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Warum Bio-Baumwolle die bessere Wahl ist: Sustainable Cotton Ranking 2017

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COTTON
BCFC via Getty Images
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Für die Textilindustrie ist Baumwolle eine der wichtigsten Ressourcen: Etwa ein Drittel aller Textilfasern werden aus ihr gefertigt. Im konventionellen Anbau werden umweltbelastende Kunstdünger und Pestizide eingesetzt. Das ist in der Bio-Landwirtschaft tabu, weshalb Bio-Baumwolle klar die bessere Wahl ist.

Die wichtigsten Fakten über Baumwolle:

• Der Anbau erfolgt in rund 80 verschiedenen Ländern.

• Die gesamte Anbaufläche beträgt etwa 30 Millionen Hektar.

• Ca. 100 Millionen Haushalte verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Kultivierung oder der Verarbeitung von Baumwolle.

• Konventionelle Baumwolle wird häufig mit nicht-nachhaltigen Methoden angebaut: Kaum eine andere Pflanze wird häufiger mit Pestiziden und Insektiziden behandelt.

• In einem einzigen Kilogramm Baumwolle stecken durchschnittlich 11.000 Liter Wasser.

• Immer wieder gibt es Berichte über Kinderarbeit, unzumutbare Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne.

• 2014 waren mehr als zwei Drittel der weltweit angebauten Baumwolle genetisch modifiziert.

Nur etwa 15 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle gelten als nachhaltiger produziert. Folgende Standards können aus Sicht des WWF als nachhaltig bezeichnet werden - diese arbeiten mit unterschiedlichen Kriterien, sind aber wesentlich nachhaltiger als konventioneller Baumwollanbau und -verarbeitung: Organic Cotton bzw. Bio-Baumwolle (das bekannteste Bio-Baumwolllabel ist GOTS), Fairtrade Cotton, Cotton made in Africa und Better Cotton.

In seiner Studie „Sustainable Cotton Ranking 2017" hat der WWF in Kooperation mit dem britischen Pesticide Action Network (PAN) untersucht, ob und wenn ja welche Unternehmen nachhaltige Baumwolle nutzen. Dafür wurden 75 der größten Textilunternehmen betrachtet - acht davon kommen aus Deutschland. Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd. Denn obwohl es Alternativen gibt, werden sie kaum benutzt.

Die Studie legt offen, wie transparent die Unternehmen arbeiten, wie ihre Einkaufspolitik auf nachhaltige Baumwolle ausgerichtet ist, inwiefern die Rückverfolgung der benutzten Ressourcen gegeben ist, und ob sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Das Ergebnis ist durchwachsen:

Ikea, Tchibo, Marks & Spencer, C&A (das Unternehmen setzte mit einem umfassenden Sortiment aus 100% Bio-Baumwolle seit September 2007 Standards) sowie Hennes & Mauritz (H&M plant bis 2020, nur noch Biobaumwolle zu verarbeiten) werden als eindeutige Vorreiter genannt, die ernsthaft versuchen, nachhaltig mit der Ressource Baumwolle zu arbeiten.

Im Mittelfeld finden sich unter anderem Adidas, Nike, Otto, Levis und Woolworth. Am unteren Ende des Rankings werden Zalando, Ralph Lauren und Forever21 genannt. Amazon, New Yorker, Footlocker, S. Oliver oder Walmart wurden mit 0 Punkten bewertet, weil es keiner Informationen über sie gibt.

Die Untersuchung soll aber auch für Konsumenten eine Hilfe sein, sagt Jenny Walther-Thoß, Referentin für nachhaltige Biomasse beim WWF Deutschland. Häufig wird aus Unternehmenssicht behauptet, dass es zu teuer sei, auf nachhaltige Baumwollstoffe zu setzen. Preisaufschläge würden die Kunden an der Kasse nicht akzeptieren und seien deshalb auch nicht umsetzbar. „Dass diese Argumentation nicht der Wahrheit entspricht, beweisen die positiven Beispiele, von denen einige eher im unteren Preissegment produzieren und verkaufen", so Walther-Thoß.

Seit 2007 werden nicht nur Lebensmittel, sondern auch Textilien mit dem Fairtrade Certified Cotton-Siegel ausgezeichnet. Es umfasst die Fairtrade-Standards für Baumwolle, die nur für Kleinbauernorganisationen und Vertragsbauern gelten und verbessert die Lebensbedingungen der Produzenten durch eine faire Bezahlung der Rohstoffgewinnung und die Einhaltung von sozialen Mindeststandards in der Verarbeitung. Hintergrundinformationen dazu finden sich auf Internetportalen zum nachhaltigen Konsum wie Utopia oder memolife.

Nachhaltige Mode = Gefühl + Verstand mit fairen und gesunden Herstellungsprozessen

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut in Mode: Wissenswertes über nachhaltige Bekleidung und Textilien. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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