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Warum Unternehmensdemokratie bei der Personalsuche beginnt

06/01/2016 15:39 CET | Aktualisiert 06/01/2017 11:12 CET
TommL via Getty Images

Führen und Folgen

Unternehmensdemokratie beginnt bei der Personalsuche und -einstellung. Sie lebt von der „Belegschaft, also von allen Angestellten eines Unternehmens, von der Geschäftsführung bis zum Pförtner".

Das ist ein wichtiges Fazit des Buches „Alle Macht für Niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten" (Murmann Publishers, 2015) von Andreas Zeuch. Er begleitet seit Jahren Unternehmen auf dem Weg zu mehr Selbstorganisation und Mitbestimmung.

Die positiven Nebenwirkungen belegt er mit etlichen Fallbeispielen in seinem Buch: mehr Arbeitszufriedenheit, bessere Mitarbeiterbindung und Identifikation, höhere soziale Verantwortung, Steigerung der Innovationskraft, Steigerung der Anpassungsfähigkeit und mehr Resilienz in dynamischen Märkten.

Zeuch widerlegt auch die Aussage, dass sich langjährig bestehende Unternehmen nicht demokratisieren könnten und zeigt, dass zahlreiche agile Unternehmen den Wandel erfolgreich zu ihrem Vorteil und zum Vorteil der Menschen, die für sie tätig sind, geleistet haben.

Und das hat nichts mit der Abschaffung von Hierarchien zu tun. So zeigte sich in der Organisationsforschung immer wieder, dass Versuche, sie dauerhaft abzuschaffen, misslungen sind. Denn trotz der abgebauten formalen Hierarchien bildeten sich informelle.

Führen und Folgen basiert auf Vertrauen, Glaubwürdigkeit echten Kompetenzen. Dann haben Mitarbeiter auch kein Problem mit einem hierarchischen Führungsstil.

Wie der demografische Wandel die Arbeitswelt verändert

Der demografische Wandel mit dem daraus folgenden Fachkräftemangel ist eine hoch aktuelle gesellschaftliche Herausforderung und wird Unternehmen und Organisationen in den nächsten Jahren hart treffen.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen haben zunehmend Probleme, benötigte Fachkräfte zu rekrutieren. Deutschland muss darauf die richtigen Antworten finden. Zudem kann es sich eine alternde Gesellschaft nicht leisten, auch in ihrer Mentalität alt zu werden.

Was es braucht, sind zukunftsfähige Organisationen mit entsprechenden kulturellen Rahmenbedingungen, unter denen sich Menschen nachhaltig entwickeln können.

„Deshalb ist es wichtig, schon jetzt zu planen und vorausschauend zu handeln", sagt der Diplom-Ingenieur Werner Neumüller, der gemeinsam mit seiner Frau Regina eine der größten Ingenieur- und Personaldienstleister in Nordbayern (Neumüller Unternehmensgruppe) leitet.

Als sie sich 2003 in Nürnberg selbstständig machten, war beiden klar, dass sie sie auf den Verdrängungswettbewerb und den damit verbundenen Preiskampf im so genannten „Massengeschäft" nicht einlassen wollten.

„Immer stand deshalb eine qualitative Orientierung absolut im Vordergrund!" Der so erarbeitete wirtschaftliche Erfolg ist für beide - im Sinne von Andreas Zeuch - die Grundlage, „damit Demokratie in dem jeweiligen sozialen System eines Unternehmens überhaupt gelebt werden kann".

Nachhaltiges Unternehmertum hat für sie allerdings auch mit der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zu tun. So setzen sie sich für eine Vielzahl an Initiativen aus den Bereichen Bildung, Sport, Karitatives und Soziales sowie Kunst und Kultur ein.

Fokus von außen

Regina und Werner Neumüller leisten Rekrutierungsunterstützung über die Arbeitnehmerüberlassung. Durch das Outsourcing oder die zusätzliche externe Unterstützung bei der Rekrutierung spart sich das Kundenunternehmen Teile der zeitintensiven Personalsuche.

Die Unterstützung von außen ist deshalb wichtig, um die möglichst besten Kandidaten zu finden: „Jede zusätzliche Bewerbung kann die Bewerbung des besten Kandidaten des ‚Richtigen' sein!"

Während der Arbeitnehmerüberlassung zahlt „Neumüller Ingenieurbüro" je nach Qualifikation auch übertariflich. „Es muss einfach fair zugehen, und man muss von seinem Verdienst auskömmlich leben können", sagt der Geschäftsführer, dessen Unternehmen mehrfach ausgezeichnet wurde (u.a. „Bayerns Beste Arbeitgeber") und die Unternehmens-DNA selbst lebt: ehrlich, fleißig, nachhaltig.

Seit 2012 ist das Unternehmen Mitglied bei Ethics in Business, der Werte-Allianz des Mittelstandes. Geteilte Werte und Überzeugungen tragen dazu bei, die soziale Gemeinschaft zu stärken und Menschen zu motivieren.

Damit verbunden ist auch das Vertrauen in Mitarbeiter und Kunden, das auf einem positiven Menschenbild basiert. „Ich suche den Menschen" ist ein Leitsatz von Werner Neumüller, der zugleich ausdrückt, wie wichtig es ist, die richtigen Menschen für Unternehmen zu finden, zu identifizieren und zu fördern.

