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Es reicht! Genug mit dem globalen Wegwerfwahnsinn

01/10/2015 08:52 CEST | Aktualisiert 01/10/2016 11:12 CEST
Thinkstock

Gastbeitrag von Daniel Anthes

Lebensmittelverschwendung: Enormes Potenzial für die Triple-Bottom-Line

Lebensmittelverschwendung war lange ein chronisch unbeachtetes Thema, doch bekommt es endlich die öffentliche Aufmerksamkeit, die es verdient. Dabei wurde es höchste Zeit, dass das Thema auf die politische und gesamtgesellschaftliche Agenda kommt.

Der Kampf gegen die enormen Massen an Lebensmittelabfällen und -verlusten birgt nämlich ein großes Potenzial für die Triple-Bottom-Line - und damit für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen.

Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) werden derzeit weltweit 1,3 Milliarden Tonnen essbarer Lebensmittel pro Jahr weggeworfen - dies entspricht Kosten von einer Billionen US-Dollar für den Einzelhandel. Dabei ist das noch lange nicht das Ende des Ausmaßes einer ungeheuren Ressourcenverschwendung. Für Produktion, Transport, Lagerung und Vermarktung der Lebensmittel werden große Mengen an Energie, Wasser und Land benötigt.

Mit jährlich rund 3,3 Gigatonnen stellt die weltweite Lebensmittelverschwendung nach China und den USA den drittgrößten Emittenten von Treibhausgasemissionen dar. Ferner geht das UN-Umweltprogramm davon aus, dass die Lebensmittelproduktion für 70 Prozent des globalen Frischwasserverbrauchs und 80 Prozent der Waldrodungen/Abholzungen verantwortlich ist.

Doch nicht nur die Implikationen für die Umwelt und damit globale Herausforderungen wie den Klimawandel und die Ressourcenknappheit sind höchst bedrohlich. Auch vor dem sozialen Hintergrund ist man mit weltweit über 800 Millionen Hungerleidenden immer noch weit von allgemeiner Nahrungsmittelsicherheit und nachhaltiger Entwicklung entfernt. Dabei könnte die Erde schon heute bei einer gerechteren Verteilung die bis 2050 prognostizierten 10 Milliarden Menschen ernähren.

Die deutsche Bundesregierung hat sich nun auf der UN-Vollversammlung in New York neben den anderen 192 Mitgliedsstaaten zu den globalen Nachhaltigkeitszielen verpflichtet.

Das zwölfte von insgesamt 17 Zielen für mehr Armutsbekämpfung, inklusive Gesellschaften und Umweltschutz bis zum Jahr 2030 fordert nachhaltige Produktions- und Konsummuster. Eines der Unterziele hiervon ist, die pro Kopf-Lebensmittelverluste bis 2030 zu halbieren.

Denn auch in Deutschland ist ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Lebensmittelverschwendung bittere Notwendigkeit. Über 18 Millionen Tonnen und damit fast ein Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs landen hier pro Jahr im Müll - mehr als die Hälfte davon wäre vermeidbar.

Vom Produzenten über den Groß- und Einzelhandel, die Gastronomie bis zu den Privathaushalten - mehr oder weniger jeder Schritt entlang der Wertschöpfungskette muss in die Pflicht genommen werden.

Deshalb ist klar, dass der politischen Willensbekundung nun auch Taten in Form eines nationalen Aktionsplans folgen müssen. Es bedarf unmittelbar und schnell wirkender Politikinstrumente - seien es verhaltensbasierte Anreize, Vorgaben für Gastronomie und Supermärkte oder eine Änderung des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Allgemeine Maßnahmen zur Steigerung der Wertschätzung von Lebensmitteln sind ebenso vonnöten.

So versucht der von der Bundesregierung für sein Engagement ausgezeichnete Verein ShoutOutLoud aus Frankfurt am Main durch diverse Projekte zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beizutragen.

Ob Koch-Events mit geretteten Lebensmitteln, Workshops zu lokalem Gemüse oder die Auszeichnung vorbildlicher Einzelhandelsbetriebe - die vereinseigene Initiative "Kein Essen für die Tonne" ist stets Programm.

Zu Recht rückt das Thema vermehrt in das gesamtgesellschaftliche Interesse. Denn uns wird schon jetzt unweigerlich klar gemacht, dass sich unsere Nachfolgegenerationen diese Art der Ressourcenverschwendung nicht mehr leisten können. Auf der anderen Seite war es nie einfacher, Geld zu sparen und dabei noch einen wichtigen Beitrag zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit zu leisten. (Copyright beim Autor)

Weitere Informationen (Auswahl):

Sustainable Natural Resource Management

Zu gut für die Tonne

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz informiert über sein Kampagne gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Magazin für Restkultur

Lebensmittelverschwendung vermeiden und Plastik und Müll reduzieren: eine Frage der Restkultur. Das sagen sich die zahlreichen Engagierten, die den mühsamen Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft aufgenommen haben. Die Macher der Onlineplattform lassen regelmäßig den Blick durch die Weiten des Internets streifen und die Verantwortlichen zu ihrem Projekt zu Wort kommen.

Foodfighters

Michael Schieferstein, Koch und Aktivist aus Mainz und 1. Vorstand "FoodFighters e.V.", erlebte auf Reisen in der Dritten Welt, was Hunger und Armut bedeuten. Das veränderte sein Denken: Er wollte fortan etwas bewegen und für eine grundsätzliche Umverteilung von Nahrungsmitteln kämpfen.

Lesenswert:

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