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Warum Aufgabe und Handwerk von Politik heute "unfassbar" geworden sind - und jeder selbst ans Werk gehen sollte

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POLITICIANS
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ÔÇ×Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, w├Ąhrend des Krieges und nach der Jagd", sagte schon Otto Bismarck. Dass PolitikerInnen kaum geglaubt wird, liegt daran, dass Parteien vor Wahlen Dinge versprechen, die sie danach nicht erf├╝llen.

Auch sind viele PolitikerInnen, die sich in den mit der Macht verbundenen Privilegien gem├╝tlich eingerichtet haben, keine Charaktere, sondern nur Charakterspieler, die eines nicht tun: Themen, von denen sie ├╝berzeugt ist, offen anzusprechen - ÔÇ×auch wenn f├╝r sie im Augenblick noch kein politischer Markt da ist" (Frank Schirrmacher).

Viele sind nicht in der Lage, nachhaltige Ziele so zu handhaben, dass diese mit den kurzfristigen, auch populistischen W├╝nschen harmonieren. Beim Skatspiel hei├čt es ÔÇ×Ober sticht Unter" - in der Politik gilt h├Ąufig: ÔÇ×Kurzfrist sticht Langfrist".

In der 17. Shell Jugendstudie von 2015 bezeichnen sich 41 Prozent der Jugendlichen zwar als politisch interessiert (2002 waren es 30 Prozent), doch von dem wachsenden Politikinteresse k├Ânnen die etablierten Parteien kaum profitieren, da Jugendliche den Parteien wenig Vertrauen entgegenbringen.

Das gilt auch f├╝r Gro├čunternehmen, Kirchen und Banken. Am meisten vertrauen Jugendliche Polizei, Gerichten sowie Menschenrechts- und Umweltschutzgruppen.

F├╝r ihre Verweigerungshaltung werden vor allem politische Gr├╝nde angegeben, Nichtw├Ąhlen sei weniger ein Resultat von pers├Ânlicher Lethargie, Desinteresse oder gar Zufriedenheit mit dem Gang der Dinge.

Vielmehr artikulieren die Nichtw├ĄhlerInnen ein deutliches Unbehagen mit der Art und Weise, wie Politik betrieben werde: Sie f├╝hlen sich wenig beachtet und beklagen, dass Politik nur mehr Machterhalt bedeute und PolitikerInnen f├╝r Probleme wie Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Armut, Unsicherheit, Umweltzerst├Ârung und die ÔÇ×Sorgen und N├Âte der kleinen Leute" kein Ohr h├Ątten.

Die Skepsis vor allem junger Menschen, ob es den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft wirklich ernst ist mit der Transformation, gewinnt auch gegenw├Ąrtig immer wieder neue Nahrung.

Politik und Wahlkampf sind Handwerk, das die entsprechenden Werkzeuge 21.0 braucht. Es n├╝tzt aber nichts, sie nur zu ÔÇ×haben" - entscheidend ist ihre Anwendung und die F├Ąhigkeit, sich im Unbekannten zurechtzufinden - ÔÇ×dann, wenn die Standorte ungewiss, die Ziele beweglich und die Wege vielf├Ąltig sind".

In seinem Buch ÔÇ×Navigieren in Zeiten des Umbruchs" beschreibt der Managementvordenker Prof. Fredmund Malik die neuen Methoden des Navigierens in einer Neuen Welt, darunter auch Denkprinzipien und Regeln des Handelns bei Ungewissheit und hoher Komplexit├Ąt, die auch ein Grund f├╝r viele lokale und globale Krisen ist.

Zuverl├Ąssig Orientierung zu bekommen, ist auch f├╝r Politiker zu einer gro├čen Herausforderung geworden. Deshalb geh├Ârt es auch f├╝r sie zu den Kernaufgaben der F├╝hrung, Wege zu finden, auf denen ÔÇ×es" dennoch geht.

Das ist eine enorme Herausforderung, denn nicht nur gro├če Wirtschaftstanker, sondern auch Ministerien sind heute aufgrund ├╝berholter Methoden, eines falschen Managementverst├Ąndnisses und veralteter Strukturen ├╝berfordert, langsam, ineffizient und gel├Ąhmt.

Neue Zeiten erfordern ein neues Denken sowie neue Instrumente des Regulierens, Steuerns, Lenkens und Gestaltens. Es geht darum, das Ganze permanent im Auge zu behalten, aber auch Details nicht aus dem Blick zu verlieren - auch und gerade in Zeiten gro├čer Unruhe.

Politiker, die langfristig ausgerichtet sind, greifen Str├Âmungen in Richtung Nachhaltigkeit auf und setzen sich daf├╝r ein, dass sie in Gesetze und Verordnungen eingearbeitet werden.

Vorangehen m├╝ssen allerdings immer wir: ÔÇ×Wenn aus wenigen K├Âpfen immer mehr werden, wenn die Vorreiter die anderen mitziehen, wird irgendwann wie bei einer atomaren Kettenreaktion die kritische Masse erreicht sein, und dann kippt das alte System", sagt der Unternehmer und Autor Georg Schweisfurth. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Staat auch als Impulsgeber f├╝r b├╝rgerliches Engagement sieht und Social Media zur B├╝rgerbindung genutzt wird.

In der Geschichte waren es immer Einzelne oder Minderheiten, die den Ansto├č f├╝r gesellschaftliche und politische Verbesserungen gegeben haben und sich f├╝r Demokratie einsetzten, so wie es der Liedermacher Hannes Wader bemerkte: ÔÇ×Wie w├Ąre die Weltgeschichte verlaufen, wenn es die vielen Mosaiksteinchen, die Helfer, Vork├Ąmpfer, nicht gegeben h├Ątten?"

Die politische Gestaltung unserer Gesellschaft und Welt k├Ânnen wir nicht allein den Politikern ├╝berlassen, sondern m├╝ssen sie selbst in die Hand nehmen.

Eine wichtige Frage steht dabei im Mittelpunkt: ÔÇ×Was steht in meiner Macht?" Was kann ich ÔÇ×wirklich" beeinflussen? Bereits der Philosoph Epiktet machte deutlich, dass wir zwar nicht immer alles k├Ânnen ÔÇ×k├Ânnen", aber dennoch in der Lage sind, mehr zu tun, als wir glauben. Epiktet fordert wie Seneca, dass wir uns frei von falschen Vorstellungen an die Ausgestaltung der uns gegebenen M├Âglichkeiten machen sollten, um darin einen Standpunkt zu finden und mit uns ins Reine kommen.

Im aktuellen Google-Magazin beschreibt die Bloggerin Kira Br├╝ck, wie sie in ihrer Freizeit ganz mit sich im Reinen an ihrem Internetauftritt arbeitet und im Kleinen die Welt verbessert. Dabei verweist sie auf die Psychologin Heike Kaiser-Kehl, die sich sicher ist: ÔÇ×Wer Herzblut in eine Sache steckt, kann nur gewinnen. Dabei werden wir uns bewusst, dass wir mit dem eigenen Tun (!) etwas bewirken."

Weitere Informationen:

TUN! Warum wir K├Ânner brauchen, um die Zukunft meisterlich zu gestalten. Amazon Media EU S.├á r.l. Kindle Edition 2017.

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