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Wir machen das! Was die Generation Y für eine bessere europäische Zivilgesellschaft tut

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INES WOLLENTEIT
Ines Wollenteit
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Humanitäre Werte leben

„Was bringt es uns als Gesellschaft, materiell reich zu sein in einer unmenschlichen Welt?", fragt sich Noah Schöppl in seinem Kommentar zu dem HuffPost-Beitrag Weltmeister sein in Menschlichkeit: Warum wir "das" schaffen.

Humanitäre Werte ernsthaft zu leben bedeutet für ihn, gerade in schweren Zeiten zu ihnen zu stehen, denn Unmenschlichkeit können wir uns nicht leisten.

Wer ist Noah Schöppl? Welcher Lebensweg verbirgt sich hinter seinen Worten? Und welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das Social Start-up ProjectTogether? Bisher hat ProjectTogether Gründer sozialer Initiativen gecoacht und arbeitet inzwischen daran, eine App für soziales Engagement zu entwickeln.

Verlinkungen zu diesem Projekt finden sich im HuffBlog Was bestimmt den Wertekosmos der Jugend?

Mit dem Start-up verbindet Noah Schöppl das Streben nach einer besseren Gesellschaft, denn es bietet „jedem durch das nötige Empowerment einen Weg zu zivilgesellschaftlichem Engagement und holt Menschen in ihren vielfältigen Lebenssituationen ab".

Wie durch Social Entrepreneurship gesellschaftliche Probleme gelöst werden können

Viele, gerade junge Menschen wollen sich gesellschaftlich engagieren, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. ProjectTogether hat sich den Auftrag gegeben, Menschen ihre Selbstwirksamkeit aufzuzeigen, denn der Wandel beginnt laut Schöppl im Kopf:

„Wir können die gesellschaftlichen Probleme, die wir um uns herum sehen, lösen, wenn wir das wollen. Wir müssen nur anfangen, und das trauen wir uns zu selten. Wir können durch ProjectTogether Mitgestaltung einfach für jeden machen."

Noah Schöppls Ansichten sind durchaus repräsentativ für die Generation Y: Sein Ziel ist es, einmal einen Beruf auszuüben, für den er intrinsisch motiviert ist, den er mit seinem Privatleben vereinen kann, und bei dem er einen klaren gesellschaftlichen Mehrwert leistet.

Schöppl verfolgt den Ansatz des Social Entrepreneurship, gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Mitteln zu lösen und ist überzeugt:

„Die heutigen Herausforderungen können nicht mehr durch materielle Steigerung gelöst werden.

Unserer Gesellschaft fehlt es weniger an materiellem Reichtum, als an einer gerechten Verteilung desselben. Vor allem fehlt es aber an nicht-materiellen Ressourcen wie Zeit, Nachhaltigkeit und sozialem Zusammenhalt."

Aus dieser Überlegung heraus entschied er sich, den internationalen, interdisziplinären und sozialwissenschaftlichen BSc in Politics, Psycology, Law and Economics an der Universiteit van Amsterdam zu studieren.

Der Weg dorthin war ein engagierter, der schon in der Schule begann. Noah Schöppl spricht dabei grundsätzlich nicht vom Scheitern, sondern immer von Erfahrungen.
Biographie: Ein Ziel

Die Biographie des 20-Jährigen liest sich wie die eines Menschen, der schon viele Lebensjahrzehnte hinter sich hat. Das ist durchaus positiv gemeint - denn an der Fülle des Handelns zeigt sich etwas Entscheidendes: dass es nicht auf die Quantität der Zeit ankommt, sondern auf die Qualität.

Dazu gehört, sie nachhaltig zu nutzen, das eigene Denken und Tun mit dem, was gerade geschieht, optimal zu verbinden, Chancen und Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Noah Schöppl wurde 1996 geboren und wuchs in Augsburg auf. Bereits in der Schule war er in der Schülermitverwaltung, als Klassensprecher und Oberstufensprecher aktiv. In der 9. Klasse nahm er an der Initiative „Jugend debattiert" teil, setzte sich ohne vorherige Debattiererfahrung gegen 28.000 Teilnehmern durch und wurde Bayerische Landessieger 2012.

Bei „Jugend debattiert" lernte er vor allem zuzuhören, sich auszudrücken und „im Diskurs mit anderen Menschen Gedanken zu entwickeln, Streitfragen aus verschiedensten Perspektiven zu betrachten und andere Meinungen zu respektieren, nachzuvollziehen und zu prüfen."

Diese wertvolle Erfahrung inspirierte ihn 2013 den Stammtisch „Debattenkultur" zu gründen, bei dem er gemeinsam mit Freunden mit verschiedenen politischen Grundüberzeugungen aktuelle und grundsätzliche Fragen der Philosophie, Wirtschaft und Politik reflektiert.

Schöppl möchte auch anderen solche Räume des offenen, respektvollen und kontroversen Austausches eröffnen.

Bereits im Alter von 14 Jahren machte Noah Schöppl sein erstes Praktikum im Bundestagsbüro der Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Es folgten weitere politische Praktika bei Land- und Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien. Doch auch den zivilgesellschaftlichen Bereich lernte Noah als Praktikant bei einem Sozialunternehmen für Menschen mit Behinderungen, der Augsburger Flüchtlingsunterkunft „Grandhotel Cosmopolis" und der Hermann-Scheer-Stiftung kennen.

