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Wie sehen Sie Ihre Rolle bei Rosneft, Herr Schröder?

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SCHROEDER ROSNEFT
Reuters Staff / Reuters
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Kaum sitzt Altkanzler Gerhard Schröder an der Spitze des Aufsichtsrates des russischen staatlichen Ölunternehmens Rosneft, schon muss er seinen ersten handfesten Skandal moderieren.

Im Kern geht es um einen schief gelaufenen Öl-Deal mit Kurdistan und wie Schröder damit umgeht. Russlands Ex-Vize-Premier Alfred Koch hätte da ein paar heikle Fragen:

Erst Anfang November wurde bekannt, dass der russische Konzern Rosneft im Juni einen Vertrag mit der Regierung der Autonomen Provinz Kurdistan im Irak unterzeichnet hat.

Darin wurde die Lieferung von Öl und ein Ausbau der Pipeline in der Türkei vereinbart. Und es wurde bereits eine Vorauszahlung in Höhe von einer Milliarde Dollar bezahlt - von Rosneft nach Kurdistan.

Das Problem: Die kurdische Führung hat nun ganz offen erklärt, dass sie nicht in der Lage ist, diesen Vertrag zu erfüllen. Der Grund: Sie kontrolliert die dafür erforderlichen Ölvorkommen gar nicht mehr.

Gleichzeitig, so die kurdische Führung, sei sie aber auch nicht in der Lage, Rosneft die bereits überwiesene Milliarde Dollar zurückzuzahlen.

Der Skandal: Kurdistan hätte diesen Vertrag von Haus nur erfüllen können, wenn es die Kontrolle über die Kirkuk-Lagerstätten behalten hätte.

Dabei war klar, dass die die kurdische Regierung diese Gebiete nur auf Grund einer vorübergehenden Entwicklung kontrollierte und diese Kontrolle nicht lange behalten würde.

Die irakische Zentralregierung erkennt den Vertrag nicht an

Selbst in den rosigsten Träumen der Ideologen von der kurdischen Unabhängigkeit war Kirkuk nie Teil von Kurdistan. Es wird nun wieder vollständig von der Zentralregierung in Bagdad kontrolliert.

Diese ihrerseits erkennt den Vertrag der Kurden mit Rosneft nicht an.

Mehr noch: Sie erklärt offiziell, dass der Vertrag in keinerlei Form mit ihr abgestimmt gewesen sei. Sie hat deshalb auch keinerlei Absicht, die Verpflichtungen der Kurden aus diesem Vertrag zu erfüllen.

Es sieht also ganz danach aus, dass Rosneft eine Milliarde Dollar buchstäblich in den Sand gesetzt hat.

Rosnefts expansive Strategien seien wirtschaftlich nicht gerechtfertigt

Parallel zu dieser Nachricht kam eine analytische Studie der Sberbank an die Öffentlichkeit - der größten Finanzinstitution Russlands, die mehrheitlich dem russischen Staat gehört. In der Studie ist ein ganzer Abschnitt der Selbstherrlichkeit von Rosneft-Vorstandschef Igor Setschin gewidmet.

Die Analysten der Sberbank glauben, die expansive Strategie Setschins sei wirtschaftlich nicht gerechtfertigt und diene auch nicht den Interessen der privaten (Minderheits-)Aktionäre des Konzerns.

Diese seien mehr daran interessiert, die riesigen Schulden des Unternehmens abzubauen, die Finanzlage zu verbessern und die Dividende zu erhöhen, statt neue Märkte zu erobern, und ungezügelt Wettbewerber für riesige Summen aufzukaufen.

Was ist der Hintergrund für dieses Vorgehen Setschins?

Der Rosneft-Chef ist einer der engsten Vertrauten von Wladimir Putin. Sein Konzern ist der größte Erdölproduzent der Welt. Größter Aktionär ist der russische Staat mit 50 Prozent plus einer Aktie. Für Wladimir Putin ist Rosneft ein Mittel zur politischen und wirtschaftlichen Expansion.

In Anbetracht dieser Tatsache - und der neuen Nachrichten über den Kurdistan-Deal und die Bank-Kritik an Setschin, habe ich einige Fragen an den Aufsichtsratsvorsitzenden von Rosneft, Gerhard Schröder:

Ist Ihnen bekannt, dass Ihr Konzern tatsächlich kurdische Separatisten finanziert und diese Aktionen nicht mit der legitimen irakischen Regierung koordiniert ist? Wie beurteilen Sie das? Halten Sie das für die richtige Politik?

Was für eine Einstellung haben Sie als deutscher Staatsbürger und ehemaliger Bundeskanzler zu dieser Praxis (der Finanzierung von Separatisten durch Ihren Konzern)?

Beabsichtigen Sie, die Vollmachten von Ihrem Vorstandsvorsitzenden Igor Setschin, für dessen Kontrolle Sie verantwortlich sind, einzuschränken und Geschäfte von der Größenordnung des Irak-Deals unter die Kontrolle Ihres Aufsichtsrats zu stellen?

Oder glauben Sie, dass die Unternehmenspolitik von Herrn Setschin nicht vom Aufsichtsrat überwacht werden muss? Sind Sie mit der Politik von Herrn Setschin einverstanden? Halten Sie diese für rational und effektiv?

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Aufsichtsratschef bei Rosneft, Herr Schröder? Wer sind Sie? Ein Frühstücksdirektor oder ein echter Verfechter der Aktionärsrechte?

Welche Signale von Seiten der Aktionäre wären nötig, damit Sie eingreifen, um Herrn Setschins Eigenmächtigkeit zu begrenzen und die Politik von Rosneft transparenter und effektiver zu machen?

Halten Sie die Zahlungen, die Rosneft an Herrn Setschin persönlich leistet, für angemessen (laut Forbes-Magazin beliefen sich die Bezüge von Herrn Setschin im Jahr 2016 auf 13 Millionen US-Dollar)?

Halten Sie solche Bezüge für überzogen?

Entsprechen sie wirklich den persönlichen Leistungen von Herrn Setschin für den Konzern?

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Antworten, wenn ich diese bekomme. Ich denke, dass die privaten Aktionäre von Rosneft dafür ebenso dankbar sein werden wie ich.

Wenn Sie keine Antwort geben werden, ist das auch eine sehr vielsagende Antwort.

Dieser Artikel wurde von Boris Reitschuster aus dem Russischen übersetzt.

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