Annahmen zu hinterfragen, ihre eigenen Voreingenommenheiten zu erkennen, Kritik anzunehmen, einander herauszufordern. Wir müssen Schülern beibringen, nicht zuzustimmen - aber mit Liebe und Respekt.

Diese Fähigkeiten werden in den kommenden Monaten und Jahren unbezahlbar sein, während wir daran arbeiten, eine demokratische Gesellschaft aufzubauen, die die Rechte aller Menschen beschützt - ungeachtet der Mitarbeit oder des Widerstandes, die diese Anstrengungen von Seiten der Regierung erfahren werden.

Erinnert sie schließlich daran - um ihnen ein gutes Gefühl zu geben - dass nicht jeder, der für Donald Trump gestimmt hat, das getan hat, weil er an die bigotten Dinge glaubt, die Trump dieses Jahr gesagt hat.

Viele von ihnen haben für ihn gestimmt, weil sie frustriert sind wegen der Wirtschaft, sie fühlen sich sozial vernachlässigt, und sie nutzen die Macht, die sie haben. Wir müssen Trump und seine Unterstützer herausfordern, zwischen ihren eigenen Ängsten und der Bigotterie, die dadurch katalysiert wird, zu unterscheiden.

Ich habe wegen solchen Blogs Todesdrohungen bekommen

Im Nachgang dieser traumatischen Wahl zögere ich sogar, meine Stimme auf diese Art und Weise laut werden zu lassen. Im letzten Jahr erreichten mich Hass-E-Mails und eine Todesdrohung eines Anhängers der White-Power-Bewegung wegen Blog-Beiträgen wie diesem hier - Blog-Beiträge, die, seien wir mal ehrlich, ziemlich unbedeutende Ausdrücke der persönlichen Meinung eines Menschen mit sehr wenig Macht sind.

Ich bin keine Bedrohung. Und dennoch haben mir andere gedroht - und meiner Familie -, und zwar dafür, dass ich meine Ansichten teile, dass wir eine Welt kreieren sollten, in der alle Menschen frei und als sie selbst leben können. Ich befürchte, dass sich diese Art der Einschüchterung nach einem Sieg Trumps verstärken wird.

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Ich befürchte, dass es schon morgen schlimmer wird - sobald ich „Senden" klicke - wenn Trumps Befürworter sich in ihrer Aggression gegen Menschen, deren Meinung sie nicht teilen, gegenseitig anstacheln werden.

Und dennoch: Das einzige, was mir Sicherheit gibt in diesem Moment - nun, wo ich einem möglichen Sieg Trumps entgegen starre - ist es, meine Meinung zu veräußern, klar und deutlich. Und ich lade alle anderen ein, dasselbe zu tun.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost US und wurde von Agatha Kremplewski übersetzt.

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