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66 Wege, das Gute in der NĂ€he zu finden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TOURISM
Alexander Spatari via Getty Images
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2017 ist das Internationale Jahr des nachhaltigen Tourismus. Auch wenn umweltfreundliches Reisen bei vielen europĂ€ischen Urlaubern derzeit hoch im Kurs steht, so gibt es im nachhaltigen Tourismus noch eine Vielzahl großer Herausforderungen.

Das belegt auch eine aktuelle Nachhaltigkeits-Studie der TUI-Gruppe: Untersucht wurde die Einstellung zum nachhaltigen Reisen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Belgien und den Niederlanden.

Das Ergebnis: Bereits jeder zehnte europĂ€ische Urlauber (elf Prozent) bucht umweltfreundliche Hotels. Überdurchschnittlich liegen die FerienunterkĂŒnfte mit Nachhaltigkeitsfaktor bei Deutschen und Franzosen im Trend.

Die Untersuchung zeigt auch aktuelle HĂŒrden auf dem Weg zu einem stĂ€rkeren nachhaltigen Tourismus: So bemĂ€ngeln mehr als die HĂ€lfte der Befragten fehlende Informationen und Angebote.

Die Mehrheit aller Befragten von 66 Prozent ist der Meinung, dass eine höhere Verantwortung zur nachhaltigen Gestaltung von Reisen bei den Touristikunternehmen als bei ihnen selbst liegt.

In den Hotels beispielsweise ist GĂ€sten mit Blick auf Nachhaltigkeit wichtig, dass Reiseveranstalter auf lokal oder regional bereitgestellte Lebensmittel achten - aber auch darauf, dass Essen nicht verschwendet wird. Das beinhalten auch die 66 Wege, die zum Guten in der NĂ€he fĂŒhren.

1. Die Frage der alten Griechen „Was ist gutes Leben?" sollte auch heute nicht aus den Augen verloren werden.

2. Das als Lebensphilosophie verstandene gute Leben öffnet den Weg fĂŒr die Verwirklichung der eigenen Vorhaben.

3. IdentitÀt braucht KontinuitÀt.

4. Gewohnheiten und Rituale gehören zum guten Leben, denn sie sorgen fĂŒr Vertrautheit, stehen fĂŒr wohltuende Auszeiten und regenerieren den eigenen Energiehaushalt.

5. Freiheit als Fertigkeit muss erst erworben werden, um die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen und darin Schönheit, Inspiration und Sinn zu finden.

6. Wer das Kleine wahrnimmt, aber auch in der Lage ist, groß zu denken, nimmt eine Weitwinkelperspektive ein und stiftet Sinn.

7. Der Kompass zum guten Leben ist Neugier.

8. Um den eigenen Kurs im Leben festzulegen, braucht es eine tiefere Ebene des eigenen Gewissens, einen Maßstab, der dabei hilft, richtig zu navigieren und Gelegenheiten auch dann zu erkennen, wenn es schwierig wird.

9. Es kommt nicht darauf an zu fragen, welchen Sinn das Leben hat, sondern welchen Sinn wir ihm geben möchten.

10. Das gute Leben hat verstanden, wer es als sinnhaft empfindet und erlebt.

11. Das Gute bedarf einer dialogischen Praxis, um selbst sichtbar zu werden.

12. Ohne Gemeinschaft und harmonische Beziehungen mit der Natur verliert das Leben an Wert - das gute Leben bezieht alle(s) mit ein.

13. Nachhaltigkeit sollte als „Training" der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Es ermöglicht uns, Hebel umzulegen und Steuerungsmechanismen in Gang zu setzen, um Zukunft zu gestalten.

14. Es ist Aufgabe der eigenen bewussten LebensfĂŒhrung (Lebenskunst), sich Gedanken ĂŒber Ziele und Zwecke zu machen, die eine sinnvolle und Perspektive eröffnen können.

15. Jeder Einzelne sollte sich wieder mehr der VerÀnderung seines Lebens in umfassenderen ZusammenhÀngen bewusst werden.

16. Echtes Leben braucht greifbares Erleben.

17. Die Kunst des Wanderns berĂŒhrt sich mit der Lebenskunst, denn die gemeinsame Schnittmenge ist Selbsterfahrung und Selbstsorge.

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18. Wanderwege setzen Denkwege voraus.

