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Wie der New Yorker Fotograf Marvin E. Newman die Welt sieht

26/05/2017 17:24 CEST | Aktualisiert 26/05/2017 17:25 CEST
marcoscisetti via Getty Images

„Gehe heraus aus deinem Kasten." (Gott zu Noah)

2017 wird der gebürtige New Yorker Fotograf Marvin E. Newman, der von der namhaften Howard Greenberg Gallery vertreten wird, 90 Jahre alt. Obwohl er bei Institutionen wie dem Eastman House, dem MoMA und dem International Photography Center einen exzellenten Ruf als Künstler hat, blieb sein Werk jenseits des Kreises namhafter Sammler und Galeristen bis heute weitgehend unbeachtet.

Nachdem TASCHEN Newman bereits in „New York: Portrait of a City" vorgestellt hat, präsentiert der Verlag nun die erste Monografie über seine Karriere mit rund 170 Bildern aus der Zeit zwischen den späten Vierziger- und frühen Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts als Collector's Edition.

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Copyright: TASCHEN

Präsentiert werden Momente politischer, kultureller und medialer Aufbruchs- und Umbruchssituationen, die auch an unsere Gegenwart erinnern, in der Lebensformen ins Wanken geraten und sich zwischen Angst und Mut die Sicht auf die Welt wandelt: Das angestrebte Neue soll das Alte überwinden und nicht Widerpart des Alten sein.

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Der Band umfasst neben einem Essay des Kritikers und Wissenschaftlers Lyle Rexer neben Newmans New-York-Bildern auch Sportfotos (u.a. vom jungen Muhammad Ali) , die er für Zeitschriften wie Life, Look und Sports Illustrated aufnahm, und Impressionen aus anderen Regionen der USA, unter anderem aus Chicago, von einem alten Zirkus aus den Fünfzigerjahren, aus einem Bordell in Reno (Nevada), aus Las Vegas, aus Alaska und von der Westküste.

Newmans Fotografien sind wie ein seelisches Piktogramm von Menschen an Dritten Orten. Third Place ist ein Fachausdruck der Soziologie, den Ray Oldenburg in „The Great Good Place" (1999) einführte, der neben dem eigenen Heim ("Erster Ort") und dem Arbeitsplatz ("Zweiter Ort") von großer Bedeutung für das Funktionieren einer Gesellschaft ist.

Darunter werden städtische Begegnungsräume (gathering spaces) verstanden, in denen sich Menschen - wie in Newmans Fotos - versammeln oder auch trennen können. Auch wird in ihnen Öffentlichkeit hergestellt. Bei Newman sind das Cafés, Bars, Casinos, Restaurants, Kneipen, Bordelle, Sportplätze, Theater oder Buchläden.

Jedes Foto spiegelt einen Ausdrucksmoment, eine Zeitstimmung, eine Gesinnung und verdichtet viele kulturelle und politische Tendenzen vor und nach Kennedys Ermordung.

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Copyright: TASCHEN

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Newman widmet sich Menschen, die keine Auswege mehr haben, sondern nur noch Umwege, die nach neuen Formen einer gerechteren Gesellschaft und des Zusammenlebens suchen. Erfolg und Scheitern, Abbruch und Aufbruch, Witz und Wehmut sind hier miteinander verbunden - die schöne und schreckliche Wahrheit des Lebens, wie sie Edward Hopper gezeichnet und Leonard Cohen besungen hat. Hier ist sie Bild geworden.

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