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Wie junge Menschen zu Energiedetektiven werden - und was sie dabei entdecken

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Die Mission der jungen Detektive

2015 erschien in der Huffington Post der Beitrag ÔÇ×Warum Vertreter der Generation Y Detektive sein wollen", in dem nachgewiesen wird, dass der Begriff Detektiv (von detect: ermitteln, aufdecken) im Kontext der Generation Y eine Renaissance erlebt, weil hier zutage tritt, worum es ihr (auch) geht: zur Erkenntnis vorzudringen.

Zudem wurde nachgewiesen, dass im Rahmen von Nachhaltigkeitsma├čnahmen im deutschen Mittelstand der Begriff ÔÇ×Detektiv" ebenfalls begegnet. So hie├č es in einer Pressemitteilung der Mader GmbH & Co. KG vom M├Ąrz 2015: ÔÇ×Energiespar-Detektive decken Energieschwachstellen auf". Das Thema war auch parallel im erschienenen Praxisleitfaden der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (MIE) zur Mitarbeitermotivation zu finden. Die jungen ÔÇ×Energiespar-Detektive" waren bzw. sind Auszubildende des Druckluft- und Pneumatikspezialisten: Sie decken Energieschwachstellen im Unternehmen auf und motivieren die Belegschaft mit einem Augenzwinkern zum Energiesparen.

Nun geht das Thema in die n├Ąchste Runde: Unabh├Ąngig von diesem Ansatz wurde im Rahmen der ÔÇ×Gr├╝nen Hauptstadt Essen 2017" das Projekt ÔÇ×ista macht Schule" gestartet. Es geht darum, mithilfe modernster Messtechnik Sch├╝lerInnen fr├╝hzeitig f├╝r das Thema Energieeffizienz zu begeistern. Das wird zun├Ąchst in f├╝nf Essener Schulen getan.

ÔÇ×Die moderne Messtechnik sorgt jetzt f├╝r mehr Transparenz im aktiven Klimaschutz in den beteiligten Schulen. Nicht nur die Schulleitung kann aktuelle Energieverbr├Ąuche direkt ablesen, auch die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler werden so f├╝r einen bewussteren Umgang mit Energie sensibilisiert", sagt Thomas Kufen, Oberb├╝rgermeister der Stadt Essen. Gemeinsam mit den Lehrern und der Klimaagentur der Stadt Essen werden zudem f├╝r die Sch├╝lerInnen Workshops veranstaltet.

Einer dieser Workshops mit dem Titel ÔÇ×Energiedetektive - Den Energieverschwendern auf der Spur" fand am 27. April 2017 im M├Ądchengymnasium Essen-Borbeck - w├Ąhrend des sogenannten ÔÇ×Girls' Day" - statt. Zielgruppe waren die Jahrgangsstufen 5 bis 7. In etwa 150 Minuten wurden die Sch├╝lerInnen zun├Ąchst an das Thema Energie im Alltag und den Klimawandel herangef├╝hrt.

Der Ablauf gilt auch f├╝r die Folgeworkshops, deren Ansatz zeitlos ist:

In einem einf├╝hrenden interaktiven Unterrichtsgespr├Ąch werden zun├Ąchst das Problembewusstsein der Sch├╝lerInnen f├╝r die Notwendigkeit von Energieeinsparung geschaffen. In Anlehnung an das Detektiv-Thema wird danach die Mission der zuk├╝nftigen Energiedetektive erl├Ąutert - n├Ąmlich das Aufsp├╝ren von ÔÇ×Tatorten", an denen Energie verschwendet wird und die Entwicklung von Verbesserungsvorschl├Ągen. Dazu werden den Sch├╝lerInnnen Fotografien ausgeh├Ąndigt, auf denen typische Formen von Energieverschwendung erkennbar sind (z.B. tropfender Wasserhahn, gro├če M├Âbelst├╝cke vor der Heizung, etc.).

ÔÇ×Von der neu gewonnenen Transparenz ├╝ber die Energieverbr├Ąuche soll jedoch nicht nur die Schule profitieren, sondern vor allem die Sch├╝lerinnen." (Katharina Kemler, Projektverantwortliche bei ista)

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Zu Beginn des Workshops. (auf dem Foto: Heike Bordin-Knappmann, Maike B├Âcker von ista (v.r.))

