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Verkehrte Welt: Wenn im Karneval das Leben auf den Kopf gestellt wird

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KARNEVAL
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In diesen Tagen ist hier viel über den Tod und die letzten Dinge geschrieben worden. „Was für ein Thema zum Karneval, aber dräut hinter Masken und Promillefrohsinn nicht das morbide Ahnen?" Fragt der Marketing- und Kommunikationsexperte Dr. Klaus Stallbaum.

Wenn alles laut ist, die Welt in der fünften Jahreszeit Kopf steht und die Benimmregeln außer Kraft gesetzt sind, ist der beste Zeitpunkt, sich innerlich wieder zurechtzurücken und sich auf das Eigentliche zu besinnen. In seinem Buch „Letzte Lieder. Sterbende erzählen von der Musik ihres Lebens" befragt Stefan Weiller Menschen in der letzten Lebensphase zur Musik ihres Lebens - und erhält dabei Antworten zu großen Lebensfragen.

Es ist ein besonderes Buch, weil allen Geschichten ein Zauber innewohnt, der sich der Kraft des Anfangs verdankt. Stefan Weiller weiĂź ihn immer wieder neu zu setzen, indem er anders mit Menschen und Themen umgeht.

So wurden die Begegnungen nicht aufgezeichnet, und es gab für die Interviews auch keine festgelegten Fragen: „Jeder durfte erzählen, was ihm wichtig war, wie er sich und das eigene Leben sah und darstellen wollte. Die Gespräche dauerten zwischen 15 Minuten und drei Stunden - je nach Kondition der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner."

Alle Texte sind freie Nacherzählungen, die vom Autor aus dem Gedächtnis geschrieben wurden. Für das Buch erhielten alle Menschen einen Vornamen, der zu ihrer Persönlichkeit passt, jedoch nicht dem tatsächlichen Namen entspricht. So war es möglich, dass sie offen über ihr Leben erzählten.

Das Vorwort schrieb der Schauspieler Christoph Maria Herbst, der für seine Darstellung des Stromberg in der gleichnamigen Comedy-Fernsehserie nicht nur den Grimme-Preis, sondern dreimal in Folge auch den Deutschen Comedypreis erhielt, das Vorwort schrieb. Seine einführenden Worte zeigen, dass alles Heitere immer auch eine Rückseite hat und alles Ernste auch etwas Fröhliches. Er erlebte das Hospiz als einen heiteren Ort, in dem sich Rückzug und Austausch, Trauer und Freude verbinden und das Leben gefeiert wird.

Sein eigenes Leben lehrt ihn schon lange, dass alles für irgendetwas gut ist und sich oft erst in der Rückschau erschließt. Wir befinden uns uns in einem Kosmos (griech. „Ordnung"), der möglicherweise verwirrend anmutet, aber doch entwirrend ist - zur Faschings- und Restlaufzeit des Lebens:

„Kommt, lasst uns tanzen, hier ist die Musik dazu." (Christoph Maria Herbst)

WeiterfĂĽhrende Informationen:

Stefan Weiller. Letzte Lieder. Sterbende erzählen von der Musik ihres Lebens. Edel Germany GmbH, Hamburg 2017.

Manieren 21.0: Warum gutes Benehmen heute wieder salonfähig ist. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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