BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Was wir gegen die globale Wasserkrise tun können

Veröffentlicht: Aktualisiert:
POOR KID WITH WATER
Likhitha via Getty Images
Drucken

Jeder Tropfen zählt!

Umweltschützer warnen: Bis 2030 drohe wegen des Klimawandels sowie des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern eine "gefährliche Verschärfung" der Lage.

Das erklärte die Naturschutzorganisation WWF am 21. März 2017. Von der "globalen Wasserkrise" seien auch Teile Europas und der USA betroffen. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen sei mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur zu rechnen.

Solange wir das Gefühl haben, dass wir in einem "Wasserschloss" leben, wird sich unser Verbrauch nicht ändern, sagt der Wasserbotschafter und Extremsportler Ernst Bromeis. Sein Engagement für das Wasser gründet in der Summe seiner Lebensphilosophie, dass jedes Leben ein Recht auf Leben und deshalb auf Wasser hat.

Seine begrenzte Lebenszeit möchte er nutzen, um dem "Blauen Wunder" einen eigenen Sinn geben: „Wenn die Kirchenglocken für mich läuten, will ich gelebt und gestaltet haben." Dass er zunächst Expeditionsschwimmer und später Wasserbotschafter wurde, ist das Ergebnis kleiner Schritte und Ereignisse, die ihn geprägt haben.

Heute schwimmt er für das globale Recht auf Wasser und sein individuelles Recht auf Wasser. Wasser ist für ihn:

  • Existenz
  • Lebensrecht
  • klimarelevant
  • zerstörbar.

In seinem Buch „Jeder Tropfen zählt. Schwimmen für das Recht auf Wasser" fragt er nach der Verantwortung des einzelnen Menschen. Er ist davon überzeugt, dass jeder verantwortlich ist für das, was er tut oder unterlässt. Das bestätigt auch der Ingenieur Ralf Steeg, der davon träumt, die Spree so sauber zu bekommen, dass man mitten in Berlin darin schwimmen kann:

"In Berlin landen 5,3 Milliarden Liter Abwasser pro Jahr im Fluss. Eine giftige Brühe aus Fäkalien, Schwermetallen, Motorölen, Arzneimitteln und anderer Chemie. Die Spree ist kein reißender Gebirgsfluss, ein Tropfen Wasser braucht 14 Tage, um die Stadt zu durchqueren", schreibt er in seinem Buch "Der Wassermann".

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Das Thema bewegt auch die Generation Y: Mark Oswald, Jahrgang 1991, widmet sich als "Social Impact" im Bereich Bewusstheit und Nachhaltigkeit dieser Thematik. Nachhaltigkeit heißt für ihn, dass Achtsamkeit und Umweltschutz so normal werden sollten wie Kaffee.

Ursprünglich ist er gelernte Fachkraft für Abwassertechnik, hat seine sichere Stelle im öffentlichen Dienst dann aber gekündigt, um sich ganz seinem Lebensthema zu verschreiben. Heute ist er Gründer und Moderator der Landsberger Impulsabende und der Landsberger Nachhaltigkeitsabende. Zudem ist er Referent des Verbraucherschutzvereins Wassertankstelle e.V. und betreut den Bereich Nachhaltigkeit bei den Social Impact Rebels.

Die Wassertankstelle zeigt Möglichkeiten in informativen Vorträgen und präsentiert Lösungen, die Umwelt, Gesundheit und Geldbeutel schonen.

"Wenn ich mich umsehe haben wir zwar mit vielen Problemen zu kämpfen, aber ich sehe wirklich gute Chancen. Die Menschen werden immer wacher und entwickeln immer mehr kollektives Bewusstsein und Achtsamkeit, sich selbst und allen anderen Gegenüber. Wenn jeder seinen kleinen Teil beiträgt, entsteht Großes", sagt er.

2017-03-20-1490024860-3321940-MarkOswaldJPG.JPG
Foto und Copyright: Mark Oswald


Quelle des Lebens - Interview mit Mark Oswald

Herr Oswald, warum darf Wasser als Quelle unseres Lebens nicht versiegen?

Wir bestehen zu etwa 70% aus Wasser und tragen aneinandergelegt etwa 80.000km wässrige Leitungen in uns. Jede einzelne Zelle ist von der Versorgung mit diesem Stoff abhängig. Man kann uns also guten Gewissens als „Wasserwesen" bezeichnen. Das allein ist Grund genug, einen näheren Blick auf dieses Thema zu werfen.

Wie kamen Sie auf das Thema bzw. wie kam das Wasser zu Ihnen?

2007 trat ich meine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik an. Damals hatte ich noch keine Ahnung, was für ein faszinierendes und bedeutendes Themenfeld sich mir damit eröffnen sollte. Schauen wir uns einmal näher an, wie unsere Zivilisation mit Wasser umgeht: Im März 2017 schrieb welt.de: "Demnach werden jährlich 630.000 Tonnen Chemikalien aus Wasch- und Reinigungsmitteln von privaten Haushalten mit dem Abwasser entsorgt sowie zusätzlich rund 10.500 Tonnen aus Kosmetikprodukten und Körperpflegemitteln.

Noch bedenklicher für Umwelt- und Gesundheitsschutz sei allerdings der Eintrag von rund 8100 Tonnen Arzneimittelresten in die Gewässer. Diese Stoffe seien zumeist mit Absicht so gestaltet, dass sie sich im Körper nicht sofort zersetzen, wie zum Beispiel Röntgenkontrastmittel. Entsprechend langlebig erweisen sich die Substanzen dann später auch in der Natur."

