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Warum sich immer mehr DAX 30-Unternehmen zu den Sustainable Development Goals (SDGs) bekennen

27/08/2017 16:36 CEST | Aktualisiert 27/08/2017 16:36 CEST
Cecilie_Arcurs via Getty Images

In der Studie „Nachhaltigkeitsberichterstattung im Wandel" hat die Agentur für Finanz- und Unternehmenskommunikation Kirchhoff Consult AG zum vierten Mal in Folge die Nachhaltigkeitsberichterstattung der DAX 30-Unternehmen untersucht.

Im Fokus standen separate Nachhaltigkeitsberichte sowie kombinierte bzw. integrierte Berichte und GRI-Bilanzen, in denen über das Thema Nachhaltigkeit berichtet wird. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wurde 2017 die Datenerhebung um einige Aspekte ausgebaut. Dadurch konnten weitere Erkenntnisse über die Umsetzung des Reportingstandards GRI G4 hinaus gewonnen werden.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass sich bereits 82 Prozent der DAX 30-Unternehmen in ihren Berichten zu den 17 Sustainable Development Goals (UN SDGs) bekennen. Im September 2015 haben die Vereinten Nationen in New York die globale Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beschlossen. Herzstück sind die SDGs mit insgesamt 169 Unterzielen, die bis zum Zieljahr 2030 (bzw. einige bis 2020) erreicht werden sollen. Sie decken das gesamte Spektrum der Bedürfnisse von Mensch, Umwelt und Wirtschaft ab.

Die Bundesregierung bietet eine Plattform, in der die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der SDGs gebündelt wird. Ihre Arbeit wird systematisch in den weiteren Steuerungs-, Dialog- und Umsetzungsprozess der Agenda 2030 eingebunden. Dafür hat sie Ende April 2017 die Wissenschaftsplattform „Nachhaltigkeit 2030" vorgestellt, die als Forschungsverbund, Think-Tank und Dialogforum entsprechende Empfehlungen erarbeiten wird.

Gesteuert wird sie von einem Lenkungskreis, dem 26 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft angehören. Darunter ist auch die Innovationsforscherin Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT und Leiterin des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.

Fast alle nutzen die Wesentlichkeitsanalyse

Für das Geschäftsjahr 2016 berichten 24 der DAX 30-Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsthemen nach dem Reportingstandard G4. 2 Unternehmen berichten sogar bereits nach dem neuen GRI Standards. Allerdings nutzen lediglich 8 dieser 26 Unternehmen das umfassende Comprehensive-Modell, 16 berichten nach dem schlankeren Core-Modell (Quelle: Kirchhoff Consult AG).

Im letzten Geschäftsjahr führten weitere DAX 30-Unternehmen eine Wesentlichkeits(Materiality-)analyse durch, d.h. eine Untersuchung der wirklich wichtigen Themen in einem Nachhaltigkeitsbericht oder integriertem Jahresbericht. Damit haben etwa 90 Prozent der DAX 30-Unternehmen die Wesentlichkeitsanalyse zur Ermittlung ihrer relevanten Themen genutzt.

Die Definition von „Wesentlichkeit" ist allerdings nicht immer GRI-konform: Die Ergebnisse zeigen nach wie vor deutliche Unterschiede auf, insbesondere bei der Festlegung der für die Unternehmen „wesentlichen" Themen. Hier liegt die Spanne mit 5 bis 43 Aspekten ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr. Dementsprechend unterschiedlich fällt der Analyseprozess der aus. Nachgewiesen wird aber auch, dass im Vergleich zu den Vorjahren eine Clusterung nach Themenfeldern vorgenommen wird.

Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber auf europäischer und bundesdeutscher Ebene Anforderungen an global agierende Konzerne stellt, Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Am 31. März 2017 wurde das Gesetz zur CSR-Berichtspflicht auch vom Bundesrat beschlossen. Es trat rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft. Insbesondere Banken, Versicherungen und viele Aktiengesellschaften mit über 500 Mitarbeitern sind nun verpflichtet, eine nichtfinanzielle Berichterstattung in ihren Lage- und Konzernlageberichten zu veröffentlichen.

Zum ersten Mal erhalten sogenannte pre-finanzielle Angaben über Sozial-, Arbeitnehmer- und Umweltbelange sowie Informationen über die Achtung von Menschenrechten und die Bekämpfung von Korruption Einzug in die streng geregelten Geschäftsberichte. Begründet wird die Berichtspflicht von der EU-Kommission damit, dass Verbraucher heutzutage mehr und bessere Informationen zu diesen Bereichen verlangen und Unternehmen mehr Transparenz zeigen müssen.

Weiterführende Informationen:

Alexandra Hildebrandt: CSR und Nachhaltigkeitsmanagement richtig umsetzen: Die wichtigsten Schritte und Werkzeuge - mit zahlreichen Praxistipps und Mustervorlagen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.