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Warum die Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen preiswürdig ist

06/12/2017 16:02 CET | Aktualisiert 06/12/2017 16:02 CET
bieshutterb via Getty Images

Interview mit Karen Wendt, Gründerin von Responsible Investment Banking und Positive Impacts Investing

Frau Wendt, weshalb ist die Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen heute so dringlich?

Angesichts der nicht nachhaltigen Reise der Menschheit, bei der wir mehr Ressourcen verbrauchen als nachwachsen, der gegenwärtigen geopolitischen Krisen und angesichts der Herausforderungen des Klimawandels ist die Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen und das ehrgeizige Pariser Klimaabkommen (COP21) eine Top Priorität für Politiker geworden. Was ist jedoch mit Bürgergesellschaft, was mit Unternehmen? Viele Regionen leiden unter einer zunehmenden Entkopplung von den Wirtschaftszentren. Gleichzeitig ist der Mittelstand, der regional und lokal verwurzelt ist, jedoch global agieren können muss, das Rückgrat der nationalen und lokalen Wertschöpfungssysteme.

Welche Fähigkeiten sind nötig, um sich diesen Herausforderungen zu stellen?

Eine entscheidende Rolle spielen die kontinuierliche Fähigkeit zu lernen, zu forschen, zu experimentieren und zu gründen. Die Weltgemeinschaft hat die Herausforderungen erkannt und sich mit den Sustainable Development Goals (SDG) bis 2030 universelle und klare Ziele für alle 193 ratifizierenden Nationen gesetzt, die dazu beitragen sollen, die Regionen nachhaltig zu stärken, Bildung und Ausbildung voranzutreiben, Ungleichheit abzubauen und soziale Arbeit zu gestalten sowie Innovation zu ermöglichen und eine zukunftsfähige Infrastruktur für alle am Wertschöpfungsprozess Beteiligten unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Ressourcenschonung zu schaffen.

Ab wann sind sie gültig?

Die Ziele der UNO gelten ab dem 1.1. 2016. Die Vereinten Nationen haben alle Länder dazu aufgerufen, mit Nachdruck an dieser Entwicklung auf der Basis der Eigeninitiative und der Selbstverantwortung mitzuwirken. Sie haben ausdrücklich dabei auf Eigeninitiative von Bürgern und Unternehmen, post-heroische Führung, Co-Creation und World Making gesetzt. Regulierung ist wichtig, reguliert werden kann aber nur etwas was da ist.

Welche positiven Beispiele sind Ihnen bislang aufgefallen?

Gerade die Huffington Post hat sich um das Thema Impact Entrepreneurship gekümmert und es stark gemacht. Wie kann man Innovation, Technologie und Entrepreneurship so verbinden, dass wir ein De-Coupling schaffen - also Wachstum mit stark reduziertem Ressourcenverbrauch und Entrepreneurship, die Lösungen schafft für die globalen Herausforderungen.

Welche Möglichkeiten gibt es für Unternehmen, die als Vorreiter ihrer Branche in der Umsetzung der UN Nachhaltigkeitsziele agieren, ausgezeichnet zu werden?

Im Moment fast keine. Deshalb haben sich die Eccos Impact GmbH Cham und der NEW WAYS Center for Sustainable Development entschlossen, gemeinsam mit dem Senat der Wirtschaft in Österreich den ersten SDG Award ins Leben zu rufen. Die Verleihung der prämierten Unternehmen fand am 1. Dezember 2017 auf Schloss Mondsee in Österreich statt. Die Presse hat darüber vielfach berichtet.

Was soll damit gezeigt werden?

Einerseits, dass es schon eine Vielzahl von Unternehmen und anderen Akteuren gibt, die sich bereits seit langem dem global notwendigen Ziel der nachhaltigen Entwicklung verschrieben haben. Andererseits sollen Anreize geschaffen werden und visionäre Unternehmer mit Modellcharakter („best practices") auf die Bühne gebracht werden, um so Möglichkeiten und Wege zu wirtschaftlichem und gleichzeitig ethischem Verhalten aufzuzeigen. Die konzeptionelle Ausarbeitung des Awards erfolgte durch Dr. Ursula Vavrik und mich. Wir sind beide Mitglieder des Ethikbeirats des Senats der Wirtschaft. Den SDG Award 2017 erhielten die Buchdruckerei Lustenau, die BrauereiHirt und Hali Büromöbel.

