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Weitherzigkeit statt Geldvermehrung: Was uns wirklich erwärmt

06/12/2017 15:44 CET | Aktualisiert 06/12/2017 15:44 CET

Irgendwann haben wir das gute Leben aus den Augen verloren. Stattdessen haben wir uns darauf konzentriert, möglichst viel Geld zu machen, große Häuser zu kaufen und die Karriereleiter hoch zu klettern. Dies beschreibt auch der Publizist und Buchautor Ulrich Grober in seinem Buch „Der leise Atem der Zukunft", in dem er gedanklich auf den Spuren des Märchens „Das Kalte Herz" von Wilhelm Hauff wandert. Wo Geldvermehrung und Besitzergreifen primärer Lebensinhalt ist, geht das Wesentliche verloren:

„Die Fähigkeit zur Anteilnahme, zum Mitgefühl erstarrt. Wenn aber dein Mitgefühl für die Menschen in deiner nahen oder ferneren Umgebung gestört ist oder ganz erkaltet, dann ist damit gleichzeitig auch der Resonanzboden für dein Empfinden von Freude, deine Glücksfähigkeit, stillgelegt."

Im Märchen bittet Peter Munk das Glasmännlein darum: "So nehmet mir den toten Stein heraus und gebet mir mein lebendiges Herz." Des Märchens Weisheit letzter Schluss ist das Respektieren des Verfügbaren: „Es ist doch besser, zufrieden mit wenigem zu sein, als Gold und Güter haben und ein kaltes Herz."

Unser Herz ist von Natur warm. Einem widernatürlichen Herzen werden dagegen Ausdrücke aus der Bedeutungssphäre kalter und undurchdringlicher Materien zugesprochen („hartherzig"). Ein mit-leidendes Herz schmilzt dahin, ja erwärmt sich in dieser Verflüssigung, die sich in ihrem Überfluss anderen mitteilt. Das Herz erweitert sich bei Großzügigkeit, während es sich durch Egoismus zusammenzieht.

„Weitherzigkeit" ist mit Menschlichkeit, Mitgefühl, Wohltätigkeit und Güte verbunden - mit angenehmen Eigenschaften, die verhindern, dass Neid, Missgunst und Hass die eigene Empfindsamkeit „auf dem Nullpunkt" negativ werden lassen.

Wo Liebe ist, wird es Menschen warm ums Herz, und es öffnet sich nach außen - wie in Andersens Märchen „Die Schneekönigin". Auch Däumelinchen macht diese Erfahrung. Als sie ihren Kopf gegen die Brust des scheinbar toten Vogels legt, hört sie ein Klopfen: Es ist sein Herz, das wieder erwärmt wird. Doch bleibt die Liebe aus, wird das Herz dürr und starr oder kalt und steinern. Seine Energien bezieht es von außen, um warm zu werden, oder es zieht sich unter Energieverlust zusammen, um zu erkalten.

Auch und gerade zur Weihnachtszeit sind diese Märchen ein wertvoller Schatz, der uns wahre Werte in einer Welt zeigt, die zur Warenwelt verkommen ist. Wer Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit und zukunftsfähige Lebensstile verstehen will, muss dieses kulturelle Erbe mit aktuellen Entwicklungen verknüpfen. Erst dann kann Nachhaltigkeit wirksam werden - und unsere Herzen erwärmen.

Weitere Informationen:

Ulrich Grober: Der leise Atem der Zukunft. Vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise. Oekom Verlag München 2016.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Denken und Schenken: Warum Geben im Kopf beginnt. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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