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Warum sich immer mehr DAX 30-Unternehmen zu den Sustainable Development Goals (SDGs) bekennen

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SUSTAINABILITY
Cecilie_Arcurs via Getty Images
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In der Studie ÔÇ×Nachhaltigkeitsberichterstattung im Wandel" hat die Agentur f├╝r Finanz- und Unternehmenskommunikation Kirchhoff Consult AG zum vierten Mal in Folge die Nachhaltigkeitsberichterstattung der DAX 30-Unternehmen untersucht.

Im Fokus standen separate Nachhaltigkeitsberichte sowie kombinierte bzw. integrierte Berichte und GRI-Bilanzen, in denen ├╝ber das Thema Nachhaltigkeit berichtet wird. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wurde 2017 die Datenerhebung um einige Aspekte ausgebaut. Dadurch konnten weitere Erkenntnisse ├╝ber die Umsetzung des Reportingstandards GRI G4 hinaus gewonnen werden.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass sich bereits 82 Prozent der DAX 30-Unternehmen in ihren Berichten zu den 17 Sustainable Development Goals (UN SDGs) bekennen. Im September 2015 haben die Vereinten Nationen in New York die globale Agenda 2030 f├╝r nachhaltige Entwicklung beschlossen. Herzst├╝ck sind die SDGs mit insgesamt 169 Unterzielen, die bis zum Zieljahr 2030 (bzw. einige bis 2020) erreicht werden sollen. Sie decken das gesamte Spektrum der Bed├╝rfnisse von Mensch, Umwelt und Wirtschaft ab.

Die Bundesregierung bietet eine Plattform, in der die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der SDGs geb├╝ndelt wird. Ihre Arbeit wird systematisch in den weiteren Steuerungs-, Dialog- und Umsetzungsprozess der Agenda 2030 eingebunden. Daf├╝r hat sie Ende April 2017 die Wissenschaftsplattform ÔÇ×Nachhaltigkeit 2030" vorgestellt, die als Forschungsverbund, Think-Tank und Dialogforum entsprechende Empfehlungen erarbeiten wird.

Gesteuert wird sie von einem Lenkungskreis, dem 26 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft angeh├Âren. Darunter ist auch die Innovationsforscherin Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut f├╝r Technologie KIT und Leiterin des Fraunhofer-Institut f├╝r System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.

Fast alle nutzen die Wesentlichkeitsanalyse

F├╝r das Gesch├Ąftsjahr 2016 berichten 24 der DAX 30-Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsthemen nach dem Reportingstandard G4. 2 Unternehmen berichten sogar bereits nach dem neuen GRI Standards. Allerdings nutzen lediglich 8 dieser 26 Unternehmen das umfassende Comprehensive-Modell, 16 berichten nach dem schlankeren Core-Modell (Quelle: Kirchhoff Consult AG).

Im letzten Gesch├Ąftsjahr f├╝hrten weitere DAX 30-Unternehmen eine Wesentlichkeits(Materiality-)analyse durch, d.h. eine Untersuchung der wirklich wichtigen Themen in einem Nachhaltigkeitsbericht oder integriertem Jahresbericht. Damit haben etwa 90 Prozent der DAX 30-Unternehmen die Wesentlichkeitsanalyse zur Ermittlung ihrer relevanten Themen genutzt.

Die Definition von ÔÇ×Wesentlichkeit" ist allerdings nicht immer GRI-konform: Die Ergebnisse zeigen nach wie vor deutliche Unterschiede auf, insbesondere bei der Festlegung der f├╝r die Unternehmen ÔÇ×wesentlichen" Themen. Hier liegt die Spanne mit 5 bis 43 Aspekten ├Ąhnlich hoch wie im vergangenen Jahr. Dementsprechend unterschiedlich f├Ąllt der Analyseprozess der aus. Nachgewiesen wird aber auch, dass im Vergleich zu den Vorjahren eine Clusterung nach Themenfeldern vorgenommen wird.

Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber auf europ├Ąischer und bundesdeutscher Ebene Anforderungen an global agierende Konzerne stellt, Nachhaltigkeit in ihre Gesch├Ąftsprozesse zu integrieren. Am 31. M├Ąrz 2017 wurde das Gesetz zur CSR-Berichtspflicht auch vom Bundesrat beschlossen. Es trat r├╝ckwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft. Insbesondere Banken, Versicherungen und viele Aktiengesellschaften mit ├╝ber 500 Mitarbeitern sind nun verpflichtet, eine nichtfinanzielle Berichterstattung in ihren Lage- und Konzernlageberichten zu ver├Âffentlichen.

Zum ersten Mal erhalten sogenannte pre-finanzielle Angaben ├╝ber Sozial-, Arbeitnehmer- und Umweltbelange sowie Informationen ├╝ber die Achtung von Menschenrechten und die Bek├Ąmpfung von Korruption Einzug in die streng geregelten Gesch├Ąftsberichte. Begr├╝ndet wird die Berichtspflicht von der EU-Kommission damit, dass Verbraucher heutzutage mehr und bessere Informationen zu diesen Bereichen verlangen und Unternehmen mehr Transparenz zeigen m├╝ssen.

Weiterf├╝hrende Informationen:

Alexandra Hildebrandt: CSR und Nachhaltigkeitsmanagement richtig umsetzen: Die wichtigsten Schritte und Werkzeuge - mit zahlreichen Praxistipps und Mustervorlagen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.