19. Ausreichender Schlaf macht kreativ und die Gedanken klar.

20. Geschult werden kann der klare Blick durch die Erinnerung an vorausschauende und kreativen Köpfe, die keine DraufgÀnger sind, die nicht unbedacht alles auf eine Karte setzen.

21. Wer richtige Entscheidungen trifft, ist sich auch der Folgen bewusst.

22. Kopf und Bauch sollen „Ja" sagen bei Entscheidungen.

23. Was wir heute in einer Könnensgesellschaft brauchen, ist neben dem Möglichkeitssinn auch Wirklichkeitssinn, der als gesunder Menschenverstand beurteilt, ob etwas der Wirklichkeit angemessen oder ihr fremd ist. Er trÀgt wesentlich zu unserer Urteilssicherheit bei.

24. Die Klugen wissen, dass es nur eine Welt gibt, die noch klar und fest verankert ist: die innere. Sie soll möglichst rein gehalten werden, um richtig und schnell auf das reagieren zu können, was von außen auf sie einstĂŒrmt.

25. In einer Welt mit unĂŒberschaubaren Wahl- und Entscheidungsfreiheiten, sollten wir zu bewussten Konsumenten werden, die sich verstĂ€rkt an nachhaltigen Wirtschaftsmodellen orientieren: Image, Marke und Moral sind dabei entscheidende Auswahlkriterien konsumierbarer Dinge, mit denen zugleich die eigenen IdentitĂ€ten zusammen gekauft werden.

26. Die „Kultivierung" der Natur bedarf sachkundiger Entscheidungen.

27. Wir sollten die Geschichte der Produkte kennen, die uns umgeben, wie sie gemacht wurden und wo sie herkommen, damit uns die Aufmerksamkeit fĂŒr Rohstoffe und deren Verarbeitung nicht verloren geht.

28. Selbstversorgung und gutes Leben sind miteinander verbunden, weil Einfachheit, Unmittelbarkeit und Selbstbestimmtheit unverzichtbare Werte im Leben sind, weil Selbstversorgung Ausstieg aus den ZwÀngen und VerhÀngnissen der Globalisierung bedeutet.

29. EigenstÀndiges Denken macht Menschen selbststÀndig und bewegt sie dazu, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

30. Zeichnen, Schreiben und Dinge mit den HÀnden formen: Diese Talente und FÀhigkeiten, die eine Könnensgesellschaft prÀgen, werden auch im Zeitalter der Digitalisierung gebraucht.

31. Handwerk stiftet Sinn, hÀlt das Denken in Bewegung und macht es dadurch frei und urteilsfÀhig.

32. Wer die Welt be-greift, kann sie auch verÀndern.

33. Weniger ist nicht mit Verzicht verbunden, sondern mit RealitÀtsgewinn.

34. Es ist wichtig, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass jeder Tag vielleicht der letzte sein kann. Das erleichtert viele Entscheidungen und macht den Blick frei fĂŒr das Wesentliche im Leben.

35. Wer Ballast auch zu Hause abwirft, lebt leichter und freier - und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.

36. Was heute zĂ€hlt, ist Zugang statt Besitz. Dabei haben Sharing Economy und der heutige Lifestyle des Loslassens (Lifestyle of Relief and Fun) mit Bescheidenheit wenig zu tun: Das Gute ist hier keine kategorische Verpflichtung - die Konsumfeindlichkeit und Askeseneigung der alten Ökobewegung ist vielmehr einem konsumorientierten Lebensstil gewichen, in dem weniger Besitz, Genuss und Verantwortung keine GegensĂ€tze mehr sind.

37. Nur mit Durchhaltevermögen ist es möglich,, auch bei Widrigkeiten auf Kurs zu bleiben.

38. (Zu)Hören ist dann möglich, wenn das eigene gedankliches „Land" mit ihrer bekannten RealitĂ€t verlassen wird und man sich ĂŒber eine gedachte BrĂŒcke in das Land des GesprĂ€chspartners begibt.

39. Empathie gehört wie Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung zum Zeitalter der Menschlichkeit.

40. Arbeit und Muße lassen sich auf angenehme Weise verbinden - beides kann Spaß machen, „dann macht sie keine MĂŒhe" (D.H. Lawrence).

