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Tun statt reden: Warum junge Menschen oft vergeblich nach CSR-Jobs suchen

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Interview mit Carolin Leukel

_ Frau Leukel, Ihre Vita zeigt, wie wichtig heute eine Könnensgesellschaft ist, in der es nicht nur um Wissen geht, sondern um „handgreifliche" Anteilnahme in der Gesellschaft. Welche Rolle spielt dabei in Ihrem beruflichen Weg die Nachhaltigkeit?

Nach meinem Abitur 2006 habe ich mich fĂŒr ein duales Studium entschieden. Schon damals hat mir die Kombination aus Theorie und Praxis sehr gut gefallen. Auch bei meinem Studium war mir eine Kombination besonders wichtig: Ich wollte wirtschaftliche Kenntnisse mit technischen vereinen - da hat ein Studium zum Wirtschaftsingenieur einfach hervorragend gepasst.

_ Welche Vertiefungsrichtung haben Sie gewÀhlt?

Ich entschied mich fĂŒr Facility Management. Hier wird der gesamte Zyklus einer Immobilie betrachtet - von der Idee, ĂŒber die Planung, den Bau, den Betrieb bis zum spĂ€teren Verkauf. In diesem Kreislauf gilt es, technisches als auch wirtschaftliches Wissen zu kombinieren und einzusetzen. Zwischen 2006 bis 2009 studierte ich an der dualen Hochschule in Stuttgart und schloss mein Studium im Oktober 2009 und mit dem Bachelor of Engineering ab. Der duale Unternehmenspartner war die Hewlett Packard GmbH in Böblingen - hier habe ich in PraxiseinsĂ€tzen im Bereich Real Estate and Workplace Services gearbeitet.

_ Inwiefern hatten Sie schon wĂ€hrend Ihres Studiums und PraxiseinsĂ€tzen konkrete BerĂŒhrungspunkte zur Nachhaltigkeit?

Energiemanagement war eines meiner Projektthemen wĂ€hrend meiner Zeit bei HP. Hier stand die Frage im Fokus: Wie kann man im GebĂ€udebetrieb den Energieverbrauch optimieren? Ich erinnere mich noch, wie ich damals ĂŒber Nacht den Energieverbrauch eines Röhrenbildschirms im Standby Modus gemessen habe und am nĂ€chsten Morgen im BĂŒro aus allen Wolken gefallen bin, als ich die Ergebnisse ausgewertet habe:

Ich hĂ€tte ja niemals gedacht, dass im Standby-Modus zu viel Strom verbraucht wird. Und das wiederum bedeutet viel CO2, welches emittiert wird und gleichzeitig auch Kosten fĂŒr das Unternehmen. Ergo, wir haben eine Awareness-Kampagne fĂŒr die Mitarbeiter gestartet. Wenig spĂ€ter standen im Studium unsere Vorlesungen zu GebĂ€udezertifizierungen an: in Gruppen haben wir die verschiedenen Standards zu DGNB, LEED und BREEAM erarbeitet und vorgestellt.

Hier bin ich tiefer in die Thematik Nachhaltigkeit eingestiegen: Mit sorgsam ausgewÀhlten Baumaterialien und Vorkehrungen, kann im spÀteren Betrieb der Immobilien der eigene Ressourceneinsatz deutlich reduziert werden. Es wird die Umwelt entlastet und gleichzeitig Geld gespart. Gibt es etwas Besseres? Aber es geht noch weiter, denn auch die sozialen Aspekte spielen eine deutliche Rolle.

_ Welche Fragen sind hier relevant?

Zum Beispiel ist meine Immobilie auch mit den öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar, welche Erholungsmöglichkeiten stelle ich meinen Mitarbeitern zur VerfĂŒgung? Ein sehr spannendes Umfeld, mit dem ich mich immer noch privat als auch beruflich auseinandersetze.

_ Wohin gingen Sie nach Ihrem Studium?

Danach habe ich meinen beruflichen Werdegang bei der Lidl Stiftung & Co. KG in Neckarsulm fortgesetzt. Von 2009 bis 2013 haben wir in einem kleinen Team eine CAFM Software (Computer Aided Facility Management Software) in allen Lidl-Filialen europaweit eingefĂŒhrt. Damit haben wir zusammen mit den Kollegen vor Ort einen standardisierten systemunterstĂŒtzten Prozess fĂŒr die Instandhaltung der Filialen implementiert.

Anfang 2013 habe ich eine tolle herausfordernde Möglichkeit erhalten: das Thema Nachhaltigkeit in Zusammenarbeit mit den Experten der Fachbereiche weiterzuentwickeln und strategisch auszurichten - und das als Stabsstelle direkt am Vorstand.

_ Worin lag Ihr Fokus am Anfang?

Mein Hauptaugenmerk lag zu Beginn vor allem im Aufsetzen einheitlicher Methoden und Standards in ganz Europa. Wie fĂŒhren wir Stakeholderdialoge? Welche internen Berichte und Tagungen stellen einen guten Informationsfluss sicher, welche Kennzahlen benötigen wir fĂŒr unser Monitoring, und was genau ist ĂŒberhaupt unser VerstĂ€ndnis von Nachhaltigkeit, und wie vermitteln wir dieses an unsere Mitarbeiter, Kunden, GeschĂ€ftspartner und Stakeholder.

