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Wirtschaft im Zukunfts-Check: Nachhaltigkeit ist für Unternehmen essentiell

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Nach UN-Angaben leben derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Bis 2050 sollen es fast 10 Milliarden sein. Das gemeinnützige Langenburg Forum für Nachhaltigkeit, das u.a. von HRH The Prince of Wales und seiner International Sustainability Unit unterstützt wird, beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie der für eine wachsende Weltbevölkerung nötige Umstieg auf eine nachhaltigere Lebens- und Wirtschaftsweise gelingen kann.

Dazu tauschen sich Entscheider und Querdenker, Multiplikatoren und Start-Ups aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik in themenspezifischen Foren aus: 2015 stand das Handlungsfeld „Nachhaltige Mobilität" im Fokus - anschließend wurde im Juni 2016 gemeinsam mit dem Science and Innovation Network der Britischen Botschaft in Berlin zu einem Runden Tisch zu nachhaltigen Mobilitätskonzepten für Megacities und urbane Ballungsräume geladen.

Die Ergebnisse der diskutierten Lösungsansätze sind in das Langenburg Forum 2017 eingeflossen, das am 8. und 9. Juni unter dem Titel „Transformation von Megastädten - Wie kann Digitalisierung dazu beitragen, eine nachhaltige Umgebung für 9 Mrd. Menschen zu schaffen" auf Schloss Langenburg stattfand.

Der Schirmherr des Langenburg Forums, der Prinz von Wales, appellierte in seiner Video-Botschaft: „Wenn wir es richtig anstellen, werden digitale Technologien helfen, unsere Städte so zu planen und zu gestalten, dass sie den Menschen ein lebenswertes und inklusives Miteinander ermöglichen."

In seiner Eröffnungsrede sagte der ehemalige UN-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan, dass es die Städte der Zukunft sind, die wir in den Blick nehmen sollten, „um die drängendsten Problem unseres Planeten zu lösen", denn sie sind es, „in denen Wohlstand geschaffen wird und wo gesellschaftlicher Fortschritt erdacht und erkämpft wird".

In fünf Panels wurden gemeinsam mit den Gastgebern Joschka Fischer und Philipp Fürst zu Hohenlohe Langenburg die Schwerpunkte Stadt- und Verkehrsplanung, Lebensqualität sowie die Verbindung von Stadt und Umland in den Blick genommen.

Mit diesen Themen beschäftigt sich auch die von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebene Publikation „Wirtschaft im Zukunfts-Check", die Wege zu einer grünen Transformation aufzeigt, denn es ist nur möglich, den Wohlstand von morgen zu sichern, wenn wir zum Vorreiter bei der ökologischen Transformation der Industriegesellschaft werden, wie der Sozialwissenschaftlicher und Ökonom Ralf Fücks in seinem Beitrag „Wirtschaft im Umbruch" herausstellt.

Die ökologische Transformation ist mit einem enormen Innovations- und Investitionsprogramm verbunden und erfordert für richtig funktionierende Märkte eine grundlegende Erneuerung in der Industrie und der öffentlichen Infrastruktur, den radikalen Umbau von Energieerzeugung und Verkehr, neue und nachhaltige Ansätze des Bauens und Reformen in der Landwirtschaft.

Dafür braucht es:

• einen politisch-rechtlichen Ordnungsrahmen
• kollektive soziale Sicherungssysteme
• die sukzessive Verteuerung des Ressourcenverbrauchs
• ein effektiven CO2-Emissionshandel
• ambitionierte Effizienzstandards
• transparente Produktionsinformationen und die Verpflichtung der Hersteller zur Rücknahme ausrangierter Geräte
• eine ökologisch ausgerichtete Forschungs- und Technologiepolitik
• eine kritische Öffentlichkeit, aufgeklärte Konsumenten und starke zivilgesellschaftliche Akteure.

