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Umweltstandards in der Forstwirtschaft: Was ist der Unterschied zwischen PEFC und FSC?

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Immer mehr Verbraucher wollen beim Kauf von Holz- und Papierprodukten sicher sein, dass die verarbeiteten Rohstoffe aus Wäldern stammen, die nachhaltig bewirtschaftet werden. Gut, dass es für sie eine verlässliche Orientierung gibt: Wer Holzprodukte mit einem anerkannten Nachhaltigkeitszertifikat kauft, kann sich auf ökologische und soziale Verantwortung in der Wertschöpfungskette verlassen - von der Wiederaufforstung, über den Erhalt der vielfältigen Flora und Fauna bis hin zu den Arbeitnehmerrechten in der Waldwirtschaft.

Produkte mit den Siegeln von PEFC und FSC finden sich in allen großen Einzelhandelsgeschäften, Discountern, Drogerie-oder Baumärkten, sodass für Verbraucher heutzutage eine große Auswahl an zertifizierten Holz- und Papierprodukten aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung bereitsteht. Warum jedoch gibt es zwei Systeme und was ist der Unterschied zwischen dem Siegel des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) und dem des Forest Stewardship Council® (FSC®)?

Interview mit Catrin Fetz, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei PEFC Deutschland e.V.

Catrin Fetz ist seit 2011 verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei PEFC Deutschland, der weltweit größten Waldzertifizierungsorganisation. Holz- und Papierprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Während des Studiums der Kommunikationswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster spezialisierte sie sich auf Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeitskommunikation. Durch die private Begeisterung für Natur und den Wald im Speziellen war eine Kommunikationstätigkeit im Bereich Wald und Holz für sie vorgezeichnet.

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Copyright: PEFC Deutschland

Frau Fetz, was sind die Hauptgemeinsamkeiten der beiden Systeme?

Die Gemeinsamkeit der beiden Systeme PEFC und FSC liegt in der Zielsetzung, mit dem Instrument der Waldzertifizierung eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder weltweit sicherzustellen. Holzprodukte mit PEFC- oder FSC-Zertifizierung sollen Verbrauchern die Möglichkeit geben, bei ihren Einkaufsentscheidungen Produkte aus Wäldern berücksichtigen zu können, die nachhaltig genutzt und für kommende Generation erhalten werden. Die Systeme haben hohe Standards zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung etabliert, auf die Verbraucher sich verlassen können

Und was macht die wichtigsten Unterschiede aus?

Die Hauptunterschiede zwischen den beiden Systemen liegen einerseits in der historischen Entwicklung begründet, andererseits gibt es Unterschiede in den Strukturen sowie den Prozessen der Standardsetzung und der Akkreditierung. Ursprünglich wurde FSC zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit in den Tropen gegründet. Damit Verbraucher in Europa die Möglichkeit haben, zertifizierte Holzprodukte auch aus heimischer, regionaler Waldbewirtschaftung zu erhalten, wurde PEFC wenig später von Vertretern der Waldbesitzer, Holz- und Papierindustrie, Gewerkschaften und weiteren Gruppen für den europäischen Bereich gegründet. Heute agieren beide Systeme global.

Während das PEFC-System in seinen Standards zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Sinne einer multifunktionalen Forstwirtschaft alle drei Aspekte der Nachhaltigkeit, also Ökologie, Ökonomie und Soziales, gleichwertig betont, liegt beim FSC-Standard der Schwerpunkt auf der ökologischen Säule.

PEFC legt besonderen Wert auf die Beteiligung aller Interessengruppen bei der Entwicklung der Waldzertifizierungsstandards. Zudem ist bei PEFC die Unabhängigkeit von Standardsetzung, Akkreditierung und Kontrolle jederzeit gewährleistet, da die Überwachung der Zertifizierungsstellen durch eine unabhängige Institution erfolgt.

Welche Herausforderungen gibt es aufgrund der Historie beider Systeme?

FSC ist geht maßgeblich auf die Initiative großer Umweltverbände (WWF, Greenpeace, etc.) zurück. FSC gilt daher als „Baby" der Umweltverbände, welches sie voranbringen und verteidigen möchten. Aufgrund dieser Tatsache beteiligen sie sich auf nationaler und internationaler Ebene leider nicht an den Standardsetzungsprozessen von PEFC.

Seit mehreren Jahren sind z. B. viele große Küchenhersteller aus Deutschland wie nolte, nobilia, Rotpunkt oder Häcker Küchen PEFC-zertifiziert. Was sind die Gründe dafür?

