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Die „Welcome App für Flüchtlinge" ist so spannend, dass viele Städte sie haben wollen

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Carsten Koall via Getty Images
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In Dresden ging in diesen Tagen der Prototyp der „Welcome App" für Flüchtlinge an den Start. Weitere Städte wollen folgen. Das Welcome App Concept ist eine gemeinnützige Initiative vom Dresdner IT-Unternehmen Saxonia Systems AG und der Heinrich & Reuter Solutions GmbH (HeiReS), die die mehrsprachige Smartphone-App entwickelt haben.

Die App soll Asylsuchenden die Orientierung erleichtern und steht im App Store in allen drei Betriebssystemen Windows, iOS und Android zur kostenlosen Nutzung bereit. Sie basiert auf einem Grundgerüst, das auf Regionen, Städte und Landkreise angepasst und mit regionalspezifischen Informationen „gefüttert" werden kann.

„Welcome-to-Dresden-App"

Den Prototypen - eine „Welcome-to-Dresden-App" - haben die beiden Unternehmen in Eigenleistung entwickelt (es gibt keine Sponsoren oder Stiftungsgelder) und kürzlich an Oberbürgermeister von Dresden Dirk Hilbert als Geschenk übergeben. In die Entwicklung der App wurden bisher rund 100.000 Euro investiert.

„Gerade in diesen Tagen, in denen wir als Stadtgesellschaft vor völlig neuen Aufgaben stehen, wo zehntausende Flüchtlinge in Europa eine neue Bleibe suchen, sind wir als Stadtspitze, als Verwaltung und als Bürgerschaft gefordert, nicht nur große und bedeutsame Worte zu finden, sondern Taten sprechen lassen", so Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Bis zum 3. Oktober 2015 soll das Konzept „Welcome to Germany" erweitert werden und die App als Basisversion für ganz Deutschland vorliegen. Dafür werden alle für Deutschland relevanten Informationen der App allgemein zur Verfügung gestellt. Das betrifft die Bereiche Asylsystem, Beratung, Alltagsleben und Notfallhilfe, angereichert mit generellen Informationen über Land und Leute.

Weitere Städte und Landkreise wollen die App für ihre Region übernehmen

Parallel finden derzeit intensive Gespräche mit rund 25 Städten und Landkreisen statt, die sich für eine Anpassung der App auf ihre Region interessieren. Darüber hinaus nehmen die Entwickler der App Hinweise von Behörden und Asylbewerbern entgegen, die eine mögliche Erweiterung betreffen.

Auch zusätzliche Sprachen können bei Bedarf integriert werden. Technisch gesehen ist es sogar möglich, dass Behörden die App als Plattform nutzen, um Formulare zu integrieren, welche die Asylsuchenden direkt ausfüllen können.

Verbreitung der App

Eine große Herausforderung und Aufgabe ist die Verbreitung der App unter den Flüchtlingen bis in ihre Heimatländer sowie die Kommunikation und Verbreitung der App unter den Asyl-suchenden.

In einem ersten Schritt hat HeiReS Postkarten und Aushänge gestaltet, die an Behörden und Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge übergeben werden. „Als wichtigsten Kanal zur Verbreitung der App haben wir die sozialen Netzwerke im Blick", so Viola Klein, Geschäftsführerin der Saxonia Systems Holding.

„Wir wollen die Asylsuchenden aber auch bitten, die App ihren Familien und Freunden in ihrer Heimat zu empfehlen. So können sie sich über ein Asylverfahren und ihre Chancen schon informieren, bevor sie sich auf den weiten Weg nach Europa machen. Vielleicht kann man so mit einigen Gerüchten über das vermeintliche Schlaraffenland Deutschland aufräumen. Jeder, der mit Asylsuchenden im Kontakt steht, kann die Verbreitung der App unterstützen."

Idee und der Aufbau der Welcome-App

Die „Welcome-App" enthält Informationen über alle Belange von Asylbewerbern wie Asylberatung, Sprachkurse, Notfallhilfe, Religion, Kleidungs- und Lebensmittelspenden, aber auch zu Freizeitgestaltung und Begegnungsstätten. Alle Bereiche sind hinterlegt mit geprüften Adressen der wichtigen Ansprechpartner.

Mit wenigen Ausnahmen, wie dem digitalen Stadtplan, können die Informationen auch ohne bestehende Internetverbindung abgerufen werden. Derzeit steht die App je nach Betriebssystem in Englisch, Arabisch und Französisch zur Verfügung. Die Anwendung ist für die Nutzer kostenlos und werbefrei.

Dresden erfindet sich neu

Der zunehmende Flüchtlingsstrom nach Deutschland, aber auch der beschädigte Ruf der Stadt Dresden wegen der zum Teil fremdenfeindlichen Aktionen waren für die Initiatorin Viola Klein der Anstoß, aktiv zu werden. Als Partner für das Design, die Windows-Entwicklung und die Verbreitung der App konnte sie das Dresdner IT-Unternehmen HeiReS gewinnen.

„Mit Hilfe ihrer Smartphones und der App können die Flüchtlinge schnell mit den wichtigsten Informationen ausgestattet werden, schon bevor sie sich an ein Amt wenden", so Peggy Reuter-Heinrich, Geschäftsführerin von HeiReS. „Ein Stadtplan innerhalb der App erleichtert die Orientierung für die Asylsuchenden. Inhaltliche Änderungen können in digitalen Medien wie einer App schnell und einfach integriert werden."

Für Viola Klein ist die Welcome-App gleichzeitig Ausdruck einer Willkommenskultur, die denmeisten Sachsen am Herzen liegt. „Menschen in Not zu helfen ist eine Selbst-verständlichkeit", so die Dresdner Unternehmerin, die mit der HOPE-Gala Dresden seit Jahren auch ein HIV- und AIDS-Projekt in Südafrika unterstützt. „Die Menschen aus Syrien oder Eritrea haben oft alles zurückgelassen. Ihr Smartphone ist ihre Verbindung in die Heimat und zu ihren Familien."

Weitere Informationen:

Welcome-App

Gesellschaftliches Engagement von Viola Klein:

Founder/ Shareholder / General Manager SaxoniaSystems Holding

Initiator of the HOPE-Gala

Board of HOPE Cape Town Trust

Board oftrustees

German Aids Foundation

Former president of „Brücke-Osteuropa e.V."

State executive committeeofHesse (2001 -2011)

Founder of „SaxoniaBildungsinstitut" in 1992

Board of „Presseclub Sachsen"


Advisory Board Global Female Leaders Summit

Co-Founder of „Frankfurter Chefinnen"

Member of FidAR Berlin (Women to the boards of directors)

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