„Grüner Ordoliberalismus" könnte nach Fücks eine Antwort auf die Frage sein, wie Regulierung und Selbstverantwortung, Staat und Markt ausbalanciert werden können.
Im Sinne einer innovationsorientierten Kompetenzentwicklung ist es wichtig, zukünftig verstärkt Innovation umzusetzen und nachhaltig zu vernetzen, sagt Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Lehrstuhlinhaberin Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT und Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Der Politik kommt dabei die Aufgabe zu, Aktivitäten und Maßnahmen in verschiedenen Feldern anzustoßen und zu moderieren: „Sie kann die Innovationskultur allerdings nicht im Alleingang verändern, sondern nur Akzente setzen, indem sie Themen aufgreift und auf die Agenda der Forschungs-, Innovations- und Bildungspolitik setzt."

Sie kann Rahmenbedingungen gestalten, Möglichkeitsräume eröffnen, neue Ansätze fördern, gesellschaftliche Diskurse anstoßen und damit „zum Vorreiter eines Paradigmenwechsels werden".

Die Wissenschaftlerin gehört zu den Vordenkern des „Dialogs über die Zukunft Deutschlands" von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Hier leitete sie 2011 und 2012 unter anderem die Arbeitsgruppe Innovationskultur. Aus dem Zukunftsdialog entstand auch die Idee zum Internationalen Deutschlandforum (IDF), einem Format für den interdisziplinären Austausch über weltweit relevante Zukunftsfragen. Beim IDF 2015 moderierte sie die Themengruppe "Die Zukunft braucht ganzheitliche Lösungen".

Im April 2017 wurde Weissenberger-Eibl in den Lenkungskreis der Sustainable Development Goals (SDG)-Wissenschaftsplattform "Nachhaltigkeit 2030" der Bundesregierung berufen, die Teil der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist. Sie begleitet die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wissenschaftlich und entwickelt Handlungsempfehlungen.

Nachhaltigkeit ist für Unternehmen essentiell. Dazu hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zwölf nachhaltige Leitsätze veröffentlicht. Sie sollen Transparenz fördern, bieten aber auch Unternehmen anderer Branchen eine Orientierung auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.

Die Branchentechnologien tragen maßgeblich dazu bei, die drängenden globalen Herausforderungen wie beispielsweise den Klimaschutz oder die Ernährung einer rasant wachsenden Weltbevölkerung zu lösen. Diesem strategischen Ansatz widmen sich die ersten drei Leitsätze des ganzheitlichen Ansatzes.

Die zwölf Leitsätze für nachhaltiges Handeln zeigen, dass die Alternative zum „Weiter so" „anders und besser" lautet:

PRÄAMBEL

Unser Verständnis von zukunftsweisender Nachhaltigkeit basiert auf den Prinzipien wirtschaftlicher Erfolg, Fairness, Respekt & Verantwortung und umfasst die Dimensionen Gesellschaft, Ökologie & Ökonomie. Wir verstehen nachhaltiges Handeln ganzheitlich im Sinne der Definition des Brundtland-Berichts und der Definition des Rats für Nachhaltige Entwicklung in Deutschland.

STRATEGISCH

Nachhaltigkeit ist wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmensstrategie.

Mit nachhaltigen Geschäftsmodellen schaffen wir stabile Werte und sichern unternehmerischen Erfolg.

Unsere Technologien und Lösungen fördern eine nachhaltige Entwicklung weltweit.

OPERATIV

Nachhaltiges Denken und Handeln bildet sich in unseren Prozessen und Produkten ab.

Wir handeln ressourcenschonend und setzen uns für Klimaschutz ein.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut. Wir fördern Engagement und Beteiligungsmöglichkeiten.

Wir setzen uns für die Einhaltung der Menschenrechte ein.

KULTURELL

Unser Unternehmen ist Lebensraum.

In unseren Regionen übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung.
Wir tun, was wir versprechen!


Quellen und weiterführende Literatur:

Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Wirtschaft im Zukunfts-Check. So gelingt die grüne Transformation. Oekom Verlag. München 2017.

Marion A. Weissenberger-Eibl, Daniel Jeffrey Koch: Innovation - Technologie - Entrepreneurship. Gestaltungssystem der frühen Phase. 1. Auflage. Cactus Group Verlag, Karlsruhe 2013.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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