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Weiter denken - nachhaltig handeln: Wie wir als Nervensystem des Planeten die Zukunft prägen

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Der amerikanische Philosoph Daniel Dennett sagte einmal: „Wir sind das Nervensystem des Planeten." Das stimmt, denn die menschliche Intelligenz wird das Leben der Zukunft prägen. Wir stehen heute vor komplexen, von uns selbst verursachten Problemen wie Überbevölkerung und Konsum, Verlust der biologischen Vielfalt und Klimawandel. Gegenwärtig haben wir es mit einem Teufelskreis zu tun:

„Während das Weltklima sich schneller verändert als je zuvor in der Menschheitsgeschichte, verhalten sich die Menschen mehr oder weniger so wie immer." Täglich beschäftigen sie sich mit ihren üblichen Aufgaben und halten kaum einmal inne, um über die wahren Folgen ihrer Lebensweise nachzudenken.

Vor diesem Hintergrund soll das Buch „Die Erde und ich" von James Lovelock nicht zur Masse der Daten beitragen, sondern echtes, handhabbares Wissen bieten.

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Copyright: Taschen Verlag

Der unabhängige Wissenschaftler ist Umweltaktivist und Urheber der Gaia-Theorie, die die Erde als lebendes und sich entwickelndes System betrachtet, das nach einer Selbstregulierung strebt, so dass das aktuelle Leben auf ihr gedeihen kann.

Lovelock gehört zu den 100 führenden Intellektuellen der Welt (Prospect), als „wissenschaftlicher Visionär" (The Times) und einer der wichtigsten Denker unserer Zeit. Das Buch plädiert in zwölf Essays namhafter Gehirnforscher, Erd-, Natur-, Human-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler für einen bewussteren Umgang mit unserer Zukunft.

Diese Zusammenstellung zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass sich diese Wissenschaften ergänzen und wertschätzend miteinander kooperieren. Abschottung, Arroganz und Deutungshoheit kann sich kein Wissenschaftszeig im Komplexitätszeitalter mehr erlauben.

Dabei sollte das Unwägbare und Mehrdeutige, das sich dem rationalen Kalkül entzieht, vom Messbaren und direkt Verwertbaren nicht zu trennen sein. Warum? Weil es uns zu einem besseren Menschen macht, der nur begreift, wenn er von den Dingen des Lebens ergriffen wird und ihre Zusammenhänge kennt.

Aufgabe der Wissenschaft ist es, diese Zusammenhänge zu erklären, zu lehren und die Informationen zu liefern, aus denen Erfinder dann ihre Ideen ableiten können.

Erfinder sind für Lovelock Macher. Zukunft und Schicksal unseres Planeten hängen in entscheidendem Maße davon ab, was wir gemeinsam jetzt und in den nächsten Jahren unternehmen.

Im 21. Jahrhundert sind wir gleichermaßen „Bewahrer und Betreiber" des Wandels für diesen „blassen blauen Punkt" im Sternenmeer. Problemlösungen gelingen nicht, indem der fortschreitenden Technologie heute der Rücken gekehrt wird - ein „Zurück zur Natur" ist nicht möglich.

Wenn wir unsere Systeme auf der Erde stabiler bzw. resilienter machen wollen, sodass sie auch Schocks verkraften können, müssen wir uns vom Wachstum trennen, um dafür Stabilität zurückzubekommen. Wirtschaftswissenschaftler, so eine wichtige Botschaft des Buches, haben nicht die Aufgabe, ständig das Bruttoinlandsprodukt zu steigern - vielmehr sollten sie die „Amplitude der Wirtschaftszyklen verringern", d. h. die Wirtschaft dämpfen, wenn sie sich überhitzt.

Wird dies versäumt, werden Konsum und Wirtschaft immer weiter angeheizt. Die Folge: Das System bricht früher oder später in sich selbst zusammen und erstickt an seiner eigenen Gier und Geschwindigkeit. Das ist selbstzerstörerisch und nicht nachhaltig.

Diese Form des Wirtschaftens wird im Buch als manisch-depressiv beschrieben: Die Wirtschaft neigt dazu, „in beiden Richtungen übermäßig stark zu reagieren - die guten Phasen werden zur Manie, die schlechten zur Depression." Weniger bzw. natürliches Wachstum ist für viele ein Verlust - niemand will weniger, alle wollen mehr.

Doch Macher bzw. Gestalter können dieses neue Denken vergegenständlichen und dazu beitragen, den Paradigmenwechsel befördern, dass weniger „mehr" sein kann.

Um neu und weiter zu denken brauchen wir Gestalter, die dafür neue Bilder entwickeln, denn nur dadurch ist es möglich, neue Leitbilder zu schaffen. Im Buch von Lovelock zeigt sich dies in den beeindruckenden Illustrationen von Jack Hudson. Sie tragen in nachhaltiger Weise dazu bei, auch das Nervensystem in Wirtschaft und Gesellschaft zu treffen, denn es braucht neue kreative Ströme und Denkprozesse auf dem Weg in eine von Wissen und Wundern geprägte, aufgeklärte Zukunft.

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Copyright: Taschen Verlag

Literatur:

James Lovelock et al.: Die Erde und ich. Taschen GmbH, Köln 2016.

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