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Vorbereitet sein - Haltung haben: Wie die Wandlungsfähigkeit von Unternehmen gelingen kann

22/11/2017 10:24 CET | Aktualisiert 22/11/2017 10:24 CET
Cecilie_Arcurs via Getty Images

Warum die IT von besonderer Bedeutung ist

Die Wandlungsfähigkeit von Unternehmen betrifft heute vor allem die IT, die im Spannungsfeld traditioneller Anforderungen (Stabilität, Verlässlichkeit, Sicherheit) steht, aber auch eines wachsenden „Digital Demands" hinsichtlich des Einsatzes neuer Technologien, einer hohen Flexibilität und Agilität sowie einer kurzen „Time-to-market".

Wo intelligente IT-Systeme menschenähnliche Eigenschaften entwickeln, entstehen viele Chancen - es lauern allerdings auch zahlreiche Gefahren: Schon heute ist absehbar, dass die aktuellen Entwicklungen die Menschheit nachhaltig verändern werden. Mit den daraus entstehenden Szenarien der neuen IT-Welten ergeben sich viele Fragen:

• Werden intelligente Computer dem Menschen überlegen sein? Wer wird in diesen Szenarien die Kontrolle behalten?

• Welche Antworten, Rahmenbedingungen und Spielregeln entwickeln Politik, Gesellschaft und Justiz?

• Wie wollen wir Menschen diesem Wandel der IT folgen? Sind wir passiv betroffen oder aktiv beteiligt?

• Wie kann sich die Unternehmens-IT im Zeitalter neuer Technologien neu aufstellen?

• Wie können Umwelt und Gesellschaft von effizienter IT profitieren?

• Welche Sicherheitsstrategien und speziellen Versicherungen helfen gegen das Restrisiko digitaler Angriffe und IT-Störanfälle?

• Wie bauen wir nachhaltig flexible und effiziente IT-SYSTEME?

• Welche Voraussetzungen müssen für eine erfolgreiche Umsetzung einer agilen IT-Organisation geschaffen werden?

Den Schlüssel zu den IT-getriebenen Zukunftsmodellen hält bislang noch der Mensch in der Hand - allerdings sind wir im Zentrum aller IT-Entwicklungen gefordert: „Die digitale Souveränität jedes Einzelnen gilt es hier zu schützen. Auf Vertrauen, Verantwortung, Chancengleichheit, Perspektiven für den Menschen wird es ankommen, damit sich positive Entwicklungen durchsetzen, wir die Errungenschaften heutiger Vorteile erhalten und damit die Risiken gering gehalten werden können.

Für IT Entwicklungen, die dem Wohl der Menschheit dienen, muss der Mensch im Mittelpunkt des digitalen Wandels bleiben. Die Verantwortung dafür liegt bei uns allen bzw. bei jedem Einzelnen", schreibt Felicitas Birkner, Head of BS2000-Portfolio-Management bei Fujitsu, in ihrem Beitrag „Der Mensch im Zentrum der IT", der im aktuellen Herausgeberband „CSR und Digitalisierung" erschienen ist.

In ihrer Rolle ist sie eine treibende Kraft im BS2000-Mainframe-Business und führt ein Team mit einem breiten Spektrum an Aufgabenbereichen. In mehr als 25 Berufsjahren verantwortete sie innovative Projekte im Informations- und Kommunikationstechnologiesektor und ging ihren beruflichen Weg in unterschiedlichen Rollen und Bereichen, über Vertrieb, Controlling, Marketing und Management mit klarem Kundenfokus. Darüber hinaus leitet und begleitet sie als zertifizierte Trainerin, Coach und Business-Moderatorin verschiedenste Projekte. Sie entwickelte ihr systemisches P.e.P. Lebens-Stil-Programm®für Einzelpersonen und Unternehmen als nachhaltiges Gesamtkonzept.

Felicitas Birkner ist Mitbegründerin der Professional Women's Network (PWN)-global-Niederlassung in München und bis 2016 Executive Vice President im Vorstand des PWN-Munich e. V. In diesem Netzwerk zur Förderung von beruflichen Karrieren entwickelte sie 2012 als Vice President Mentoring die Mentoring-Programme, leitet diese bis heute und ist selbst Mentor.

Um erfolgreich den Weg in die Zukunft zu gehen, ist jeder von uns gefordert, „offen zu sein, uns kritisch mit dem Wandel auseinanderzusetzen und uns verantwortungsvoll zu beteiligen", so Birkner. Wer heute erfolgreich sein will, muss hochflexibel reagieren können, um sich an die sich schnell verändernden Bedingungen der Märkte anpassen zu können. Das funktioniert allerdings nicht mit einem Plan, bei dem eine bestimmte Zukunftsspanne klar festgelegt wird.

Haltung statt Planung und Kontrolle

„Wenn Firmen planen, verschwenden sie entweder ihre Zeit oder schaden sich sogar", sagt der Managementvordenker Niels Pfläging. Häufig muss aus der Situation heraus entscheiden und das Beste daraus gemacht werden. Es macht keinen Sinn, im Voraus genau festzulegen, wie die Dinge sich entwickeln werden. „Wir machen eine Fünfjahresstrategie und schauen nach vier Jahren, wo wir stehen" funktioniert nicht mehr.

