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Wahlmöglichkeiten trainieren: Warum ein Plan B für Führungskräfte unverzichtbar ist

02/12/2017 15:20 CET | Aktualisiert 02/12/2017 15:20 CET
Cecilie_Arcurs via Getty Images

Interview mit den Sportmanagementexperten und Pädagogen Claus-Peter Niem und Karin Helle

Weshalb sollte jeder, der Verantwortung übernimmt und sich einer Aufgabe stellt, auf alles und jede Situation optimal vorbereitet sein?

Ob Sonderkommando der Polizei, Notarzt, Pilot oder Feuerwehrmann - es gilt, stets einen Plan B in der Tasche zu haben und den Notfall immer wieder zu trainieren. Auch Sportlern oder Prüfungskandidaten gibt der Gedanke, auf jedwede Möglichkeit eine Antwort zu haben, ein sicheres, gutes Gefühl. Je mehr Wahlmöglichkeiten ein Mensch hat, je schneller er auf eine Situation reagieren kann, desto besser und professioneller ist er.

Was bedeutet das auf den Fußball bezogen, wenn beispielsweise bei einem Match ein frühes Gegentor fällt, oder sich ein wichtiger Spieler verletzt?

Mehr Mittel und Wege bedeuten für einen Trainer mehr Vielfalt - und das ist gleichbedeutend mit mehr Erfolg. Nicht verharren und hinnehmen, sondern verändern und zügig reagieren - mit einem Plan B ist dies möglich.

Das heißt in anderen Worten: Geht es nicht so, probiere es anders?

Ja, es gilt, stets für den Notfall gerüstet zu sein, einen Plan B zu haben, sich auf alle Möglichkeiten vorzubereiten. Ein Pilot muss bei einem Triebwerkausfall wissen, was zu tun ist. Er muss jede Situation meistern können. Das ist auch für einen Coach wichtig. Je besser er auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet ist, desto schneller kann er handeln. Die gedankliche Vorbereitung ist also entscheidend! Prepared - vorbereitet sein! Wahlmöglichkeiten trainieren!

Welche Fragen sind im Fußballkontext beispielsweise relevant?

Spitzentrainer gehen im Vorfeld einer anstehenden Aufgabe verschiedene Möglichkeiten und Schwierigkeiten durch. Sie stellen sich W-Fragen wie: Was mache ich, wenn mein Team früh hinten liegt? Wie reagiere ich, wenn meine Führungsspieler nicht ins Spiel kommen? Was, wenn sich der Gegner nur hinten reinstellt?

Wie sieht die konkrete Umsetzung aus? Was empfehlen Sie?

Ein eigenes Coaching-Handbuch für Notizen ist sehr sinnvoll, in dem aber auch Sprüche und Affirmationen („Ich bleibe cool!", „Ich bin ein disziplinierter Denker!", „Ich bin auf alles vorbereitet!", „Ich handle.") gesammelt werden können. Der Plan sollte sehr detailliert formuliert werden.

Auch ist es wichtig zu lernen, „nachhaltig" wie ein Schachspieler zu denken - in mehreren Zügen voraus! Ein geübter Schachspieler hat auch sein Gegenüber im Blick. Entscheidungsfreude ist ebenfalls wichtig - in keiner Sekunde sollte man hilflos erscheinen. Wer das Gefühl hat, etwas verändern zu müssen, sollte blitzschnell handeln, ohne zu lange abzuwägen. Während des Spiels sollte stets nach vorne geschaut werden - und nie zurück!

Was zeichnet erfolgreiche Führungskräfte aus?

Sie bereiten sich auf kommende Aufgaben immer optimal vor, denken im Voraus, in Wahlmöglichkeiten und in Lösungen - und tun das, was erforderlich ist. Sie haben nicht nur einen Matchplan im Kopf - sondern mindestens auch einen weiteren Plan in der Tasche.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Claus-Peter Niem und Karin Helle (Foto: privat)

Claus-Peter Niem wohnt in Dortmund und arbeitet als Lehrer sowie als Coach in der Lehrerfortbildung. Während seines Studiums in den Bereichen Pädagogik, Psychologie und Soziologie beschäftigte er sich insbesondere mit der Fußballsozialgeschichte des Ruhrgebiets sowie Englands - und bereiste viele Stadien in ganz Europa.

Auch Karin Helle war schon immer von der Fußballwelt begeistert. Als Rektorin leitete sie eine Grundschule in der Dortmunder Nordstadt im Brennpunkt, bis sie sich selbständig machte, um sich zu 100 Prozent auf den Fußball und das Coaching von Spielern, Trainern und Managern zu konzentrieren. Neben ihrem Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie bildete sie sich als Managementberaterin, Mentaltrainerin und Coach weiter - und coachte zunächst Unternehmer, Teams und Einzelpersonen.

Durch eine Begegnung im Jahr 1999 mit Spitzentrainern des Premier-League-Tabellenführers Aston Villa FC tauschen sich beide seitdem gemeinsam mit vielen Führungskräften aus, arbeiten mit einzelnen Profitrainern sowie Profisportlern und Teams, unter anderem mit Jürgen Klinsmann, Jogi Löw, Sebastian Kehl, Christoph Metzelder, Hansi Flick oder Stefan Kuntz - getreu Ihres Mottos: „A great leader is a great teacher who is a lifelong learner!" Aktuelle Buchpublikation: One touch. Was Führungskräfte vom Profifußball lernen können. Mit Einwürfen von Jürgen Klinsmann, Joachim Löw & Co. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2016.

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