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Warum die wichtigsten Dinge im Leben keine Dinge sind

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HAPPINESS
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ÔÇ×Jeder Mensch sucht nach Halt. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen." (Hape Kerkeling)

Wer in ÔÇ×Dinge" investiert, ist selten gl├╝cklich, denn die wichtigsten Dinge sind ja sowieso keine Dinge, sagt der Businessexperte Hermann Scherer und verweist auf Plinius d. ├älteren, der etwa 2000 Jahre vor der Einf├╝hrung des iPhones bemerkte: ÔÇ×Dinge, die wir besitzen, bewahren selten den Zauber, den Sie hatten, als wir sie erstrebten."

Wer an Dingen festh├Ąlt, will sich auch krampfhaft am Leben festhalten - in Wirklichkeit ist all dieser geistige und materielle Ballast nur ein Lebensersatz, der uns belastet und unfrei macht. Freiheit ist nicht, ÔÇ×zu jedem Anlass den passenden Schlips von Louis Vuitton kaufen zu k├Ânnen. Freiheit ist, keinen kaufen zu m├╝ssen", schreibt Scherer in seinem Buch ÔÇ×Gl├╝ckskinder".

Er besitzt kein Haus, damit es ihn nicht besitzen kann. Stattdessen hat er sein Verm├Âgen lieber auf dem Konto und zahlt seine Miete von den Zinsen: ÔÇ×Je kleiner das Ego, desto leichter das Leben." Scherer ist wahrlich kein Verzichtsmensch - er ermutigt uns sogar, dass wir uns qualitativ hochwertige und sch├Âne Sachen kaufen und sie eine Weile besitzen sollten: ÔÇ×Aber bitte nur die, an denen Sie wirklich Spa├č haben.

Ich habe keine asketischen Ambitionen, ganz im Gegenteil. Ich will nur die Sekund├Ąremotionen, die an den Dingen h├Ąngen, nicht mehr in meinem Leben dulden."

Denn das Materielle belastet uns nicht auf physische Art, weil es vorhanden ist, sondern durch die Energie, die es uns kostet, den Sachen in unseren K├Âpfen Aufmerksamkeit zu schenken, sie zu verwalten, zu ordnen und wiederzufinden.

Beim Minimalismus geht es nicht darum, Dinge zu z├Ąhlen, sondern darum, f├╝r Dinge Platz im Leben zu schaffen, die uns wirklich wichtig sind. Davon berichtet auch die Autorin Lina Jachmann in ihrem Buch ÔÇ×Einfach leben".

Dabei bestimmt jeder selbst, wie viel es wovon sein darf. F├╝r viele Menschen ist Minimalismus heute eine Chance, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen, ├ťberblick und Kontrolle dar├╝ber zu gewinnen.

Erleben und geben

Wie der Unternehmer Jochen Schweizer, der mit dem Slogan ÔÇ×Du bist, was Du erlebstÔÇÄ" wirbt, ist Scherer der Meinung, dass es nachhaltiger ist, in die eigene ÔÇ×Erlebnishistorie" einzuzahlen als Geld f├╝r irgendwelche Dinge auszugeben. Warum? Weil wir uns am Lebensende wohl kaum an das Update auf das iPhone 5 erinnern, aber an spontane Trips an sch├Âne Orte durchaus.

Viele Menschen legen ihr Geld gern in Aktien an - das war nie die Welt des Selbstst├Ąndigen Hermann Scherer, der lieber alles in seine eigenen Unternehmen investierte, f├╝r die er selbst verantwortlich ist.

in einer Studie aus dem Jahr 2008 fand ein kanadisches Forscherteam an der University of British Columbia in Vancouver (Prof. Elisabeth Dunn) heraus, dass Geld umso gl├╝cklicher macht, je mehr man davon wieder hergibt.

Mehr als 600 befragte US-Amerikaner gaben an, rund zehn Prozent des monatlichen Einkommens für soziale Zwecke auszugeben - kleine Geschenke für andere oder Spenden für Ärmere.

In seinem aktuellen Newsletter ÔÇ×Chancenblick" (83/2017) berichtet Hermann Scherer, dass er sich 2017 gemeinsam mit Rotary International f├╝r die vielen Millionen Opfer von Landminen engagiert, die zu ├╝ber 80 Prozent aus Zivilisten, meistens aus Kindern bestehen. Denn gerade Kinder heben diese ÔÇ×Dosen", die in Wirklichkeit aber Landminen sind, aus Neugier gerne auf und werden dann verst├╝mmelt:

ÔÇ×Diese Teufelsdinger werden unter der Ma├čgabe angefertigt, den gr├Â├čtm├Âglichen Schaden zu erzielen. Dieser liegt - so pervers das alles klingen mag - in der Verst├╝mmelung von Menschen, nicht im Tod: Ein toter Soldat oder Zivilist h├Ąlt das Kriegsgeschehen kaum auf, ein verletzter dagegen braucht viele rettende Kameraden; ein toter Soldat richtet keinen Schaden in der Krankenversorgung an, ein verst├╝mmelter dagegen besch├Ąftigt alle anwesenden ├ärzte."

Scherer wird gemeinsam mit Meinrad M├╝ller (kostenlos gegen Reisekosten) einen Vortrag und einen Team-Building-Workshop im Raum K├Âln, M├╝nchen oder Berlin durchf├╝hren, der durch das Kamera-Team der Katholischen Nachrichtenagentur begleitet wird.

In dem Workshop nach dem Vortrag von Hermann Scherer werden die Teilnehmer gemeinsam aus einem Bausatz mit 30 Einzelteilen je eine Hand-Prothese f├╝r Landminen-Opfer zusammenbauen. Zudem wird er gemeinsam mit Rotary International die dringend ben├Âtigten Prothesen in die von Landminen maltr├Ątierten L├Ąnder ├╝berbringen.