Die Welt ist Veränderungen und Unsicherheiten ausgesetzt - dies wird künftig eher zunehmen als abnehmen. Unternehmen werden heute von vielen Faktoren beeinflusst, auf die sie kaum einen Einfluss haben. Die Unternehmensumwelt von heute kann deshalb nicht von einem „heroischen" Unternehmenslenker gesteuert werden - die Zeit der „Helden" ist vorbei, bestätigt auch Prof. Fredmund Malik in seinem Springer-Vorwort. Dieser alte Mythos stammt noch aus dem Industriezeitalter.

Anstelle der klassischen Planung, die auch der Kontrolle der Mitarbeiter diente, ist etwas getreten, das nach Pfläging schon da ist: „Intelligent denkende, zu Verantwortlichkeit fähige Menschen, die flexibel auf die Anforderungen von außen, insbesondere der Kunden, reagieren - wenn man ihnen die Freiheit dazu gibt.

Hinzu könnten zur Orientierung sogenannte relative Ziele kommen: Wir nehmen uns vor, besser als der Wettbewerber oder eine andere Einheit innerhalb unseres Unternehmens zu sein. Nur bloß keine Zahlenwerte festlegen! Ein Formel-1-Fahrer plant ja auch nicht, dass er das Rennen in exakt einer Stunde und 28 Minuten fahren will. Er nimmt sich vor, schneller als die Konkurrenz zu sein. Und wenn das nicht gelingt, muss man nach den Ursachen suchen, mehr üben oder etwas verbessern."

Echte Erfolgsmaßstäbe leiten sich aus Reflexion (Was lief gut bzw. nicht gut und was sollte beibehalten werden und was nicht?) einer gemeinsamen Identität ab: Alle Mitarbeiter müssen ein Gespür dafür haben, wer oder was das eigene Unternehmen sein möchte - und damit auch, wohin die Reise der Veränderung gehen soll. Daraus entsteht, wenn Hierarchie und Bürokratie vermieden werden, eine Gruppe, die auch soziale Kontrolle auf ihre eigenen Mitglieder ausübt, die aufpasst, dass sich alle gemäß der gemeinsamen Identität verhalten und Fehlverhalten sanktioniert.

Dies ist nichts Schlechtes, sondern stiftet Kultur, denn es braucht immer auch „einige universelle Prinzipien, nicht tausend Regeln. Regeln wirken bürokratisch, Prinzipien schaffen Raum für unternehmerisches Denken." Sie werden gemeinsam hervorgebracht. Damit wird das Commitment gefördert und im Idealfall achten alle auf ihre Einhaltung.

Unternehmen können heute funktionieren, wenn sie vorbereitet sind - wenn versucht wird, sich so gut es geht für alle Eventualitäten zu rüsten, zu üben, sich fit zu machen, Mut zur Lücke zu haben, die nächsten Schritte zu gehen und immer zum Hinterfragen bereit sein - niemals das Denken vom Handeln trennen. Vorbereitet sein ist für Pfläging eine Haltung: „Nur so können Unternehmen heute langfristig funktionieren."

Dies betont auch Felicitas Birkner in ihrem Beitrag: Beruflich und privat wird es erforderlich sein, „in Bewegung zu bleiben, dabei Halt zu finden und vor allem Haltung einzunehmen. Haltung in Form von hinschauen, hinhören, mitreden, mitgestalten, Stellung zu beziehen."

Für Niels Pfläging ist das Wort Strategie allerdings zu groß, als dass man es mit Leben füllen könnte. Er spricht deshalb immer wieder von "gemeinsam denken, üben, machen" oder "Test(ballons)" (denn das Vorhaben kann auch scheitern). Es werden alle an dem Schritt beteiligt, den sie am Ende ohnehin tun müssen, damit überhaupt die Aussicht auf Erfolg besteht: Es wird einfach ein Denkangebot gemacht.

Zuerst muss für diese Transformation auf breiter Basis ein neues Denken erzeugt und dann schnell und praktisch im Unternehmen verändert werden. Mit der Umsetzung tun sich allerdings noch viele Menschen schwer, weil Planung gelernt ist und der Blick auf die Welt (die niemals perfekt und kontrollierbar ist) sowie die Entstehung von Erfolg und Leistung noch nicht korrigiert wurde. Das bedeutet ein Umdenken.

Hinzu kommt: „Solange Manager nicht endlich anfangen zu vertrauen, dass Mitarbeiter auch ohne Kontrolle und Anreize arbeiten, einfach weil sie es wollen und es können, werden Unternehmen weiter Orte der Hierarchie, Fremdkontrolle und Planwirtschaft sein." (Niels Pfläging)

Weitere Informationen:

Felicitas Birkner: Der Mensch im Zentrum der IT. In: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017, S. 889-907.