Neben der Glaubwürdigkeit und allgemeinen Anerkennung des PEFC-Siegels überzeugt diese Hersteller vor allem auch die große Verfügbarkeit von PEFC-zertifiziertem Rohstoff aus der jeweiligen Region. Dies resultiert aus der großen PEFC-zertifizierten Waldfläche in Deutschland und den angrenzenden Ländern. Holzprodukte aus der Region mit geringen Transportwegen werden für viele Unternehmen immer wichtiger, weil dieser Punkt auch von Verbrauchern zunehmend honoriert wird. Wir beschäftigen uns intensiv mit dieser Thematik und haben deshalb auch 2015 ein „Regionallabel" für Holzprodukte mit regionalem Ursprung ins Leben gerufen (mehr dazu hier).

Vielen Dank für das Gespräch.

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Copyright: PEFC Deutschland


PEFC und FSC: Die wichtigsten Fakten im Überblick

Strukturen

PEFC wurde von europäischen Waldbesitzern und Förstern gegründet. Doch arbeiten bei PEFC auch eine Vielzahl von Umwelt- und Sozialverbänden auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene konstruktiv mit.

Die großen Umweltverbände wie WWF, Greenpeace, Robin Wood, NABU und BUND haben FSC aus der Taufe gehoben und haben durch das Dreikammersystem in den FSC-Gremien - gemeinsam mit den Gewerkschaften in der Sozialkammer - mehrheitliches Stimmrecht.

Standardsetzung

PEFC schreibt bei der Entwicklung nationaler Waldzertifizierungsstandards eine Beteiligung aller Interessengruppen vor Ort vor. Dies wird während des Anerkennungsverfahrens auf internationaler Ebene durch einen unabhängigen Gutachter und zusätzlich von einem Gremium anerkannter Wissenschaftler überprüft.

FSC-Zertifizierungen sind auch in Ländern ohne nationale Gremien und Standards möglich.

Standards

Weil die PEFC-Standards auf den Anforderungskatalog, den europäischen Forstminister zum Schutz der Wälder erarbeitet haben, basieren, erfüllen sie hohe Ansprüche. Die deutschen PEFC-Standards verlangen beispielsweise den Verzicht auf Kahlschläge und auf den Einsatz von Pestiziden, die Begründung von Mischbeständen und den Erhalt von Biotopholz.

Die Grundlage der FSC-Standards sind 10 Prinzipien, mit Kriterien und Indikatoren unterlegt, die von FSC entwickelt wurden.

In Deutschland unterscheiden sich die FSC- von den PEFC-Standards bspw. in der Forderung nach Stilllegungsflächen.

Verfahren

In der Praxis existieren drei alternative Zertifizierungsverfahren: eine einzelbetriebliche, eine Gruppen- oder eine regionale PEFC-Zertifizierung. In Ländern, in denen eine kleinstrukturierte Familienforstwirtschaft vorherrscht (wie in Deutschland), wird das regionale Modell angewandt, das mit jährlichen repräsentativen Stichproben einhergeht.

FSC lässt eine einzelbetriebliche und eine Gruppenzertifizierung zu. Im Vergleich zu PEFC sind beide Ansätze aber z.B. für kleinere Familienforstbetriebe zu kompliziert und nicht praktikabel.

Kosten für Waldzertifizierung

PEFC: Einheitlich bei 0,18 €/ Hektar Jahr

FSC: Größenabhängig und Verhandlungssache mit Zertifizierern (bei großen Betrieben mit ca. 1.000 Hektar bei etwa 1,00 €/ Hektar Jahr.

Akkreditierung

Die unabhängige Zulassung und Überwachung der Zertifizierungsstellen („Akkreditierung") ist elementarer Bestandteil einer glaubwürdigen Zertifizierung. Die ISO-Normen verlangen deshalb eine strikte Trennung zwischen Standardsetzung, Zertifizierung und Akkreditierung. Dies ist bei PEFC gegeben, da PEFC eine Akkreditierung bei den offiziellen nationalen Akkreditierungsstellen vorschreibt (in Deutschland ist dies bspw. die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS).

Diese Form der „Gewaltenteilung" ist bei FSC nicht gegeben, da hier nach einem Modell verfahren wird, bei dem Standardsetzung und Akkreditierung in einer Hand liegen.

Zertifizierte Fläche weltweit

PEFC: 300 Mio. Hektar

FSC: 195 Mio. Hektar

Zertifizierte Fläche Deutschland

PEFC: 7,3 Mio. Hektar (66,1 % der Gesamtwaldfläche). Sämtliche Staatswälder in Deutschland sind neben mehr als 2.500 Kommunalwäldern und den Wäldern von über 200.000 Waldbesitzern PEFC-zertifiziert.

FSC: 1,1 Mio. Hektar (10% Gesamtwaldfläche)

Die Daten wurden freundlicherweise von PEFC zur Verfügung gestellt.

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Copyright: PEFC Deutschland

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