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Was Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit beachten sollten

03/09/2015 10:00 CEST | Aktualisiert 03/09/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

Die Zahl der Unternehmen, die Nachhaltigkeitsberichte vorlegen, steigt stetig und wird sich voraussichtlich noch erhöhen. Auch die Anzahl der Berichtsstandards ist gestiegen. Neben der Global Reporting Initiative (GRI) gibt es eine Vielzahl weiterer Initiativen und Standards, auf die sich ein Unternehmen bei der Berichterstattung berufen kann (z.B. der deutsche Nachhaltigkeitskodex oder der Fortschrittsbericht des UN Global Compact).

Wer diese Berichte unvoreingenommen, aber genau liest und sie miteinander vergleicht, erkennt sehr schnell, wer es ehrlich meint und wo es sich um dekoratives Greenwashing oder eine Modeerscheinung handelt.

Soziale und ökologischen Verantwortung

Allein ein Blick ins Impressum gibt Aufschluss darüber, wer sie macht. Häufig sind gerade bei Konzernberichten „Standardagenturen" zu erkennen, was sich auch in Inhalt und Gestaltung niederschlägt: die gleiche Sprache, Stockfotos und eine Gestaltung, die nicht unbedingt zum interessierten Lesen einlädt.

Viele Berichte muten an wie Pflichtpublikationen - und das sind sie durchaus: Denn immer mehr Anspruchsgruppen bzw. Stakeholder hinterfragen kritisch, wie die Unternehmen neben ihrer ökonomischen auch ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen.

Der zunehmenden Nachfrage der Interessensgruppen hinsichtlich der Transparenz und Offenlegung nicht finanzieller Parameter wird durch die Nachhaltigkeitsberichte „Folge" geleistet.

Nachhaltigkeitsberichterstattung im Mittelstand

Für nachhaltig ausgerichtete Unternehmen im Mittelstand ist Nachhaltigkeitsberichterstattung keine Pflicht, sondern ein Selbstverständnis: So erstellt die memo AG bereits seit 2003 alle zwei Jahre einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. In diesem Monat berichtet der Ökoversender zum siebten Mal über seine nachhaltigen Leistungen, Maßnahmen und Ziele.

Interview mit Claudia Silber, Leiterin Unternehmenskommunikation der memo AG

_Frau Silber, was macht den Nachhaltigkeitsbericht 2015/16 so besonders?

Es ist das erste Printmedium und damit auch der erste Bericht dieser Art, der mit dem neuen, hochwertigen Blauen Engel für Druckerzeugnisse ausgezeichnet ist. Er wurde vom Druckhaus Berlin-Mitte klimaneutral produziert. Die Druckerei ist die erste am Markt, die alle Anforderungen an eine emissionsarme und ressourcenschonende Druckproduktion erfüllt und nun ihre Druckprodukte mit dem Blauen Engel kennzeichnen kann.

_ Auffällig ist auch eine emotionalere Öffnung, die bereits in der Gestaltung sichtbar ist. Das Unternehmen zeigt „Gesicht"...

Ja, wir freuen uns, dass einige memo Mitarbeiter sich bereit erklärt haben, das Unternehmen für die kommenden beiden Jahre mit ihrem Foto und einem Zitat auf den Einstiegsseiten der Kapitel zu repräsentieren. Auch für das Titelbild haben sich Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Nahezu alle Fotos in diesem Bericht stammen nicht anonym aus Datenbanken, sondern wurden selbst erstellt und zeigen die Menschen und die Arbeitsumgebung bei uns.

_ Warum bleibt die Umsetzung des memo Nachhaltigkeitsberichts im Unternehmen und wird nicht wie in vielen Großunternehmen an Agenturen gegeben?

Bei memo wird der Nachhaltigkeitsbericht traditionell im eigenen Haus verfasst. Verantwortlich dafür ist das Nachhaltigkeitsmanagement, das dabei von der Unternehmenskommunikation unterstützt wird. Uns ist es dabei wichtig, ehrlich und transparent zu kommunizieren. Dabei geht es nicht nur um unsere eigene Handschrift und Sprache, sondern auch um die Bilder, die zum größten Teil selbst gemacht sind.

Wir selbst wissen am besten, welche Themen wir im Bericht aufgreifen und wie die einzelnen Maßnahmen umgesetzt wurden und ob sie Erfolg hatten. Eine externe Person könnte diese internen Einblicke niemals gewinnen.

_ Welche Leser werden mit diesem Bericht angesprochen?

Ein Nachhaltigkeitsbericht ist trotz der Bemühungen, verständlich zu formulieren, in erster Linie für eine sehr spezielle Zielgruppe, z.B. Nachhaltigkeitsexperten aus anderen Unternehmen. Trotzdem wird bei memo der Bericht von allen Kunden - ob privat oder gewerblich - bestellt. Sehr gerne wird er auch von Bildungseinrichtungen herangezogen, um das Unternehmen als Best Practice im Bereich Nachhaltigkeit zu "durchleuchten".

_ Wie hoch ist die Auflage des aktuellen memo Nachhaltigkeitsberichts? Wie viele Exemplare davon gehen an den Endverbraucher?

Der memo Nachhaltigkeitsbericht 2015/16 erscheint in diesem Jahr in einer Auflage von 5.000 Exemplaren. Das sind 3.000 Exemplare weniger als beim letzten Bericht. Wir bemerken eine ansteigende Anzahl von Downloads auf unserer Unternehmens-Homepage, was sehr erfreulich ist.

