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Was Verbraucher über nachhaltige Textillabel wissen sollten

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GREEN CLOTHING
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Nachbesserung in der CSR-Kommunikation erforderlich

Aktuell veröffentlichte Ergebnisse einer Online-Befragung von 504 Frauen in Deutschland im April 2016 weisen nach, dass über zwei Drittel der Befragten im Alter zwischen 15 und 49 Jahren kein CSR-aktives Textillabel benennen konnten. Als wichtigste Informationsquellen benannt wurden im Ladengeschäft angebotene Informationen, gefolgt von Informationen im Internet und TV.

Entwickelt wurde die Befragung von der Kölner Kommunikationsexpertin Nicole Franken, durchgeführt wurde sie von der respondi AG. Die Ergebnisse finden sich im Buch „Corporate Responsibility in the clothing industry. From a consumer's perspective", das auf einer Masterarbeit von Nicole Franken basiert.

Die Untersuchung beinhaltete auch eine geschlossene Frage, bei der die Namen von Textillabeln vorgegeben wurden. Als die fünf nachhaltigsten unter ihnen wurden hessnatur, C&A, H&M, Tchibo und Esprit in dieser Reihenfolge benannt. Das Fazit von Nicole Franken: Die „CR-Kommunikation in Deutschland ist verbesserungswürdig".

Es braucht mehr Aufklärung und Information. Entscheidend für den Markterfolg der Textilbranche ist aber auch das, was Konsumenten in den Markt mitbringen. Dazu gehören eigene Wertvorstellungen und Erwartungen. Ökologisch und fair produzierte Mode hat sich trotz dieser Kritik in den letzten Jahren zu einem ernst zu nehmenden Markt entwickelt. Während sich in Großbritannien, den USA oder Japan der Trend „Green and Ethical Fashion" längst durchgesetzt hatte und ökologisch wie ethisch korrekte Kleidung gut erhältlich war, startete der Öko-Mode-Boom vor einigen Jahren auf dem deutschen Markt etwas zeitverzögert. C&A setzte mit einem umfassenden Sortiment aus 100%-Bio-Baumwolle seit September 2007 Standards.

Die Textilindustrie eignet sich besonders gut als Beispiel einer Branche, die sich dem Thema der unternehmerischen Verantwortung im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung stellen muss. Das lässt sich darauf zurückführen, dass es insbesondere in den 90er Jahren zu Skandalen (beispielsweise Kinderarbeit bei Nike) kam, die ein schlechtes Licht auf die Textilindustrie warfen und vermehrt zu Konfrontationen mit Nichtregierungsorganisationen führten, wie zum Beispiel durch die Kampagne für saubere Kleidung.

Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) haben sich verstärkt darauf spezialisiert, Missstände in der Bekleidungsherstellung aufzudecken und diese publik zu machen. Nicht nur auf Kinderarbeit wird aufmerksam gemacht, sondern auch auf ökologische Problematiken im Produktionsprozess der Textil- und Bekleidungsindustrie, etwa durch den Einsatz von Pestiziden beim Baumwollanbau oder den Einsatz von chemischen Färbemitteln.

Die wichtigsten nachhaltigen Textillabel und Initiativen von A bis Z


Bündnis für nachhaltige Textilien

90 Prozent der in Deutschland verkauften Textilien sind aus China, der Türkei oder Bangladesch importiert. 2014 wurde, als Reaktion auf den Gebäudeeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch, das Bündnis Nachhaltige Textilien gegründet. Es bündelt Synergien vieler Stakeholder entlang der Textillieferkette und verfolgt das Ziel, Produktion, Verarbeitung und Handel mit Textilien sozial und ökologisch nachhaltiger zu gestalten. Dies betrifft unter anderem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitssicherheit, den Einsatz von Chemikalien und die Zertifizierung von Textilien. Mit dem Beitritt verpflichten sich die Mitglieder zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der von unabhängigen Dritten überprüft wird.

Fairtrade Certified Cotton

Seit 2007 werden nicht nur Lebensmittel, sondern auch Textilien mit dem Informationszeichen Fairtrade ausgezeichnet. Es umfasst die Fairtrade-Standards für Baumwolle, die nur für Kleinbauernorganisationen und Vertragsbauern gelten. Sie sollen das Leben der Baumwoll-Bauernfamilien nachhaltig verbessern.

Fair Labor Association (FLA)

Initiative US-amerikanischer Colleges/Universitäten um unabhängige Kontrollen der Arbeitsbedingungen in der Produktion der angeschlossenen Handelsunternehmen aus der Textil- und Sportartikel-Branche.

Fair Wear Foundation (FWF)

Die Mitglieder dieser europäischen Multi-Stakeholder-Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie akzeptieren den „FWF-Code of Labor Practise". FWF kontrolliert, zertifiziert und unterstützt seine Mitglieder in diesem Bereich. Die Initiative bietet ein Beschwerdesystem für Mitarbeiter in FWF-zertifizierten Produktionsstätten.

Global Organic Textile Standard (GOTS)

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) wurde vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) (Deutschland) zusammen mit der Soil Association (SA) (Großbritannien), der Organic Trade Association (OTA) (USA) und der Japan Organic Cotton Association (JOCA) (Japan) entwickelt. GOTS findet sich inzwischen nicht nur in den Regalen des Naturmodehandels, sondern auch im Sortiment großer Händler und Marken.

Initiative Nachhaltig Handeln

Die Initiative ist ein Kooperationsprojekt der Verbraucher-Initiative e.V. mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und Umweltbundesamt (UBA). Das bundesweite Projekt bringt bewusste Verbraucher und engagierte Handelsunternehmen zusammen, um nachhaltigen Produkten mehr Marktchancen zu verschaffen. Im Zentrum stehen die Bereiche Bauen und Wohnen sowie Textilien und Bekleidung.

Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN)

Seit seiner Gründung im Jahr 1989 verfolgt der Verband als oberstes Ziel die Herstellung von Naturprodukten, die garantiert ökologisch produziert, schadstofffrei, qualitativ hochwertig und nicht zuletzt unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt sind.

Textiles Vertrauen

Das Siegel dokumentiert, dass die damit gekennzeichneten Artikel nach dem Öko-Tex® Standard 100 überprüft wurden. Das einheitliche Prüf- und Zertifizierungssystem der "Internationalen Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie" umfasst alle Verarbeitungsstufen für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte. Es steht seit 1992 für gesundheitlich unbedenkliche Textilprodukte aller Art.

Weiterführende Literatur:

Nicole Franken: Corporate Responsibility in the clothing industry. From a consumer's perspective. oekom Verlag. München 2017.

Alexandra Hildebrandt: CSR-Check für Handelsunternehmen: Die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Praxis für die Praxis. Amazon Media EU S.à r.l.

Claudia Silber: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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