In Kleingruppen werden die Verursacher der Energieverschwendung identifiziert und ├╝ber geeignete Alternativen nachgedacht. Im Plenum werden dann die Ergebnisse im Anschluss und erste Energiespartipps abgeleitet.

ÔÇ×Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel die Sch├╝lerinnen bereits ├╝ber den Klimawandel wissen und wie gro├č ihr Interesse f├╝r Umwelt- und Klimaschutz ist." (Magdalena Burger von der Klimaagentur der Stadt Essen)

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W├Ąhrend des Workshops.

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Heike Bordin-Knappmann erkl├Ąrt, wie ein Thermostatventil funktioniert.

Im zweiten Teil des Workshops begeben sich die Sch├╝lerinnen selbst auf die Suche nach ÔÇ×Tatorten" innerhalb des Schulgeb├Ąudes. Dazu wird die Gruppe in zwei Kleingruppen aufgeteilt. Die erste Sch├╝lergruppe sucht nach bestehenden Tatorten in der Schule, an denen Energie verschwendet wird.

Die zweite Gruppe begibt sich wenig sp├Ąter auf die Suche, um diese Tatorte aufzudecken und zu dokumentieren.

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Die Energiedetektive sp├╝ren im Schulgeb├Ąude Energieverschwendung auf. (Auf dem Foto: Sch├╝lergruppe begleitet von Magdalena Burger, Klimaschutzmanagerin f├╝r Bildungseinrichtungen der Stadt Essen)

Im Plenum pr├Ąsentieren die Sch├╝lerInnen anschlie├čend ihre Ergebnisse und erarbeiten gemeinsam weitere Energiespartipps. Mit Blick auf ihre zuk├╝nftige Mission lernen sie dar├╝ber hinaus, wie sie vor allem w├Ąhrend der kommenden Heizperiode von der neu installierten Messtechnik profitieren k├Ânnen.

ÔÇ×Verantwortung f├╝r Umwelt- und Klimaschutz muss man lernen. Ziel des Projektes ist es, nicht nur die technischen Voraussetzungen f├╝r ein transparentes Energiemanagement in den Schulen zu schaffen, sondern durch begleitende Unterrichtseinheiten die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler f├╝r das Thema Energieeffizienz zu begeistern." (Thomas Zinn├Âcker, CEO von ista)

Am Ende des Workshops formulieren die Sch├╝lerInnen einen guten Vorsatz, den sie zuk├╝nftig Zuhause und in der Schule ber├╝cksichtigen m├Âchten, um aktiv Energie einzusparen. Zuletzt erhalten sie eine Urkunde zur Anerkennung ihres Engagements.

Warum wir Nachhaltigkeitsinitiativen im Kleinen brauchen

ÔÇó Sch├╝lerInnen sollten rechtzeitig und auf spielerische Weise f├╝r das Thema Klimaschutz sensibilisiert werden, um sie zu erm├Ąchtigen, selbstst├Ąndig Energieverschwendung zu erkennen und geeignete Ma├čnahmen zur Energieeinsparung zu entwickeln.

ÔÇó Bereits Kinder sollten lernen, wie sie selbst in ihrem Alltag - sowohl in der Schule als auch Zuhause - nachhaltig aktiv werden k├Ânnen, indem sie gemeinsam einfache Einspartipps erarbeiten.

ÔÇó Digitalisierung geh├Ârt in den Schulunterricht, deshalb sollten Sch├╝lerInnen rechtzeitig beispielsweise mit neu installierter Messtechnik, die sie bei ihrem Vorhaben unterst├╝tzt, vertraut gemacht werden (Anwendungswissen).

ÔÇó Energiedetektive wirken als Multiplikatoren in ihrer Schule und k├Ânnen so ihr Wissen verbreiten.

ÔÇó Es braucht gute Vors├Ątze, um eine Verbindlichkeit zu schaffen, die die Sch├╝lerInnen motiviert, die Einspartipps auch zuk├╝nftig zu ber├╝cksichtigen und ein Nachhaltigkeitsbewusstsein zu entwickeln.

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