Die Bewerber erhalten über die Mitarbeit in anspruchsvollen Projekten bei ihm die Chance, in renommierte Firmen einzusteigen:

"Das ist vor allem in rezessiv geprägten Zeiten für Absolventen eine große zusätzliche Möglichkeit, die richtige Anstellung zu finden", sagt Neumüller und weist darauf hin, dass etwa 90 Prozent "seiner" Ingenieure nach ihrem Einsatz von zwölf bis 18 Monaten von den Kunden in den Bereichen Forschung und Entwicklung übernommen werden.

Für Kundenunternehmen ergibt sich in Boomphasen vor allem der Vorteil eines zusätzlichen Beschaffungskanals zum zusätzlichen Bewerbungserhalt.

Mit Ingenieuren liegt der Fokus auf einer Berufsgruppe, die auf dem Arbeitsmarkt in allen Konjunkturphasen sehr gefragt ist.

Jährlich werden von Neumüller über 200 Ingenieure in die Metropolregion Nürnberg geholt, darunter Neueinsteiger sowie gestandene Experten mit Berufserfahrung.

Arbeitsschwerpunkte sind vorrangig Forschung und Elektronikentwicklung, Automatisierungstechnik, die Konstruktion und Inbetriebnahme in den Bereichen Automotive, Energie, IT, außerdem Medizintechnik, Pharmazie und Chemie sowie Luft- und Raumfahrt.

Neumüller ist gleichermaßen für Dax-notierte und mittelständische Unternehmen tätig. Mit deren Qualifikationsanforderungen ist er eng vertraut. Das sei wichtig, um Profile abgleichen und Bewerber und Firma passgenau zusammenbringen zu können.

Worauf Bewerber achten sollten

Mehr als 1.400 Fach- und Führungskräfte konnte Neumüller in den vergangenen 13 Jahren in Anstellung bringen.

„Je überlasteter die Personalabteilungen sind und je mehr Bewerbungen bei ihnen eingehen, umso länger dauert es, bis sie über die Bewerbungen entscheiden", sagt Neumüller. Bei ihm dagegen würde innerhalb weniger Tage kurzfristig ein Termin für zum Telefoninterview oder das Vorstellungsgespräch vereinbart.

Dabei kämen auch Bewerber mit weniger guten Abschlüssen zum Zuge, die anderswo von vorneherein durchs Noten-Raster fielen und womöglich Absagen erhalten würden.

„Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit jedem einzelnen Bewerber und versuchen, dessen Stärken herauszuarbeiten", sagt Neumüller. Dabei entwickelten sich unter Umständen auch völlig neue Ideen für den künftigen Berufsweg.

So könnte sich etwa bei genauerer Betrachtung herausstellen, dass jemand, der sich als Produktionsingenieur beworben habe, viel eher in der Entwicklung glücklich würde. Solche Möglichkeiten gelte es nach Neumüller zu erkennen.

Wer im Vorstellungsgespräch bei ihm „patzt", ist nicht automatisch „draußen": Er erhält Tipps, wie er es besser machen kann. Der Personalexperte rät zum Beispiel, den Lebenslauf gegebenenfalls von hinten aufzurollen:

„Wenn man von vorne anfängt und zu ausführlich wird, ist es schon passiert, dass der Personaler das Gespräch abrupt beendet, weil bereits der nächste Termin ansteht." In diesem Fall konnte natürlich die tatsächliche Eignung oder Qualifikation für die Stelle nicht dargestellt werden.

Allgemein sei es am wichtigsten, möglichst viel über tatsächlich Stellenrelevantes aus seinem bisherigen Leben zu reden, zumindest immer Grundkenntnisse in allen Stellen-Anforderungen argumentieren zu können und tatsächliches Interesse an der potentiellen Anstellung glaubhaft zu zeigen.

Ingenieursabsolventen werden bei Neumüller unbefristet angestellt - mit dem Ziel einer langfristigen Festanstellung bei dessen Kunden. Das geschieht laut Neumüller bei 93 Prozent seiner Mitarbeiter binnen 18 bis 24 Monaten.

In dieser Zeit habe er stets ein Auge auf sie. „Ich sehe meine Aufgabe darin, Coach zu sein vor allem für die beruflich noch unerfahrenen jungen Ingenieure, sie fortzubilden und sie dabei zu unterstützen, eventuelle Defizite zu beheben."

So können laut Verband Deutscher Ingenieure (VDI) überzogene und überbewerte Gehaltsforderungen für den Bewerber schnell das Aus bedeuten.

Neumüller bestätigt auch, dass Karriere als Selbstzweck nicht funktioniert, denn es braucht neben inhaltlicher und fachlicher Motivation auch Klarheit des Denkens sowie Talent und Fleiß.

Das sind wichtige Voraussetzungen für die Herausforderungen der Zukunft, deren Gelingen davon abhängt, wie wir heute mit sozialen Systemen umgehen.

Es ist unsere Aufgabe, sie so auszulegen, dass sie gegenüber Störungen stabil sind und im Gleichgewicht bleiben. Doch das können sie nur, wenn sie von Menschen für Menschen getragen werden.

„Genau deshalb geht es auch darum, eine Arbeitswelt zu schaffen, in der die tägliche Arbeit (mehr) Spaß macht und als sinnvoll erlebt wird." (Andreas Zeuch)

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