41. Wir brauchen das besinnliche Denken in Verbindung mit Business-Romantik heute dringend, um Lösungen fĂŒr Mega-Krisen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung, demografischer Wandel, die Folgen der Globalisierung, Digitalisierung sowie das schwierige VerhĂ€ltnis von Freiheit und Sicherheit zu finden.

42. Neue Formen des Optimismus bestÀrken uns darin, Leben und Arbeit tatkrÀftig anzugehen - auch im Bewusstsein, dass nicht immer alles zum Besten verlaufen wird.

43. Es sollte die Kontrolle ĂŒbernommen werden, Arbeit und Leben wieder harmonisch miteinander zu verbinden.

44. Um nachhaltig zu denken und handeln gibt es viele Möglichkeiten wie den achtsamen Umgang mit eigenen Ressourcen: Wer immer das Letzte gibt und sich keinen Ausgleich gönnt, handeln nicht nachhaltig.

45. Slow Food ist ein Weg fĂŒr eine bessere Zukunft.
46. Geiz sollte auch beim Essen nicht geil sein - wer sein teures Auto mit teurem Kraftstoff tankt, sollte sich auch bei der eigenen ErnÀhrung nicht auf mindere QualitÀt setzen.

47. Wer genießt, hat mehr vom Leben - wer nicht genießt, ist auch fĂŒr andere ungenießbar.

48. Sich zu erholen bedeutet auch, das zu tun, was kein Handeln erfordert.

49. Wer die Kunst des MĂŒĂŸiggangs gelernt hat, muss nicht entfliehen, sondern kann auch zu Hause bleiben.

50. Ruhe ist RĂŒckkehr - zur eigenen Bestimmung.

51. Das Innehalten ist eine bewusste Unterbrechung des Alltags und die Konzentration auf das Wesentliche.

52. Ohne „gesunden" Egoismus bzw. Selbstbehauptung kann Fokussierung nicht gelingen.

53. Der Abschied vom Geist der Fernziele fĂŒhrt zurĂŒck zur inneren Heimat.

54. Handlung, Zeit und Ort sollten als Einheit gesehen werden.

55. Wer geistesgegenwĂ€rtig ist und auf das hört, was der Augenblick bietet (fernab des „Ich-mĂŒsste-noch") ist auch imstande, ein echtes Leben zu fĂŒhren.

56. Menschen brauchen Visionen, da sie mit ihren GefĂŒhlen, SehnsĂŒchten und WĂŒnschen verbunden sind.

57. Starke Visionen können Unglaubliches in Menschen mobilisieren.

58. Neues kann nur eingeĂŒbt werden, wenn bekanntes aufgegeben wird - die Energie dafĂŒr kommt von der eigenen Vision.

59. Ohne das echte Erleben in der Natur ist man der digitalen Welt und Bilderflut ausgeliefert.

60. Das Fahrrad bewegt uns und steht zugleich fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere gesellschaftliche Bewegung, die sich nur begreifen lĂ€sst, wenn wir die „Motive" dahinter sehen: Es geht um Aufbruch, ums Entdecken, unerwartete Begegnungen und den Wunsch nach UnabhĂ€ngigkeit und Ungebundenheit in der Natur.

61. Die Macht der kleinen Schritte sollten wertgeschÀtzt werden.

62. Ohne den tiefen Blick ins Eigene ist die BeschÀftigung mit Bildung und Nachhaltigkeit sinnlos. Beide sind ein stÀndiger Lern- und Gestaltungsprozess.

63. Wir mĂŒssen das Große im Kleinen verstehen und umgekehrt. Wissen und Gewissen sind dabei untrennbar miteinander verbunden.

64. Um Zukunft nachhaltig zu gestalten, braucht es Buchstaben, Worte und SĂ€tze - vor allem aber das Engagement des „ganzen" Menschen, der sein Handeln an dem ausrichtet, was er verstanden hat.

65. Auch wenn unsere Erwartungen an die Zukunft heute an Leuchtkraft verloren haben, brauchen wir Klarheit und Licht, um den Weg dorthin zu finden und ins Handeln zu kommen.

66. Eine lateinische Weisheit lautet: Was du auch tust, bedenke das Ende. Doch wer sich nur auf das Ende konzentriert, sieht und genießt nicht den Weg, sondern denkt nur ans Ankommen.

Literatur:

Alexandra Hildebrandt: Das Gute in der NĂ€he finden: Urlaub ist... wo wir uns im richtigen Leben aufgehoben fĂŒhlen. Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2017.

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