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Zeichen für demokratische Werte: Warum freie Wissenschaft unverzichtbar ist

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SCIENCE
Steve Debenport via Getty Images
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Am 22. April 2017 haben Menschen weltweit mit dem March for Science ein Zeichen für demokratische Werte und eine freie Wissenschaft gesetzt - gegen Populismus und „alternative Fakten", für kritisches Denken und fundiertes Urteilen.

Voraussetzung dafür sind verlässliche Kriterien, die uns darin unterstützen, die Wertigkeit von Informationen richtig zu verorten. Die Erforschung unserer Welt und die Einordnung der Erkenntnisse ist unter anderem die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn allerdings wissenschaftlich fundierte Tatsachen wie der Klimawandel geleugnet oder relativiert werden, wird ihr die Basis entzogen und das Fundament unserer Demokratie erschüttert.

Vor drei Monaten gingen deshalb überall auf der Welt Menschen auf die Straße, um dafür zu demonstrieren, „dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind".

Es bleibt dringlich, sich an diese wichtige Augenblicke zu erinnern und das Momentum zu erhalten. In Deutschland gab es seitdem deshalb verschiedene Initiativen. Einen Versuch, diverse Stränge dieser Aktivitäten konstruktiv zu bündeln, unternimmt auch die Konferenz „Wissenschaft braucht Gesellschaft - Wie geht es weiter nach dem March for Science?", die am 25./26. Oktober 2017 in Hannover stattfindet. Veranstaltet wird sie von der VolkswagenStiftung in Kooperation mit der Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften, der ZEIT und der Robert Bosch Stiftung: In Diskussionen und Arbeitsgruppen suchen Akteure aus Wissenschaft, Politik und Medien Antworten darauf, wie Vertrauen in die Forschung gestärkt und wie die Wissenschaft wieder näher in die Mitte der Gesellschaft gebracht werden kann.

Dabei geht es unter anderem um die Fragen: Hat die Wissenschaft den Anschluss an die Gesellschaft verloren? Was sind die Ursachen für die international wachsende Wissenschaftsskepsis? Welche Konzepte sind geeignet, um die Wissenschaft wieder näher in die Mitte der Gesellschaft zu bringen? Wie kommen wir zu unseren Entscheidungen: Kopf oder Bauch, Emotion oder Statistik?

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Es geht heute darum, Wirklichkeit als eine uns allen gemeinsame zu verstehen - für die politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt (1906-1975) gehörte dies zum „gesunden Menschenverstand", denn Realität ist das, was uns von Natur aus gegeben ist und woran wir uns orientieren, wenn wir (be)urteilen und Entscheidungen treffen.

Es ist kein „Wunder", dass sie heute auch von vielen jungen Menschen wiederentdeckt wird, denn ihre Worte werden gebraucht, weil die Gemeinsamkeit der Welt heute immer mehr abnimmt, „Aberglauben und Leichtgläubigkeit" zunehmen und „sich die Menschen auf ihre Subjektivität zurückziehen".

Mehr zum Thema: Homes of Hope: Fest im Glauben und im Tun - Arne Friedrich und Gordon Weuste

Darauf verwies Carolin Emcke kürzlich in ihrer SZ-Kolumne „Wir", in der sie für einen öffentlichen Diskurs plädiert, der „ein demokratisches ‚Wir' denken kann", das sich im gemeinsamen Dialog und Tun entdeckt und entwickelt - eine Grundbedingung für freie Wissenschaft.

Weitere Informationen:

Kopf oder Bauch? Wie wir heute die richtigen Entscheidungen treffen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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