In Wissenschaft und Wirtschaft sammelte er Erfahrungen beim Fraunhofer Institut für Wind- und Energiesystemtechnik IWES und in der Unternehmensberatung Humanistic Management Practices gGmbH. Diese praktischen Erfahrungen halfen Schöppl vielfältige Perspektiven auf gesellschaftliche Probleme zu verstehen.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis war für Schöppl seine erste Sitzung des European Youth Parliament in Berlin. Er lernte wie junge Menschen aus verschiedensten Hintergründen gemeinsam Lösungen für größere, abstrakte, politische Probleme entwickeln können.

Diese Lernerfahrung will er auch anderen jungen Menschen ermöglichen.

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Noah Schöppl auf einer Sitzung des European Youth Parliament in Liverpool 2016 (Copyright: Amber Davy)

Seitdem nahm er daher an einem Dutzend Sitzungen in sieben europäischen Ländern als Delegierter, später auch Ausschussmoderator und Organisator teil.

Zudem gründete er eine Delegation für die Parlamentssimulation Model United Nations (MUN) und etablierte MUN als Wahlfach an seiner Schule.

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Noah Schöppl spricht an der "Common Bound"-Konferenz der New Economy Coalition in Boston 2014 (Copyright: New Economy Coalition)

Im Jahr 2013 ermöglichte ihm ein Vollstipendium des Parlamentarischen-Patenschafts-Programmes des Deutschen Bundestages und des Amerikanischen Kongresses ein Auslandsjahr in Virginia.

Dort besuchte er die Rockbridge County High School und nebenher Seminare der Washington and Lee University, an der er auch Gastvorträge zum Thema Wirtschaftsethik hielt.

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Noah Schöppl an der Mauer des ehemaligen Krakauer Ghettos auf einer Recherchereise, 2014 (Copyright: Ines Wollenteit)

Zurück in Deutschland begannen die letzten zwei Jahre an seiner Schule, dem St. Anna Gymnasium in Augsburg. Dabei schrieb Noah Schöppl seine Seminararbeit im Themenbereich Betriebswirtschaftslehre mit dem Titel „Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Erfolg und Ethik", für die er den 1. Ehrenpreis der Societas Annensis erhielt.

2016 schloss er seine schulische Laufbahn mit einem Abiturschnitt von 1,0 ab.

Neben der Schule war Schöppl außerdem als freier Journalist tätig. Er berichtete zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen auf Recherchereisen aus Polen und Frankreich.
Stipendien ermöglichten im in Konfliktregionen wie Israel und Bosnien-Herzegowina zu reisen, bei denen er Gespräche mit verschiedensten Menschen führte. Aus den USA berichtete er als Korrespondent des Jugendportals des Deutschen Bundestages.

Gesellschaftliches Engagement und Erfahrungen

Sein ehrenamtliches Engagement begann 2009 in der kirchlichen Jugendarbeit und der Entwicklungszusammenarbeit. 2012 erhielt er als Stipendiat der Bayerischen Staatskanzlei die Chance zum Sondeza Youth Leadership Camp nach Kapstadt zu reisen, wo er zwei prägende Wochen mit südafrikanischen Jugendlichen verbrachte.

„Mit meinem Auslandsjahr in den USA veränderte ich mich und mit mir mein Engagement", sagt Noah Schöppl. Er wurde Jugendbotschafter für die Wirtschaftsethik-Initiative Gemeinwohl-Ökonomie, hielt Vorträge in Unternehmen, Universitäten und NGOs in den USA und Deutschland und nahm an zahlreichen Wirtschaftskonferenzen teil.

Als Schüler von Professoren und Unternehmern ernst genommen zu werden, machte ihm bewusst, wie ein junger Mensch wirksam zu positiven Veränderungen beitragen kann.

Daher gründete und produzierte er 2015 in Eigenregie eine deutsch-englische Podcast-Serie zum Thema Wirtschaftsethik.

Seit Dezember 2015 unterstützt Schöppl das gemeinnützige Startup ProjectTogether und ist als Kuratoriumsmitglied auch an unternehmerischen Entscheidungen beteiligt.

Für ProjectTogether führte er erfolgreich eine Kampagne zur Google Impact Challenge, bei der das junge Unternehmen 10.000€ gewann.

Bei der EYE Business Challenge im Europäischen Parlament in Straßburg schaffte er es mit seinem Pitch für ProjectTogether auf einen der Gewinnerplätze und wurde so in das EU-Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs" aufgenommen.

Aktuelle Informationen zu ProjectTogether befinden sich auf der Facebook-Seite des Jungunternehmens.

Jeder, der Interesse hat, kann durch ProjectTogether eine soziale Projektidee teilen und gemeinsam mit anderen umsetzen.

Dieser inklusive Ansatz hat Noah Schöppl von Anfang an überzeugt. ProjectTogether bot Schöppl die Chance, seine unternehmensethischen Vorstellungen in der Realität zu testen und zu leben.

Nun möchte er mit ProjectTogether jedem die Chance bieten, seine Ideale in die Realität umzusetzen:

„Das nächste Level für ProjectTogether ist die europäische Expansion. ProjectTogether wird in den nächsten Jahren das Netzwerk der europäischen Zivilgesellschaft werden."

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