_ Worin unterscheidet sich der aktuelle memo Nachhaltigkeitsbericht vom vorangegangenen?

Bereits im Nachhaltigkeitsbericht 2013/14 haben wir unser Layout etwas frischer und moderner gestaltet und erstmals Einstiegsseiten zu den jeweiligen Kapiteln eingeführt. Auf diesen Einstiegsseiten haben wir beim letzten Mal ausgewählte Produkte "sprechen" lassen. Dieses Mal stellen sich einige memo Mitarbeiter aus den jeweiligen Bereichen zur Verfügung.

Am Aufbau des Inhalts ändert sich nichts. Inhaltlich bauen wir an einigen Stellen auf dem vorangegangenen auf, es sind jedoch auch immer Seiten enthalten, die ganz neue Themen aufgreifen, wie z.B. die Entwicklung des Sortiments vom gewerblichen zum privaten Kunden.

Letztlich ist die Arbeit am Nachhaltigkeitsbericht alle zwei Jahre extrem arbeits- und zeitintensiv

- auch aufgrund der Tatsache, dass wir alles selbst machen. Da uns diese Tatsache jedoch extrem wichtig ist und sich daran auch nichts ändern wird, nehmen wir dies gerne in Kauf.

_ Wie viele Abstimmungsschleifen durchläuft jeder einzelne Text in Ihrem Unternehmen?

An den Texten für den memo Nachhaltigkeitsbericht arbeiten das Nachhaltigkeitsmanagement und die Unternehmenskommunikation. Durch die sehr enge Zusammenarbeit entsteht in diesem Fall eine gegenseitige "Kontrolle". Nicht jeder Text muss dann intern nochmals in die Abstimmung.

Manche Texte werden an die jeweiligen Bereichsleiter oder Verantwortlichen zur Durchsicht und Freigabe geschickt - diese durchlaufen dann im Normalfall eine Abstimmungsschleife. Die Textarbeit am Nachhaltigkeitsbericht bei memo ist deshalb eher unkompliziert und unbürokratisch.

_ Nach welchen Kriterien sind die Kapitel aufgebaut?

Der memo Nachhaltigkeitsbericht enthält alle Themen, die relevant und wichtig sind, um unsere Maßnahmen und Ziele sowie alle Aktivitäten unseres nachhaltigen Handelns und Wirtschaftens darzustellen und zu kommunizieren.

_ In Ihrem Bericht werden alle wesentlichen Geschäftsprozesse, Mitarbeiterinteressen oder das Ressourcenmanagement umfassend dargestellt. Findet sich auch Kritisches im Bericht aus den letzten beiden Jahren?

Selbstverständlich werden auch kritische Punkte im Bericht erwähnt, z.B. die Probleme beim Umbau der Logistik und der Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems im Jahr 2010. Dies gewährleistet eine ehrliche und transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung.

_ Was ist das Schwerpunktthema Ihres aktuellen Berichts?

Schwerpunkt ist das Thema „Mensch und Bildung". Letztendlich kann jeder Mensch durch sein tägliches Verhalten zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Es geht vor allem darum, gewohnte Routinen zu ändern, Entscheidungen bewusst zu treffen sowie sich über die ökologischen und sozialen Folgen Gedanken zu machen und zu informieren. Für kleine Einkaufsentscheidungen reicht es häufig schon aus, sich an anerkannten Umweltzeichen und Labels zu orientieren.

Komplexe Themen, wie z. B. die Energiewende, erfordern umfassendes Know-how und das Zusammenspiel verschiedenster Interessensgruppen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbrauchern oder NGOs. Aber auch bei diesen weitreichenden, strategischen Projekten treffen letztendlich Menschen die Entscheidungen. Eine Schlüsselrolle zur Förderung und Vermittlung der notwendigen persönlichen und fachlichen Kompetenzen für eine Nachhaltige Entwicklung besitzt das Bildungssystem.

_ Wann beginnt nach dem Erscheinen Ihres Nachhaltigkeitsberichts der Startschuss zum Datensammeln für den neuen Bericht?

Generell sammelt unser Nachhaltigkeitsmanagement dauerhaft Daten. Die Abteilung erstellt nicht nur alle zwei Jahre den Nachhaltigkeitsbericht, sondern jährlich eine Umweltbilanz, in der alle relevanten eingehenden Energie- und Stoffströme den ausgehenden gegenüber gestellt und über geeignete Kennzahlen bewertet werden. Außerdem erlaubt eine ständige Datensammlung die Erkennung von Abweichungen und ein evtl. Gegensteuern.

_ Wie werden die Daten bei Ihnen gesammelt?

Dabei helfen zum Teil auch die Mitarbeiter mit, wenn es z.B. um den internen Verbrauch von Kopier- und Druckerpapier geht, für den wir nicht mehr verkäufliches Papier aus unserem Sortiment verwenden. Hier trägt jede Abteilung ihren Verbrauch in einer Liste ein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview soll zeigen, dass Nachhaltigkeitsberichte weitaus mehr sind als eine Ansammlung von Daten und Fakten. Es braucht den besonderen Blick auf das Thema Nachhaltigkeit, das greifbar und zu einem persönlichen werden muss, wenn es berühren soll. Und das muss es (auch in einem solchen Kontext), denn nur aus einer inneren Bewegung heraus kann auch Großes verändert werden.

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