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2017: Warum das Internationale Jahr des nachhaltigen Tourismus mit authentischem Erleben zu tun hat

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TOURISM
svetikd via Getty Images
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Die UN-Generalversammlung der Vereinten Nationen hat 2017 zum Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus ausgerufen. Die Reisewirtschaft spielt eine wichtige Rolle zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs). In der Agenda 2030 wird der Tourismus mit drei konkreten Zielvorgaben (Goal 8, 12 und 14) ausdrücklich erwähnt:

Bis 2030 sollen politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen nachhaltigen Tourismus fördern, der Arbeitsplätze schafft sowie lokale Gemeinschaften unterstützt. Zudem sollen nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster etabliert und Instrumente entwickelt werden, die die Auswirkungen des Tourismus auf eine nachhaltige Entwicklung der Welt dokumentieren.

Die nachhaltige Entwicklung des Tourismus ist auch ein zentrales Anliegen der 1895 gegründeten Umwelt-, Kultur-, Freizeit- und Touristikorganisation Naturfreunde Internationale (NFI). Ziel war es, der arbeitenden Bevölkerung die Natur als Erholungsraum zu erschließen und sie für das Wandern zu begeistern. Heute setzen sich die Naturfreunde in 45 Ländern für Natur- und Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung von Umwelt und Gesellschaft ein.

Nachhaltiger Tourismus hat nichts mit Verzicht und Jutesack zu tun, sondern mit authentischem Erleben und einer intakten Natur - auch wenn es in Zukunft vielleicht bald mehr digitale Urlaube geben wird. Ermöglicht werden sie mit virtuellen Realitätsgeräten. Dazu gehört auch die Facebook-Oculus-Maske, mit der man dann überall sein kann. „Vielleicht wird es Virtual Holiday Places geben, wo man sich für eine Woche einchecken kann.

Man spart den Flug, das Gepäck geht nicht verloren und die Strände sind immer so leer oder voll wie du willst", schreibt Andre Wilkens in seinem Buch „Analog ist das neue Bio". Darin fragt er, ob ein Urlaub ohne Smartphones, Tablets, Computer, Facebook, Twitter, ja vielleicht sogar ohne Kreditkarten möglich ist. Er plädiert für einen Versuch:

„Mach Sachen, die man im Urlaub macht, Essen, Trinken, Schwimmen, Lesen, Spielen, Museen besuchen. Das geht alles wunderbar ohne Digital. Sogar Autofahren kann man mit analogen Landkarten." Auch das gehört zum nachhaltigen Reisen.

Da in der digitalen Welt alles überall zur Verfügung steht, werden Orte aus Steinen und Holz wieder zu etwas ganz Besonderem. „Sie sind Unterkunft, Treffpunkt, Arbeitsplatz, Zufluchtsort, Ort der Geborgenheit." Er ist nicht einfach da, ist nicht bequem zu erreichen, sondern findet sich erst auf dem Weg.

Kraft für einen Richtungswechsel finden die meisten nur dort, wo sie ihr inneres Gepäck ablegen können: in der Natur, die mit der Rückgewinnung der eigenen Freiheit verbunden ist. Eine intakte Landschaft steht für Stabilität in einer sich immer schneller bewegenden Welt.

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Kartenausschnitt (Umsetzung: Raimund Frey, Mainz)

Wichtig ist, dass der Tourismus auf lokalen und regionalen naturräumlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Strukturen aufbaut - wie das Gebiet rund um den Wolfgangsee im Salzkammergut. Im Herbst steht in der Region beispielsweise das gemeinsame Erleben in einer Gruppe von "NaturliebhaberInnen" im Mittelpunkt. Unter dem Motto „gemeinsam und nicht einsam" werden die Gäste von einer der Gastgeberinnen (Wanderdamen) bei den drei wöchentlichen Wanderungen begleitet. Ihr Konzept basiert auf dem Ansatz des „Guten Lebens", denn auch hier geht es darum, das der Mensch in eine Gemeinschaft integriert ist, die eine harmonische Beziehung mit der Natur pflegt.

Die Gäste lernen die schönsten Plätze rund um den Wolfgangsee kennen, entdecken gemeinsam kulinarische Besonderheiten der Region und erleben Natur in der Gemeinschaft. Jede Wanderung ist ein "Unikat". Gemeinsam etwas TUN ist das Motto der zehn „Wanderdamen". Vom gemeinsamen Gedanken inspiriert, die Freude und Begeisterung für die Natur über die Grenzen hinaus zu tragen, führen die Gastgeberinnen vom Wolfgangsee die "Wolfgangseer-Wanderwochen" durch.

Auch an solchen Beispielen zeigt sich, dass es viele Möglichkeiten gibt, uns bewusst für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu entscheiden. Ob im Privatleben oder bei beruflichen Entscheidungen: „Es gibt fast immer eine Option, es besser zu machen", schreibt der österreichische Bergsteiger und Fotograf Stefan Gatt in seinem „Survival Handbuch Führung".

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Foto und Copyright: Dr. Alexandra Hildebrandt

Für die Erstellung der eigenen (Lebens-)Route genügen nicht nur Apps für Natur- und Wanderfreunde, die Entfernungen oder Kalorienverbrauch errechnen oder auch fehlende Höhendaten nachladen können, sondern auch die richtigen Gedanken, die es braucht, um entsprechend zu handeln.

Weitere Informationen:

Frank Herrmann: FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen. oekom verlag München 2016.

Alexandra Hildebrandt: Das Gute in der Nähe finden: Urlaub ist... wo wir uns im richtigen Leben aufgehoben fühlen von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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