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Was bestimmt den Wertekosmos der Jugend?

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YOUNG PEOPLE
John Rensten via Getty Images
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Woran sollen wir uns halten? Diese Frage wird umso drängender, je mehr die Welt um uns herum zerfällt. Wir brauchen Menschen, die als Vorbilder Verantwortung übernehmen, die nicht nur reden, sondern durch ihr mutiges Handeln integer und werteorientiert ihren Weg gehen. Auch junge Menschen, die ihrer Generation zeigen, dass sie nicht verloren ist.

Sie schätzen soziale Werte wieder sehr, sagt der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski. Zwar bekämen die fehlende Bereitschaft zu sozialen Verpflichtungen heute schon Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Vereine zu spüren, aber eine Gefahr für die Gesellschaft erkennt er im Mitgliederschwund nicht. "Es werde neue, informelle Gruppen geben, die den Anspruch auf Mitgestaltung erheben."

Gute und konkrete Beispiele können der Gesellschaft Hoffnung geben - in diesen Tagen der kollektiven Ohnmacht und Angst erst Recht. Wir dürfen nicht aufhören, sie zu zeigen, weil sie Räume stiften für ein großes „Wir"-Gefühl, ohne das eine Gemeinschaft zerfällt. Die damit verbundenen Werte und Ziele geben ihr Identität und Richtung.

Um der Zukunft den dunklen Schleier zu nehmen, brauchen wir den Lichtschein der jungen Generation Y und Z, die einerseits enorm engagiert ist, aber gleichzeitig von Vertretern der eigenen Generation bedroht, verletzt und getötet wird. Wo dies geschieht, fehlt es an einem persönlichen Wertegerüst, und wo die eigene Welt nichts wert ist, zieht man das Leben der Anderen mit in den Abgrund.

Menschen gehen mit den Ereignissen unterschiedlich um: einige wählen den Rückzug, andere sprechen offen darüber oder sind einfach gelähmt und finden keine Worte für die Geschehnisse. Viele haben auch ein schlechtes Gewissen, wieder zur Tagesordnung und Normalität zurückzukehren.

Wir dürfen nicht nachlassen im Denken und Handeln - dazu braucht es auch eine Art Tagesordnung, die Orientierung gibt.

An dieser Stelle wurde regelmäßig über das Engagement der Generation Y im Rahmen des Sozialunternehmens ProjectTogether berichtet:

Wie die Flüchtlingskrise ein neues Selbstverständnis von Engagement schafft

Zusammen können wir das schaffen!

Parallel zu den Schockereignissen der vergangenen Tage verschickten die Initiatoren Informationen zum aktuellen Stand, die an dieser Stelle erwähnt werden sollen, weil sie zugleich ein Zeichen sind, nicht aufzugeben und weiterzumachen:

Im März setzte sich ProjectTogether im Finale der Google Impact Challenge in der offenen Online-Abstimmung durch und gewann 10.000 €.

Im Mai durfte ProjectTogether im Finale der EYE Business Challenge im Europäischen Parlament in Straßburg erfolgreich pitchen. Als Gewinner wurde das Projekt von der Europäischen Kommission zur European SME Assembly im November nach Bratislava und in das Erasmus For Young Entrepreneurs Programm eingeladen.

Die Universität Oxford hat Philipp von der Wippel, den Gründer von ProjectTogether, im Juni 2016 für den Aufbau von ProjectTogether mit dem Oxford Vice-Chancellor Social Impact Award ausgezeichnet. Louise Richardson, Vice Chancellor der Universität Oxford, betonte die gesellschaftliche Relevanz von ProjectTogether für eine funktionierende Gesellschaft und ein gemeinsames Europa.

Michael Heider, Geschäftsführer von ProjectTogether, wurde im Juni von Ashoka zum #ChangemakerXchange‬ Summit nach Japan eingeladen. Dort tauschte er sich mit ambitionierten jungen Social Entrepreneurs aus ganz Asien aus, lernte andere Engagementkulturen kennen.

Alle Beteiligten sehen darin einen persönlichen Auftrag, die Wirkung der Initiative auch in den kommenden Monaten und Jahren europaweit zu verbreiten.

Nachdem es inzwischen drei aktive Lokalgruppen in Hamburg, Augsburg und in Gent (Belgien) gibt, startete im Juli eine große Lokalgruppenoffensive: So sollen in mehr Städten vor Ort Anlaufstellen für positiven Wandel geschaffen werden.

Bis Ende August werden fünf weitere Lokalgruppen in München, Bochum, Bielefeld, Berlin und Kiel gegründet.

Im April veranstaltete ProjectTogether einen Aktivierungsworkshops für World Vision Deutschland e.V. und zwei interkulturelle Aktivierungsworkshops für Geflüchtete und Deutsche in München und Bonn.

Hier lernten sich beide Seiten kennen, reflektierten über Werte und Ziele und planten in Kleingruppen Projekte, die einen positiven Einfluss auf das tägliche Leben, die Gesellschaft oder Umwelt haben. Die Huffington Post berichtete über die Bonner Veranstaltung.

Seit Mai forscht ProjectTogether zusammen mit der HPI School of Design Thinking daran, eine attraktive Plattform zu entwickeln, die es Jugendlichen ermöglicht, ihre sozialen Projekte zu gründen und gemeinsam umzusetzen.

Nach verschiedensten Umfragen unter jungen Menschen werden derzeit verschiedene Prototypen getestet und konstant verbessert.

Ziel ist es, junge Menschen in ihrer digitalen Realität abzuholen und für gesellschaftliches Engagement zu aktivieren.

Anfang 2017 wird das deutsche Standardwerk zum Thema „CSR und Digitalisierung" (hg. Werner Landhäußer und Alexandra Hildebrandt) im Fachverlag SpringerGabler erscheinen, an dem Herausgeber und Autoren kostenlos gearbeitet haben, weil es auch vor dem Hintergrund der Nutzung durch Studenten und Hochschulen einen angemessenen Ladenpreis haben soll und komplett ohne Sponsoring auskam.

Philipp von der Wippel, Gründer von ProjectTogether, ist darin mit seinem Beitrag „Ist der digitale Wandel die Chance für eine europäische Zivilgesellschaft" vertreten. Seine Schwerpunkte liegen in der zukünftigen Entwicklung des europäischen Projekts sowie in der Gestaltung der Zivilgesellschaft.

Nach seinem Abitur in München arbeitete er für die BMW Stiftung Herbert Quandt in Berlin. Seit 2015 studiert er Philosophie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Oxford. Dort ist er nebenbei engagiert als Vize-Präsident der Oxford German Society.

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Philipp von der Wippel (Copyright Foto: Christina Pirker)

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