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Gute Zahlen: Wie transparent ist der gemeinn├╝tzige Sektor?

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Transparenz ist ein wichtiges Prinzip von modernen Organisationen, die bereit sein m├╝ssen, ihre Prozesse, Leistungen und Wirkungen auch nach au├čen gegen├╝ber ihren Stakeholdern und der ├ľffentlichkeit sichtbar zu machen. Sie hat eine legitimatorische Funktion, denn sie macht das Erreichte sichtbar und zeigt, wie Gelder eingesetzt werden.

Beim Begriff Transparenz im gemeinn├╝tzigen Sektor wird h├Ąufig an die Berichterstattung ├╝ber Organisationsstrukturen und vor allem ├╝ber Finanzen gegen├╝ber der ├ľffentlichkeit gedacht. Allerdings ver├Âffentlicht nur ein Teil gemeinn├╝tziger Organisationen seine Finanzdaten.

(Staatlich) festgelegte Verpflichtungen gibt es bislang daf├╝r nicht. Mittlerweile gibt es jedoch einige Selbstverpflichtungen bzw. Selbstverpflichtungserkl├Ąrungen wie die der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ).

Tr├Ąger ist Transparency International Deutschland e.V. Die ITZ f├Ârdert einen Zusatz an Informationen, welches die Organisationen, die sich der ITZ angeschlossen haben, freiwillig anbieten und das ├╝ber die gesetzlichen Ver├Âffentlichungspflichten f├╝r gemeinn├╝tzige Organisationen in Deutschland hinausgeht.

Hierf├╝r liefert die ITZ einen Rahmen f├╝r grundlegende Transparenz in gemeinn├╝tzigen Organisationen. Unterzeichner der Selbstverpflichtungserkl├Ąrung sagen verbindlich zu, die von der ITZ festgelegten, grundlegenden zehn Punkte ├╝ber den Verein der ├ľffentlichkeit leicht zug├Ąnglich zu machen.

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Zunehmend fordern Stakeholder, dass Organisationen ihre Finanzen offenlegen, damit beispielsweise Spender eine M├Âglichkeit haben, sich dar├╝ber zu informieren, wof├╝r die jeweilige Organisation die Spendengelder verwendet werden.

Auch f├╝r Medien und ├ľffentlichkeit ist Transparenz von Interesse, denn aufgrund der steuerlichen Beg├╝nstigung gemeinn├╝tziger Organisationen sollten Steuerzahler grunds├Ątzlich die M├Âglichkeit haben, die Finanzdaten sowie Informationen zur Wirkung einer Organisation nachvollziehen zu k├Ânnen. Organisationen, die ihr Engagement nachvollziehbar zeigen, belegen damit auch ihre Erfolgs- und Qualit├Ątskriterien und geben einen Einblick in Best Practices.

Der Aspekt der Wirkungstransparenz wird in der Debatte allerdings h├Ąufig vergessen. Dabei sind diese Fragen von zentraler Bedeutung: Anhand welcher Kennzahlen l├Ąsst sich ablesen, ob ein gesellschaftliches oder ├Âkologisches Projekt etwas erreicht hat? Woran ist Wirkung erkennbar? Woher wei├č ein F├Ârderer, dass er sein Geld richtig angelegt hat? Wie stellt die Organisation sicher, dass sie wirkungsvoll arbeitet?

Wirkungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene (Impacts) sind besonders schwer nachzuweisen. Deshalb ermittelt beispielsweise PHINEO, ein unabh├Ąngiges, gemeinn├╝tziges Analyse- und Beratungshaus f├╝r wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement, den Social Impact nicht im Nachhinein, sondern beurteilt im Voraus das Wirkungspotenzial einer Organisation.

F├╝r eine transparente und ausgewogene Berichterstattung empfiehlt PHINEO die Ver├Âffentlichung von Informationen zu folgenden Aspekten

1. Projektarbeit: Informationen zu den durchgef├╝hrten Angeboten und Projekten, Zielen und Zielgruppen, dem zugrunde liegenden Problem, der Wirkungslogik, den Aktivit├Ąten sowie den erbrachten Leistungen (Outputs) und deren Wirkungen (Outcomes und Impacts)

2. Organisationsstruktur: Informationen zu Vision und Strategie der Organisation, der Mitarbeiter-, Leitungs- und Aufsichtsstruktur

3. Finanzen: Einnahmen-Ausgabenrechnung, aus der sich Mittelherkunft und Mittelverwendung nachvollziehen lassen, sowie eine Verm├Âgensrechnung.

Ein Beispiel f├╝r den Umgang mit Transparenz im gemeinn├╝tzigen Sektor ist die green blue social you gemeinn├╝tzige eG, die 2016 gegr├╝ndet wurde und es sich zur Aufgabe gemacht hat, ÔÇ×die Kraft der Wirtschaft als Motor einer Region einzubinden und kleinen und mittelst├Ąndischen Unternehmen die M├Âglichkeit zu geben, sich gemeinsam mit der Genossenschaft gesellschaftlich zu engagieren", sagt Initiator Andreas Marth.