Über das Abwasser gelangen diese Rückstände in die Kläranlagen. Moderne Kläranlagen leisten großartige Arbeit in der Reinigung von Abwasser, sind gegen viele immer relevanter werdende Stoffe aber überhaupt nicht gerüstet. Kläranlagen bauen vor allem Stickstoffe und Phosphate ab, viele Pharmarückstände gehen allerdings ungefiltert durch.

Mehr zum Thema: So schlimm steht es um Syriens Kinder

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn es viel regnet...

Ja, wird der Zufluss zu Kläranlagen zu groß, werden Teile des stark verdünnten Abwassers direkt zurück in die Flüsse abgeleitet, um eine Überlastung der Anlagen zu vermeiden. Die Konzentration pro Liter ist in diesem Wasser zwar sehr gering, dennoch landen dadurch relevante totale Mengen wieder im Umweltkreislauf.

Die Wasserwerke leisten innerhalb ihrer Aufgaben auch gute Arbeit. Doch sind sie für die sich verändernden Belastungen gewappnet?

In der TVO (Trinkwasserverordnung) sind zwar diverse Stoffe geregelt, welche die Wasserwerke einzuhalten haben - dennoch sind Pharmarückstände beispielsweise nicht geregelt, und dementsprechend sind die Wasserwerke auch nicht dafür gerüstet, diese abzubauen.

Was sind weitere Probleme?

Plastik ist ein großes Problem. Nach Angaben des WWF gibt es bereits bis zu sechsmal mehr Plastik im Meerwasser als Plankton. 2050 könnte es mehr Plastik als Fische im Meer geben.

Weshalb ist gerade Mikroplastik, also winzige Plastikfasern ein großes Problem?

Auf der einen Seite stoßen sie Weichmacher und hormonaktive Stoffe aus, andererseits halten Fische diese für Nahrung und verhungern mit vollen Magen. Es gibt zahlreiche Studien über die schädliche Wirkung von Plastikrückständen auf Mensch und Umwelt und trotzdem steigt die Menge an Plastik, die nicht recycelt wird beständig an.

Was können wir als Verbraucher tun?

Wir dürfen die Verantwortung für diese Probleme nicht mehr auf Regierungen und Industrie schieben. Es liegt an uns Verbrauchern, uns zu schützen und über unsere Marktmacht die entsprechende Veränderung in Gang zu setzen.

Die Vielzahl an schädlichen Rückständen im Wasser ist eine Belastung für unsere Gesundheit. Welche Lösungen gibt es?

Die Lösung sehe ich darin, das eigene Wasser zuhause selbst aufzubereiten. Selbst wenn die Wasserwerke alles aus dem Wasser filtern würden (was sie noch lange nicht können) würde sich das Wasser in den oft maroden Rohrleitungen wieder mit diversen Rückständen anreichern. Nur eine Reinigung direkt vor dem Wasserhahn macht es uns möglich, wirklich reines und sauberes Wasser zur Verfügung zu haben. Hier empfehle ich die Lösung der Wassertankstelle, da diese nicht nur auf Molekülebene filtert, sondern das Wasser auch in seiner Struktur optimiert.

Was empfehlen Sie im Bereich Umweltschutz?

Auch hier ist der Einsatz jedes Einzelnen gefragt. Ich empfehle folgende 20 Punkte, um die Umwelt aktiv zu entlasten:

1. Keine Plastikflaschen mehr benutzen.
2. Medikamente nur in den wirklich benötigten Mengen kaufen.
3. Abgelaufene Medikamente in Apotheken zurückgeben anstatt in die Toilette zu werfen.
4. Keine Abfälle, Kadaver und Hygieneartikel sollten in die Toilette geben.
5. Artikel mit möglichst wenig Verpackung beim Kauf bevorzugen.
6. Supermärkte auswählen, die gänzlich ohne Verpackung auskommen.
7. Lokale Projekte wie Solidarische Landwirtschaften oder Projekte der Nachhaltigkeit fördern.
8. Biologisch abbaubare Reinigungsmittel verwenden.
9. Gerade im Haushalt sollte auf viel Chemie verzichtet werden.
10. Bei Unternehmen einkaufen, die sich der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz verschrieben haben.
11. Keine Plastiktüten verwenden.
12. Weniger Kleidung aus Kunststoff kaufen, denn diese gibt Mikrofasern ab.
13. Auf mehr biologisch abbaubare Materialien setzen.
14. Nachfüllbare Kaffeekapseln sind eine Alternative zu Wegwerfprodukten. Für Kaffee2Go können Nachfüllbehälter statt Kunststoffbecher verwendet werden.
15. Unternehmen sollten Förderung erhalten, die biologisch abbaubare Alternativen zu Plastik entwickeln.
16. Innovative Nachhaltigkeitsprojekte fördern.
17. Gegen die fortschreitende Privatisierung von Wasser protestieren.
18. Projekte und Initiativen unterstützen, die sich aktiv für den Erhalt der Wasserqualität einsetzen.
19. Gegen die hohen Grenzwerte der Gülleausfahr und den massiven Import von Gülle aus dem Ausland protestieren.
20. Zeitgemäße und umweltschonende Rohstoffe (z.B. Hanf) fördern.

Mehr zum Thema: Ich fühle mich auf deutschen Straßen nicht mehr sicher

Ihr Fazit?

Jeder sollte sich informieren und zu einem aktiven Unterstützer der Nachhaltigkeit werden. Mit wachsendem Bewusstsein zu dieser Thematik wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich gute Lösungen durchsetzen. Es liegt in unseren Händen.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.