Wie kam es überhaupt zu den SDGs?

Seit Jahrzehnten befindet sich die Welt in der Schuldenfalle. Doch nicht nur das. Die Welt befindet sich gleichzeitig auch in der Ökoschuldenfalle. Wir verbrauchen auf unserem Planeten mehr Ressourcen als nachwachsen. Trotz vieler internationaler Initiativen, die sich damit beschäfigen, wie die Entwicklung des Planeten Erde aussehen sollte, um eine gerechtere Entwicklung für alle Erdenbewohner zu gewährleisten, für die ärmeren Entwicklungsländer und die reicheren Industriestaaten, ist das Problem nicht gelöst.

Die Vereinten Nationen haben erkannt, dass es Bürgerengagement und vor allem Unternehmensengagement braucht, um Lösungen für diese Herausforderungen zu finden. Zusätzlich zur Kreativität des Mittelstandes und der KMUs brauchen wir in einem nächsten Schritt auch einen SDG Award für Gross-Unternehmen.

Warum?

Auch Groß- Konzerne stehen vor der Frage, wie sie den Wandel und die Transformation hin zu einer Wissens-Gesellschaft, die karbonarm, digital und gemeinwohlorientiert ist, gestalten können und wie regionale Lebensräume erhalten und gestaltet werden.

Wann begann der Prozess, und wie geht es jetzt weiter?

Der Prozess begann 1992, als die UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) einberufen wurde, aus welcher die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die Konvention zum Schutz der Biodiversität, und die sogenannte Agenda 21 hervorgingen. In 40 Kapiteln werden hier schon die Herausforderungen einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung angesprochen und Lösungsansätze dafür entwickelt. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte war dann die Verabschiedung der sogenannten UN Millennium Development Goals im Jahr 2000, als sich wiederum alle Staatschefs der Erde trafen, um sieben gemeinsame Ziele zu verabschieden, v.a. zur Verringerung der Armut weltweit, aber auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Umwelt.

Ähnlich wurden nun 2015 anlässlich der UN Konferenz 17 Hauptziele mit 169 Unterzielen für die nächsten 15 Jahre festgeschrieben, die nunmehr Nachhaltigkeitsziele getauft wurden und zum ersten Mal für die gesamte Weltbevölkerung gelten - für Staaten genauso wie für Unternehmer oder auch Individuen. Denn, das haben die Vereinten Nationen erkannt: Es geht nicht mehr nur um Entwicklungsländer, es gibt Bedarf auch in den großen und kleineren Industrienationen, die ebenfalls ihre ökologische Bilanz, ihre Wissensbilanz, die Unterstützung der Regionen und soziale Arbeit verbessern können durch kreative ethische Unternehmensleistung. Genau diese Positivbeispiele und Leuchttürme wollen wir auf die Bühne bringen, als Ansporn für uns alle.

Was ist jetzt zu tun?

Wir müssen jetzt unseren klaren stringenten Kriterienkatalog umsetzen und verfeinern sowie auch Grossunternehmen, Social Entrepreneure und Impact Entrepreneurs motivieren, weiterzumachen und ihnen den dafür notwendigen Support zur Verfügung stellen, selbst Leuchtturmprojekte identifizieren und prämieren, also eine aktive Rolle spielen und den SDG Award gross machen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person:

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Foto und Copyright: Karen Wendt

Karen Wendt ist Gründerin von Responsible Investment Banking und Positive Impacts Investing sowie Herausgeberin von zahlreichen Fachpublikationen zu diesen Themen. Sie hat einen MBA der University of Liverpool und sammelte 19 Jahre Erfahrung im Bankenbereich in wechselnden Positionen, davon 17 Jahre im Investment Banking. Sie begleitete seit 2003 und damit seit ihrer Gründung die Einführung und Umsetzung der Äquatorprinzipien und der damit verbundenen Risikomanagementprozesse. Karen Wendt ist u.a. Mitglied im Steuerungskomitee und Leitungsorgan der Equator Principles Financial Institutions Association, dem Steuerorgan der Äquatorprinzipien und hält den Vorsitz mehrerer Arbeitsgruppen. Außerdem war sie 1993 als Gastprofessorin in Minsk und Moskau tätig.

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