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Warum das Recht auf Reparatur gesetzlich verankert werden sollte

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Hausgeräte machen heute etwa 40 Prozent des Gesamtverbrauchs im Haushalt aus. Im Betrieb und während der Nutzung sollten sie deshalb so nachhaltig wie möglich sein. Verbraucher können sich an folgenden Fragen orientieren:

• Gewährleisten die verwendeten Materialien eine lange Lebensdauer?

• Wo und von wem ist das Produkt hergestellt worden?

• Kann es problemlos für eine Reparatur geöffnet werden?

• Sind Ersatzteile über einen längeren Zeitraum frei verfügbar?

• Was sind die typischen Verschleißteile?

• Sind Bedienungsanleitungen verfügbar?

• Gibt es einen Reparaturservice vor Ort?

Obwohl viele defekte Elektrogeräte repariert werden könnten, werden sie in Deutschland häufig in den Müll geworfen. 74 Prozent der Bundesbürger werfen kaputte Geräte weg, da ihnen eine Reparatur zu teuer ist. Dies ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unter 1000 Befragten (Quelle: Funke Mediengruppe, April 2017).

Neben den Kostengründen gaben als weitere Gründe 34 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Reparatur zu umständlich sei. Bei 24 Prozent fehlten die passenden Ersatzteile. 39 Prozent entschieden sich gegen eine Reparatur, weil sie ein neueres Produkt haben wollten.

30 Prozent der Verbraucher entscheiden sich für eine Reparatur von großen Haushaltsgeräten wie Spül- und Waschmaschinen oder Trockner. Nur sieben Prozent bringen kleinere Haushaltsgeräte Reparatur, weitere zwölf Prozent Unterhaltungselektronik. 29 Prozent berichteten, dass das reparaturbedürftige Gerät bereits innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist kaputt gegangen sei! Die MURKS-Debatte bleibt dringlich.

Um unnötigen Elektroschrott zu vermeiden, fordert die Verbraucherzentrale die Bundesregierung auf, ein Recht auf Reparatur gesetzlich zu verankern: So sollen Hersteller verpflichtet werden, Verbrauchern und Dienstleistern die originale Ersatzteile zu fairen Preisen zur Verfügung zu stellen. Auch sollten Reparaturanleitungen ausgehändigt werden.

Allerdings ist es heute gängige Praxis, dass defekte Elektrogeräte oft nur direkt beim Hersteller oder durch dessen Monteure repariert werden können.

Ein nachhaltiger Ansatz beinhaltet jedoch, dass Reparaturen auch durch unabhängige Dienstleister möglich sind und nicht nur durch den Hersteller.

Mit der breiten gesellschaftlichen Verankerung des Reparierens und Instandhaltens sowie der gesetzlichen Verankerung wird gleichzeitig der gesteigerten Geschwindigkeit von Produktzyklen entgegengewirkt, „in denen KonsumentInnen fast nur noch als Relaisstation zwischen Produktion und Entsorgung fungieren" (Christian Schönholz).

Weiterführende Informationen:

Nikola Langreiter, Klara Löffler (Hg.): Selber machen. Diskurse und Praktiken des „Do it yourself". Transcript Verlag, Bielefeld 2017.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Küchen-Kultur und Lebensart: Warum Verantwortung nicht zwischen Herd und Kühlschrank aufhört. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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