1. Unterst├╝tzt werden St├Ądte und Gemeinden bei der Umsetzung von sozialen Projekten, Bildungsma├čnahmen und Umweltschutzaktivit├Ąten.

2. Klar definierte interne Strukturen sorgen f├╝r reibungslose Abl├Ąufe. Der Vorstand f├╝hrt die Gesch├Ąfte der Genossenschaft. Er informiert seine Mitglieder sowie den Aufsichtsrat regelm├Ą├čig und ausf├╝hrlich ├╝ber alle Aktivit├Ąten. Der Aufsichtsrat ist verpflichtet, sich ├╝ber die Angelegenheiten der Genossenschaft zu informieren.

Er kann hierf├╝r jederzeit Berichterstattung vom Vorstand verlangen. Es besteht eine grunds├Ątzliche Offenlegungspflicht aller T├Ątigkeiten, Mitgliederbewegungen sowie der Finanzen gegen├╝ber dem Aufsichtsrat.

Die von ihm gepr├╝ften Berichte werden den Mitgliedern auf der ordentlichen Generalversammlung vorgelegt. Die Mitglieder haben das Recht, den Pr├╝fungsbericht des Vorstands sowie die Mitgliederliste jederzeit einzusehen.

Vorstand und Aufsichtsrat ├╝ben ihre T├Ątigkeit ehrenamtlich aus. Das Leitbild ÔÇ×Die Kraft der Wirtschaft f├╝r Ihre Region" steht hier f├╝r das gemeinsame Engagement mit lokalen Unternehmen vor Ort. Dar├╝ber hinaus bedarf es einer Strategie, die sich aus der Vision ableitet und ausdifferenziert wird in verschiedene Teilstrategien.

Die green blue social you gemeinn├╝tzige eG hat sich selbst Verhaltensgrunds├Ątze gegeben, die den Qualit├Ątsstandard bilden sollen, der f├╝r alle Mitarbeiter und Mitglieder, unabh├Ąngig von ihrer Position, verbindlich ist. Jeder Mitarbeiter verpflichtet sich, nach bestem Wissen und Gewissen die Vorschriften dieser Standards zu erf├╝llen.

3. Kleine und mittelst├Ąndische Unternehmen k├Ânnen sich als Genossenschaftsmitglieder und F├Ârderer im Rahmen ihrer M├Âglichkeiten und unter Ber├╝cksichtigung ihrer Bed├╝rfnisse f├╝r die Gemeinschaft einsetzen. Die Mitglieder sind Anteilseigner der Genossenschaft und damit ÔÇ×Mitinhaber" und nicht nur ÔÇ×Geldgeber". Alle F├Ârderbeitr├Ąge flie├čen in Projekte von St├Ądten und Gemeinden.

Dadurch kommen sie direkt der positiven Entwicklung der Region und der Gesellschaft zugute. Die Mitglieds- und F├Ârderbeitr├Ąge sowie der Gesch├Ąftsanteil der Mitglieder liegen auf einem Konto bei einer Genossenschaftsbank in der entsprechenden Region.

Der Partner in Mainz ist die Mainzer Volksbank. Die Homepage mit der entsprechenden Rubrik ÔÇ×Wohin flie├čt mein Geld?" informiert dar├╝ber, wie es investiert wird. Eine detaillierte Pr├╝fung der Genossenschaft erfolgt derzeit alle zwei Jahre durch den Genossenschaftsverband Neu-Isenburg.

Grunds├Ątzlich ist eine hohe Transparenz bei der green blue social you gemeinn├╝tzige eG bereits durch die Rechtsform ÔÇ×Genossenschaft" gegeben, sagt Vorstandsmitglied Christina Guerrini: ÔÇ×Dies war einer der Gr├╝nde daf├╝r, dass wir uns f├╝r diese Rechtsform entschieden haben. Transparenz schafft Vertrauen, das m├Âchten wir f├╝r unser Vorhaben nutzen. Wir sind als Genossenschaft Mitglied beim Genossenschaftsverband Neu-Isenburg und unterliegen einer Vielzahl von Vorgaben."

Social Media-Aktivit├Ąten werden hier nicht als reine PR- und Marketingma├čnahmen betrachtet, sondern auch als Instrumente, um Transparenz zu schaffen - ÔÇ×mit dem Ziel der Vertrauensbildung und einer h├Âheren Glaubw├╝rdigkeit".

Weitere Informationen:

Unternehmensnahe Stiftungen: Es fehlt an Transparenz

PHINEO: Transparenz von gemeinn├╝tzigen Organisationen. Positionspapier. Berlin 2011.

Wirkungsorientierte Steuerung in Non-Profit-Organisationen - Wirkung und Transparenz schaffen. PHINEO gAG. Berlin 2013.

Alexandra Hildebrandt: Kleine Handlungen, gro├če Wirkung. Ganz nah! Wo die Kraft der Gemeinschaft am besten gedeiht. Amazon Media EU S.├á r.l. Kindle Edition 2017.

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