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Gute Zahlen: Wie transparent ist der gemeinnützige Sektor?

15/03/2017 11:01 CET | Aktualisiert 15/03/2017 11:01 CET
JohnnyGreig via Getty Images

Transparenz ist ein wichtiges Prinzip von modernen Organisationen, die bereit sein müssen, ihre Prozesse, Leistungen und Wirkungen auch nach außen gegenüber ihren Stakeholdern und der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Sie hat eine legitimatorische Funktion, denn sie macht das Erreichte sichtbar und zeigt, wie Gelder eingesetzt werden.

Beim Begriff Transparenz im gemeinnützigen Sektor wird häufig an die Berichterstattung über Organisationsstrukturen und vor allem über Finanzen gegenüber der Öffentlichkeit gedacht. Allerdings veröffentlicht nur ein Teil gemeinnütziger Organisationen seine Finanzdaten.

(Staatlich) festgelegte Verpflichtungen gibt es bislang dafür nicht. Mittlerweile gibt es jedoch einige Selbstverpflichtungen bzw. Selbstverpflichtungserklärungen wie die der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ).

Träger ist Transparency International Deutschland e.V. Die ITZ fördert einen Zusatz an Informationen, welches die Organisationen, die sich der ITZ angeschlossen haben, freiwillig anbieten und das über die gesetzlichen Veröffentlichungspflichten für gemeinnützige Organisationen in Deutschland hinausgeht.

Hierfür liefert die ITZ einen Rahmen für grundlegende Transparenz in gemeinnützigen Organisationen. Unterzeichner der Selbstverpflichtungserklärung sagen verbindlich zu, die von der ITZ festgelegten, grundlegenden zehn Punkte über den Verein der Öffentlichkeit leicht zugänglich zu machen.

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Zunehmend fordern Stakeholder, dass Organisationen ihre Finanzen offenlegen, damit beispielsweise Spender eine Möglichkeit haben, sich darüber zu informieren, wofür die jeweilige Organisation die Spendengelder verwendet werden.

Auch für Medien und Öffentlichkeit ist Transparenz von Interesse, denn aufgrund der steuerlichen Begünstigung gemeinnütziger Organisationen sollten Steuerzahler grundsätzlich die Möglichkeit haben, die Finanzdaten sowie Informationen zur Wirkung einer Organisation nachvollziehen zu können. Organisationen, die ihr Engagement nachvollziehbar zeigen, belegen damit auch ihre Erfolgs- und Qualitätskriterien und geben einen Einblick in Best Practices.

Der Aspekt der Wirkungstransparenz wird in der Debatte allerdings häufig vergessen. Dabei sind diese Fragen von zentraler Bedeutung: Anhand welcher Kennzahlen lässt sich ablesen, ob ein gesellschaftliches oder ökologisches Projekt etwas erreicht hat? Woran ist Wirkung erkennbar? Woher weiß ein Förderer, dass er sein Geld richtig angelegt hat? Wie stellt die Organisation sicher, dass sie wirkungsvoll arbeitet?

Wirkungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene (Impacts) sind besonders schwer nachzuweisen. Deshalb ermittelt beispielsweise PHINEO, ein unabhängiges, gemeinnütziges Analyse- und Beratungshaus für wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement, den Social Impact nicht im Nachhinein, sondern beurteilt im Voraus das Wirkungspotenzial einer Organisation.

Für eine transparente und ausgewogene Berichterstattung empfiehlt PHINEO die Veröffentlichung von Informationen zu folgenden Aspekten

1. Projektarbeit: Informationen zu den durchgeführten Angeboten und Projekten, Zielen und Zielgruppen, dem zugrunde liegenden Problem, der Wirkungslogik, den Aktivitäten sowie den erbrachten Leistungen (Outputs) und deren Wirkungen (Outcomes und Impacts)

2. Organisationsstruktur: Informationen zu Vision und Strategie der Organisation, der Mitarbeiter-, Leitungs- und Aufsichtsstruktur

3. Finanzen: Einnahmen-Ausgabenrechnung, aus der sich Mittelherkunft und Mittelverwendung nachvollziehen lassen, sowie eine Vermögensrechnung.

Ein Beispiel für den Umgang mit Transparenz im gemeinnützigen Sektor ist die green blue social you gemeinnützige eG, die 2016 gegründet wurde und es sich zur Aufgabe gemacht hat, „die Kraft der Wirtschaft als Motor einer Region einzubinden und kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich gemeinsam mit der Genossenschaft gesellschaftlich zu engagieren", sagt Initiator Andreas Marth.

