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Utopische Träume: Umschau nach einer besseren Welt

26/11/2017 15:54 CET | Aktualisiert 26/11/2017 15:54 CET
CHBD via Getty Images

Irgendwo im Nirgendwo existiert eine bessere Welt, die das Unmögliche möglich macht, heißt es in Thomas Morus' Bestseller „Utopia", der 1516 erschien und sich dem Traum von einem Leben in Würde, Gerechtigkeit und Freiheit widmet.

Der Begriff Utopia verweist auf zwei griechische Wörter: eutopia („guter Ort") und outopia („nirgendwo"). Er wurde in einer Zeit geprägt, in der althergebrachte Strukturen und vermeintlich zeitlose Traditionen zerfielen und Gewalt herrschte. Morus war sich bewusst, dass sein Entwurf einer Welt ohne Ängste und Unsicherheit nur ein Traum war.

In den folgenden Jahrhunderten waren die Menschen überzeugt davon, dass eine Gesellschaft ohne Utopie nicht lebenswert ist. Im Zweifelsfall konnte man sich auf die Autorität der klügsten Köpfe der Zeit berufen. Der Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman verwies zum Beispiel auf Oscar Wilde:

„Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit da angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien."

Der Begriff Utopie zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Briefe der Schriftstellerin Christa Wolf. Utopie hatte für sie immer mit ihrem Bemühen um eine bessere Welt zu tun, die für sie die einzige Lebensmöglichkeit war, das Schlimmste zu verhindern (an Lew Kopelew, 26.11.1977). Der Titel ihrer fiktiven Erzählung „Kein Ort. Nirgends" (1979) ist die genaue Übersetzung von „Utopia".

Warum wir Utopien brauchen

Damit utopische Träume das Licht der Welt erblicken konnten, musste nach Bauman folgende Bedingung erfüllt sein: das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten war und ohne Generalüberholung schwerlich wieder in Ordnung gebracht werden konnte.

Von Utopien wird heute allerdings nur noch selten gesprochen, weil sie angesichts fortschreitender Umweltzerstörung, zunehmender Ungleichheit und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche schon lange ihre Unschuld verloren haben.

Dennoch: Ohne einen solchen Gegenpol der Verbesserung werden wir nicht hoffen und nachhaltig handeln können.

Deshalb heißt das neue Album der isländischen Punksängerin Björk auch „Utopia". Die Musik entstand wieder gemeinsam mit dem Venezolaner Alejandro Ghersi (Arca), einem der wichtigsten Produzenten elektronischer Musik. Chaos und Disharmonien sind nun harmonischen Klängen gewichen.

Bereits vor einigen Jahren fragte sie sich: „Wer bin ich? Was ist meine Musik? Wie klinge ich?" Sie rannte durchs Leben, als könnte ihr etwas entgehen. Ihr ganzes Tun war darauf gerichtet, die Zukunft zu erreichen.

War sie angekommen und der Moment vorüber, begann ihr Lauf von vorn. Sie versuchte, alle Grenzen zu durchbrechen, um sich entfalten zu können und mochte kein Mittelmaß: „Ich bin entweder sehr, sehr glücklich, oder ich bin sehr, sehr dies oder sehr, sehr das. Immer zwei ‚sehrs'."

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Nach der Scheidung ihrer Eltern wuchs sie bei der Mutter in einem Kommunen-Haushalt auf. Ihr erstes Album erschien, als sie elf Jahre alt war. Ab 1987 erlangte sie als Sängerin der Popband „The Sugarcubes" internationale Erfolge. Seit deren Auflösung 1992 machte sie sich als Solokünstlerin einen Namen.

In Lars von Triers „Dancer In The Dark" reüssierte sie auch als Schauspielerin. Björk, Mutter zweier Kinder und in zweiter Ehe mit dem amerikanischen Konzeptkünstler Matthew Barney verheiratet, kam zur Ruhe und beschloss nach Jahren, zu ihren Wurzeln zurück zu kehren. Und so ist das Album auch ein Produkt ihrer Genesung. Sinn und Form bilden eine Einheit.

Auf ihrer letzten LP „Vulnicura" (2015) widmete sie sich musikalisch der schmerzhaften Trennung von ihrem Mann Matthew Barney. Nun geht es darum, die ganze Welt liebevoll zu umarmen und sie zu schützen.

Björk hat der Nachhaltigkeit eine unüberhörbare Stimme gegeben.

Weiterführende Informationen:

Zygmunt Bauman: Flüchtige Zeiten. Leben in der Ungewissheit. Aus dem Englischen von Richard Barth. Hamburger Edition, 2008.

Alexandra Hildebrandt: Generationenwechsel@: Fragmente und Momente einer Gesellschaft im Übergang. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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