Gemeinsam in unserem CSR-Experten Team, wo Experten aller Fachbereiche sich zusammengeschlossen haben, wurde innerhalb weniger Jahre Nachhaltigkeit zu einer festen etablierten und auch organisatorisch etablierten GrĂ¶ĂŸe im Unternehmen. In internationalen Workshops haben wir die strategische Ausrichtung und unser VerstĂ€ndnis von Nachhaltigkeit diskutiert und weiterentwickelt.

Gemeinsam mit den Kollegen aus Schweden, Belgien, Niederlande und Österreich haben wir Nachhaltigkeitsberichte basierend auf dem GRI G 4-Standard veröffentlicht und ein tolles Nachhaltigkeitsprogramm aufgesetzt.

_ Mitte 2016 haben Sie sich entschlossen, zu Ihrem LebensgefĂ€hrten nach Hamburg zu ziehen, nach fast sieben Jahren bei Ihrem ersten Arbeitgeber nach dem Studium haben Sie neue Herausforderungen gesucht und auch das BedĂŒrfnis nach Erfahrungen in anderen Unternehmen verspĂŒrt. Wie schwer oder leicht ist es, im CSR- bzw. Nachhaltigkeitsumfeld eine Position zu finden, die Sie auf Ă€hnliche Weise erfĂŒllt?

Der CSR-Stellen-Markt ist aktuell sehr ĂŒberschaubar bis fast nicht existent. Seit August 2016 bin ich als Facility Managerin bei einem namhaften Immobilienunternehmen beschĂ€ftigt und betreue von FM-Seite die unternehmensweite Implementierung von SAP. Eine spannende Aufgabe, aktuell leider mit zu geringem Nachhaltigkeitsbezug. Diesen möchte ich (jedoch) in der Zukunft wieder mehr fokussieren.

_ Wie sehen Sie den Umgang mit Nachhaltigkeit in Unternehmen allgemein?

Viele engagierte Unternehmen stoßen gute Maßnahmen an, informieren ihre Stakeholder darĂŒber und gehen auch strategisch vor. Doch um Nachhaltigkeit wirklich zu implementieren, gilt es, nachhaltiges Denken und Handeln in alle Prozesse zu integrieren.

_ Was braucht es dazu?

Vor allem Managementsupport, Mut, Bereitschaft zur VerĂ€nderung, kooperative Mitarbeiter, Kunden, GeschĂ€ftspartner, NGO etc. Nachhaltigkeit schaffen wir nur gemeinsam im konstruktiven Dialog und als Teamwork. FĂŒr CSR-Manager und ein CSR-Team im Unternehmen bedeutet es, Vermittler, Motivator, Gewissen, Wecker, Initiator, Wissenschaftler und Praktiker in einem zu sein. Das Ziel haben wir erst erreicht, wenn Nachhaltigkeit selbstverstĂ€ndlich ist und wir es nicht mehr erwĂ€hnen mĂŒssen.

_ In welchen Branchen fĂŒhlen Sie sich besonders beheimatet?

Die Handelsbranche kenne ich bereits sehr gut und finde besonders die stetig wechselnden Anforderungen spannend. Hier gilt es, ausgearbeitete PlĂ€ne immer wieder zu ĂŒberarbeiten, sich neuen Herausforderungen zu stellen und aktiv zu werden. In der Immobilienbranche fĂŒhle ich mich zu Hause - eine perfekte Mischung fĂŒr mich, um meine Ingenieur- und FM-Kenntnisse mit meinen CSR-Fachwissen zu kombinieren.

Die Banken- und Versicherungswelt finde ich ebenfalls faszinierend. Hier beschĂ€ftigt mich besonders die Frage: Wie gehen die Unternehmen mit dem Geld der Kunden um? Transparenz und nachhaltige Investitionen sind hier unabdingbar fĂŒr ein langfristiges Bestehen.

_ Was bedeutet Nachhaltigkeit fĂŒr Sie?

Sie bedeutet fĂŒr mich, heute an ĂŒbermorgen zu denken und dabei neue Definitionen zu schaffen und umzudenken - und damit starten wir jetzt.

Zur Person:

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Foto: Carolin Leukel

Carolin Leukel schloss ihr Studium als Wirtschaftsingenieurin, Fachrichtung Facility Management, 2009 erfolgreich mit dem Bachelor of Engineering ab. Schon wÀhrend ihres Studiums sammelte sie erste Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit, wie nachhaltiges Bauen und effizientes Energiemanagement.

Ihren beruflichen Werdegang setzte sie bei der Lidl Stiftung & Co KG fort, wo sie als Consultant Immobilienmanagementsysteme, in Projektleitungsfunktion, ein Facility Management System in 8 Lidl Landesgesellschaften einfĂŒhrte. 2013 wechselte Carolin Leukel in eine Stabsstellenfunktion an den Vorstand. In dieser Position hat sie das Nachhaltigkeitsmanagement bei Lidl weiter auf- und ausgebaut. Dazu gehörte unter anderem die Definition der strategischen Ausrichtung, ein Kennzahlen- und Berichtswesen, Beratung bei Nachhaltigkeitsberichten basierend auf GRI G4, Klimabilanzierung sowie interne und externe Kommunikationsmaßnahmen. Mit dem CSR-Manager und einem zertifizierten GRI G4 Training hat sie kontinuierlich ihr Fachwissen vertieft.

Ein Nachhaltigkeitscheck, der dem ganzheitlichen Ansatz von Carlin Leukel im Bereich Sport entspricht, findet sich in diesem eBook: Alexandra Hildebrandt: Wie Nachhaltigkeit in die Köpfe des Fußballs kommt. Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2016.

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