1. Unterstützt werden Städte und Gemeinden bei der Umsetzung von sozialen Projekten, Bildungsmaßnahmen und Umweltschutzaktivitäten.

2. Klar definierte interne Strukturen sorgen für reibungslose Abläufe. Der Vorstand führt die Geschäfte der Genossenschaft. Er informiert seine Mitglieder sowie den Aufsichtsrat regelmäßig und ausführlich über alle Aktivitäten. Der Aufsichtsrat ist verpflichtet, sich über die Angelegenheiten der Genossenschaft zu informieren.

Er kann hierfür jederzeit Berichterstattung vom Vorstand verlangen. Es besteht eine grundsätzliche Offenlegungspflicht aller Tätigkeiten, Mitgliederbewegungen sowie der Finanzen gegenüber dem Aufsichtsrat.

Die von ihm geprüften Berichte werden den Mitgliedern auf der ordentlichen Generalversammlung vorgelegt. Die Mitglieder haben das Recht, den Prüfungsbericht des Vorstands sowie die Mitgliederliste jederzeit einzusehen.

Vorstand und Aufsichtsrat üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Das Leitbild „Die Kraft der Wirtschaft für Ihre Region" steht hier für das gemeinsame Engagement mit lokalen Unternehmen vor Ort. Darüber hinaus bedarf es einer Strategie, die sich aus der Vision ableitet und ausdifferenziert wird in verschiedene Teilstrategien.

Die green blue social you gemeinnützige eG hat sich selbst Verhaltensgrundsätze gegeben, die den Qualitätsstandard bilden sollen, der für alle Mitarbeiter und Mitglieder, unabhängig von ihrer Position, verbindlich ist. Jeder Mitarbeiter verpflichtet sich, nach bestem Wissen und Gewissen die Vorschriften dieser Standards zu erfüllen.

3. Kleine und mittelständische Unternehmen können sich als Genossenschaftsmitglieder und Förderer im Rahmen ihrer Möglichkeiten und unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse für die Gemeinschaft einsetzen. Die Mitglieder sind Anteilseigner der Genossenschaft und damit „Mitinhaber" und nicht nur „Geldgeber". Alle Förderbeiträge fließen in Projekte von Städten und Gemeinden.

Dadurch kommen sie direkt der positiven Entwicklung der Region und der Gesellschaft zugute. Die Mitglieds- und Förderbeiträge sowie der Geschäftsanteil der Mitglieder liegen auf einem Konto bei einer Genossenschaftsbank in der entsprechenden Region.

Der Partner in Mainz ist die Mainzer Volksbank. Die Homepage mit der entsprechenden Rubrik „Wohin fließt mein Geld?" informiert darüber, wie es investiert wird. Eine detaillierte Prüfung der Genossenschaft erfolgt derzeit alle zwei Jahre durch den Genossenschaftsverband Neu-Isenburg.

Grundsätzlich ist eine hohe Transparenz bei der green blue social you gemeinnützige eG bereits durch die Rechtsform „Genossenschaft" gegeben, sagt Vorstandsmitglied Christina Guerrini: „Dies war einer der Gründe dafür, dass wir uns für diese Rechtsform entschieden haben. Transparenz schafft Vertrauen, das möchten wir für unser Vorhaben nutzen. Wir sind als Genossenschaft Mitglied beim Genossenschaftsverband Neu-Isenburg und unterliegen einer Vielzahl von Vorgaben."

Social Media-Aktivitäten werden hier nicht als reine PR- und Marketingmaßnahmen betrachtet, sondern auch als Instrumente, um Transparenz zu schaffen - „mit dem Ziel der Vertrauensbildung und einer höheren Glaubwürdigkeit".

Weitere Informationen:

Unternehmensnahe Stiftungen: Es fehlt an Transparenz

PHINEO: Transparenz von gemeinnützigen Organisationen. Positionspapier. Berlin 2011.

Wirkungsorientierte Steuerung in Non-Profit-Organisationen - Wirkung und Transparenz schaffen. PHINEO gAG. Berlin 2013.

Alexandra Hildebrandt: Kleine Handlungen, große Wirkung. Ganz nah! Wo die Kraft der Gemeinschaft am besten gedeiht. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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