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Wertewandel: Darum sollten wir unser Leben noch stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten

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Es wird künftig immer wichtiger, unser Leben noch stärker auf Nachhaltigkeit auszurichten, sagt Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI leitet und Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und TechnologieManagement am Institut für Entrepreneurship, Technologie-Management und Innovation (ENTECHNON) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist. Das hängt nicht zuletzt mit dem gesellschaftlichen Wertewandel zusammen, in dessen Kontext postmaterialistische Werte aufgewertet und ein nachhaltigeres (gutes) Leben als erstrebenswert erachtet wird.

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Prof. Dr. Marion Weissenberger-Eibl (Foto: Franz Wamhof)


Frau Prof. Dr. Weissenberger-Eibl, welche Auswirkungen hat der gesellschaftliche Wertewandel?

Er beeinflusst etwa unsere Art des Konsumierens: Immer mehr Menschen wollen wissen, wie nachhaltig Produkte sind beziehungsweise wie nachhaltig die dahinterstehenden Unternehmen handeln. Genau deshalb wird nachhaltigen Innovationen in der Innovationsforschung auch deutlich mehr Aufmerksamkeit als früher geschenkt. Es gibt hier beispielsweise auch eine eigene Wissenschaftsplattform „Nachhaltigkeit 2030", die vom Bundeskanzleramt, BMBF, BMUB und BMZ ins Leben gerufen wurde und in deren Lenkungskreis ich 2017 berufen wurde. Die Aufgabe der Nachhaltigkeitsplattform besteht darin, die Umsetzung der neuen deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wissenschaftlich zu begleiten. Allein daran kann man schon sehen, für wie wichtig die Politik das Thema Nachhaltigkeit aktuell und vor allem für die kommenden Jahre und Jahrzehnte hält.

Das ist ein großer Ansatz, doch welche Rolle spielt der Einzelne?

Nur wenn ich als Einzelner weiß, wie sich etwa mein eigener Konsum global auswirkt oder welche Bedeutung es hat, ob ich einen zehn Jahre alten oder einen neuen energieeffizienten Kühlschrank nutze, kann ich auch nachhaltig denken und handeln. Es ist uns oft auch einfach nicht bewusst, wie sich unser Handeln in anderen Erdteilen bemerkbar machen kann, etwa, wenn wir durch unser wirtschaftliches Handeln Schwellen- und Entwicklungsländern keine Chance auf dem Weltmarkt lassen.

Hier setzt Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an und bietet jedem die Möglichkeit, die Konsequenzen seines eigenen Handelns im globalen Kontext zu verstehen und diese so verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten. Inwiefern prägt BNE Ihre Arbeit?

Als Kuratorin der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist mir das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung sehr wichtig, und es wird beispielsweise explizit als Förderthema „Instrumente und Kompetenzen der Nachhaltigkeitsbewertung sowie Stärkung von Nachhaltigkeitsbewusstsein und -handeln" aufgegriffen. So werden Maßnahmen zur Entwicklung und Stärkung von Nachhaltigkeitskompetenzen insbesondere bei Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gefördert. Ganz explizit liegt ein besonderes Augenmerk auf Projekten, die das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und nachhaltiges Handeln fördern, indem beispielsweise auf neue methodische Zugänge zur Entwicklung und Stärkung von Nachhaltigkeitsbewusstsein insbesondere bei Kindern und Jugendlichen Wert gelegt wird.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Die Top-Entscheider in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen noch intensiver mit Jugendlichen ins Gespräch kommen und sollten mehr zuhören, was junge Menschen beschäftigt. Vor allem sollten ein Austausch über ihre Zukunftsvorstellungen und ein Dialog mit anderen Generationen stattfinden, bei dem sich Menschen gegenseitig ihre Sorgen, Erwartungen und Hoffnungen mitteilen, weil sie nur so etwas gemeinsam bewegen können. Dabei denke ich natürlich auch an neue Formen des Austausches wie etwa soziale Netzwerke im Internet, in denen Jugendliche viel Zeit verbringen. Wenn sie dort auch Informationen zu Themen wie Nachhaltigkeit finden und sich hierfür begeistern können, ist schon ein wichtiger Schritt getan.

Dabei heißt es oft, junge Menschen seien durch ihr digitales Kommunikationsverhalten nicht mehr zu Empathie fähig...

Aber das Gegenteil ist der Fall! Die hohe Online-Spendenbereitschaft bei tragischen Vorkommnissen zeigt etwa, dass sich Menschen auch in der digitalen Welt damit befassen, wie es unserem Planeten und den darauf lebenden Menschen geht.

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Wie können junge Menschen motiviert und interessiert werden, Zukunft nachhaltig zu gestalten?

Wir sollten die ihnen wichtigen Werte und Lebensentwürfe nicht nur reflektieren, sondern diese auch respektieren. Schließlich werden die heute noch jungen Menschen die Art und Weise bestimmen, wie wir morgen leben. Daher sollten wir sie noch stärker politisch einbeziehen, etwa durch politische Teilhabe über das Internet. Junge Menschen legen oft einen beeindruckenden Organisationsgrad an den Tag, wenn sie ihre Ideen oder Interessen in Onlinegruppen teilen. Davon können die heutigen Entscheider lernen, weil die genannten Prozesse oft sehr demokratisch funktionieren. Wenngleich wir uns im digitalen Zeitalter befinden, sollten uns aber trotzdem auch daran gelegen sein, dass alle Ebenen und Akteure noch stärker ins Gespräch kommen, damit wir die Zukunft gemeinsam gestalten können- und nicht unabhängig voneinander und jeder für sich.

Wenn wir alle gemeinsam nachhaltiger handeln und unser Tun im Kleinen entsprechend verändern, können wir im Großen zusammen etwas bewirken. Der Schlüssel zu alledem ist Bildung.

Vielen Dank für das Gespräch.

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