Es gibt im Kontext der Dinge derzeit viele Spenden-Ans├Ątze: So wird der komplette Erl├Âs des Buches ÔÇ×Von Lebensdingen" (mit Claudia Silber, die hauptberuflich die Unternehmenskommunikation des ├ľkoversenders memo AG leitet) komplett an HORIZONT e.V. gespendet.

Der gemeinn├╝tzige Verein wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegr├╝ndet und hilft wohnungslosen M├╝ttern und deren Kindern schnell und unb├╝rokratisch. W├Ąhrend eines Drehs war Speidel zuf├Ąllig in einer M├╝nchner Pension, in der Obdachlose, M├╝tter und ihre Kinder, in menschenunw├╝rdigen Zust├Ąnden wohnten.

Ihr fiel auf, dass in Deutschland kaum jemand dar├╝ber spricht, obwohl viele Kinder in die Obdachlosigkeit hineingeboren werden. Und so stand f├╝r sie fest: ÔÇ×Ich helfe privat, pragmatisch und ohne laute Fensterreden." Im HORIZONT-Haus finden sie so lange eine Heimstatt, bis sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen k├Ânnen.

Die Astrologie und die Dinge

Interview mit dem Astrologen Thomas Otto Schneider

Herr Schneider, welche Rolle spielen "Dinge" in der Astrologie und bei den Menschen, die Sie aufsuchen?

Die Dinge sind in der Astrologie prinzipiell den Erdzeichen zugeordnet, wobei es im Erdzeichen Stier mehr um den Besitz und das Bewahren der Dinge, in der Jungfrau um die Anwendung der Dinge und beim Steinbock um die Bedeutung der Dinge geht. Im Horoskop ist also zu erkennen, wie es beim Einzelnen um das Dingliche steht. Einige Menschen sind somit mehr um ihre Dinge besorgt als andere.


Wo gibt es dingliche Wertbez├╝ge in der Astrologie?

Zum Beispiel bei den Metallen: Das Gold ist dem L├Âwen, das Silber dem Mond und das Blei dem Steinbock zugeordnet. Also Frauen, die eine besondere Vorliebe f├╝r Goldschmuck haben, haben meist auch eine st├Ąrkere L├Âwebetonung im Horoskop.

Was bedeutet Ihnen pers├Ânlich dieses Thema?

Wir leben in einem Zeitalter der Dinge. Es werden aber immer mehr Dinge zu immer g├╝nstigeren Preisen hergestellt. Somit sinkt der materielle Wert der Dinge zunehmend. F├╝r mich pers├Ânlich ist der symbolische Wert der Dinge interessanter. Erinnerungsst├╝cke zum Beispiel. Im K├Âlner Dom wurde letztes Jahr eine Reliquie von Papst Johannes Paul II. gestohlen.

Der Dompropst sagte daraufhin: ÔÇ×Der materielle Wert ist nur gering, viel gr├Â├čer ist der ideelle Verlust." Der Blutstropfen stammte aus einer Blutprobe, die dem Papst kurz vor seinem Tod entnommen wurde.

Reliquien haben in der katholischen Welt eine lange Tradition. Ein beeindruckendes Zeugnis daf├╝r l├Ąsst sich ├╝brigens in der Ged├Ąchtniskirche von Hildegard von Bingen in der N├Ąhe von R├╝desheim bewundern. Dort sind nicht nur die Gebeine Hildegards in einem Schrein zu sehen, sondern auch Reliquien, die die heilige Hildegard zeitlebens selbst gesammelt hat.

Weshalb kommt es individuell nicht nur auf die Dinge an sich an?

Es geht vor allem um die Identit├Ąt MIT den Dingen: Was passt zu mir? Mit welchen Dingen dr├╝cke ich meine Pers├Ânlichkeit, meine Sehns├╝chte oder meinen Status aus? Einer der Industrietrends ist das Customizing, bei dem man sich die Dinge, die man von der Stange kauft, ein wenig individualisieren kann.

Bei einem Vortrag des Dalai Lama in Frankfurt erz├Ąhlte er seinem erstaunten Publikum, dass er eine besondere Vorliebe f├╝r Armbanduhren habe. Und als er einmal in der Schweiz gastierte, wurde ihm ein bedeutender Uhrmacher vorgestellt, der von der Leidenschaft Seiner Heiligkeit wusste. Deshalb hatte er einen Koffer mit seinen sch├Ânsten Kreationen dabei.

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Eine der Armbanduhren gefiel dem Dalai Lama besonders gut, und er sei versucht gewesen, sie zu erwerben. Doch dann habe sich pl├Âtzlich eine innere Stimme gemeldet und gefragt: ÔÇ×Do I need it really?" Dann habe er kurz innegehalten und erleichtert geantwortet: "No!"

Die Entsagung von den Dingen kann also etwas sehr Befreiendes haben - der klassische Unterschied eben zwischen Sein und Haben. Ich wei├č nicht mehr, wo ich diesen Satz geh├Ârt habe, aber er hat sich in mein Ged├Ąchtnis gebrannt: Die Liebe l├Âst uns aus der Welt der Dinge heraus.

Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch.

Weiterf├╝hrende Literatur:

Lina Jachmann: Einfach leben. Der Guide f├╝r einen minimalistischen Lebensstil. Knesebeck Verlag, M├╝nchen 2017.

Hermann Scherer: Gl├╝ckskinder. Warum manche lebenslang Chancen suchen - und andere sie t├Ąglich nutzen. Campus Verlag Frankfurt/New York, 2012.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Von Lebensdingen: Eine verantwortungsvolle Auswahl. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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