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Warum ich die Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT unterstütze

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Dr. Alexandra Hildebrandt (Copyright Foto: Steffi Henn)

Die Kraft des Denkens und der Medien

Je unsicherer wir gesellschaftliche Umbrüche und Schocks erleben, desto stärker suchen wir den Rückhalt in einer gleichgesinnten Gemeinschaft.

„Unsere Gesellschaft zersplittert in Gruppen und Grüppchen. Getrieben von Gefühlen wie Verunsicherung, Existenzangst, Wut oder Ahnungslosigkeit. Wir suchen das Gespräch, die Rückbesinnung auf Werte, die uns vereinen, statt uns auseinander zu treiben. Wir wollen anregen, neugierig machen, Gespräche eröffnen, zum Nachdenken bringen...", heißt es auf der Website der Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT, die von Valerie Niehaus gemeinsam mit der Fotografin Steffi Henn und Schauspielkollegin Christina Hecke ins Leben gerufen wurde.

Im Februar 2015 trafen sich die ersten „Wortgeber" im Studio von Heinze von Hippel in Berlin Kreuzberg. Das war die Geburtsstunde der Initiative. Es folgten Shootings in Köln, Hamburg und Berlin.

Im Juni war das Team Teil des Biesalski Cups, einem Fußballturnier für alle Körperbehindertenschulen aus Berlin, das in der Biesalski-Schule in Zehlendorf stattfand:

25 Kinder wurden mit ihren Worten fotografiert, darunter waren u.a. Akzeptanz, Dankbarkeit, Entschleunigung, Familie, Freundschaft, Frieden, Inspiration und Zuversicht.

Gedanken brauchen Wörter, Wörter brauchen Buchstaben, und Buchstaben brauchen Medien, in denen sie erscheinen und an unserem Denken mitschreiben.

Ich unterstütze diese Initiative, weil sie das menschenfreundliche Gesicht einer Gesellschaft zeigt und relevante Themen emotional „begreifbar" macht. Mit nüchternen Informationen und nackten Zahlen allein kann das nicht gelingen.

Die Welt begreifen

Das Wort „begreifen" bedeutet mir so viel, weil erst die sinnliche Wahrnehmung das Denken ermöglicht. Es spielt in meinem HuffBlog eine besondere Rolle - ebenso wie der Begriff des Errechnens, der allerdings nichts mit numerischen Phänomenen zu tun hat.

Der entsprechende Ausdruck im Englischen heißt „to compute", der lateinische Begriff „computare" verweist darauf, dass Dinge in einen Zusammenhang gebracht werden („com" meint „zusammen" und putare „betrachten, überlegen").

Ich möchte zeigen, dass es in einer nachhaltigen Könnensgesellschaft darum geht, das Einzelne aus dem Ganzen zu verstehen, um das Ganze wieder aus dem Einzelnen zu erklären - und dass wir Hand, Herz und Hirn gleichermaßen brauchen, um die Herausforderungen der Gegenwart zu bewältigen und die Dinge selbst(bestimmt) in die Hand zu nehmen.

Greifbare Dingen habe auch für die Nachhaltigkeits- und Kommunikationsexpertin Claudia Silber eine besondere Bedeutung, weil sie ebenfalls das Erklärbare, Bodenständige, Immobile braucht. Das gibt ihr Sicherheit, Halt und Schutz in einer zerbrechlichen Welt: „Wo das ‚Greifbare' ist, bin auch ich und mein zu Hause."

Sie gehört zu den „Gesichtern der Nachhaltigkeit". Die von Hauke Schwiezer und mir 2013 gegründete, nicht-kommerziellen Initiative verbindet sich vom inhaltlichen Ansatz her mit AUF EIN WORT auf eine Weise, die auch unserem Denken entspricht: vernetzt.

So stehen namhafte Unternehmerpersönlichkeiten neben Wissenschaftlern, Kulturschaffenden, Sportlern, Menschen des Alltags, angehenden Führungskräften oder Innovatoren.

Weil Nachhaltigkeit aber nicht eindimensional ist und nur in der Durchdringung mit unterschiedlichsten Medien wirken kann, Inhalte nicht statisch, sondern immer in Bewegung sein sollen, entstand zum gleichnamigen Buch die Website, deren Inhalte kontinuierlich von allen Beteiligten ehrenamtlich erweitert werden.

Immer mehr Menschen setzen sich heute für Nachhaltigkeit ein, doch wissen sie oft nicht, was andere zu dem Thema machen. Die Initiative möchte sie unterstützen, einander zu finden und sich zu vernetzen.

Angesichts all der schlimmen Dinge, „denen wir mit unserer wundgelegenen Sprache kaum noch begegnen können, weil wir nicht mehr klar denken können", ist dies heute umso wichtiger, sagt der Marketingexperte Dr. Klaus Stallbaum.

Wir brauchen Klarheit im Denken und Handeln statt „kaltem, realitätenverzerrenden Technokraten- und Populistensprech". Im Kontext des Beitrags „Die Wohlfühl-Lüge" von Laurie Penny (DIE ZEIT Campus, 19.7.2016), der sich mit einer schädlichen Wellness-Ideologie beschäftigt, erinnert er an die australische Band Midnight Oil und ihren Song „Beds are Burning" von 1987(!):

„Sänger und Co-Autor Peter Garrett wurde übrigens 2007 australischer Umweltminister, 2013 Minister für schulische Bildung, Kinder und Jugend. Eins der raren Vorbilder mit einem auch als Politiker authentischen Lebensentwurf. So lassen sich die Dinge des Lebens auch in eine Balance bringen. Und alles begann mit einem kräftigen Song und seiner adäquaten Lyrik nebst Bildsprache."

Bilder einer menschenfreundlichen Gesellschaft

Auf die Kraft der Bilder setzt auch die Fotografin Steffi Henn. Die Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT zeigt, dass unser „Gesichter"-Ansatz nicht losgelöst von anderen Entwicklungen, Projekten und Initiativen betrachtet werden sollte. Wo wir von Sätzen sprechen, setzt die Initiative auf die Kraft des Wortes:

Wenn Valerie Niehaus bemerkt, dass gemeinsam eine Reise angetreten wurde, von deren Beständigkeit alle überzeugt sind, so ist auch dies ein wichtiger Beitrag für mehr Nachhaltigkeit.

Dabei gewinnt das gesprochene und geschriebene Wort - also das, was die Philosophin Hannah Arendt das an einem Menschen Flüchtigste und zugleich Größte genannt hat - besondere Bedeutung.

Hier zeigt sich auf besondere Weise das Verbindende unserer gemeinsamen Themen, die auch in Zukunft weitergedacht und geschrieben werden sollen. Dazu braucht es Buchstaben, Worte, Sätze und das Engagement des „ganzen" Menschen.

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