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Textilbündnis nimmt Fahrt auf: Warum mehr Unternehmen einsteigen statt aussteigen sollten

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TEXTILES SHOP
Nacho Doce / Reuters
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Textilien enthalten weniger giftige Chemikalien. Das ist das Ergebnis des Greenpeace-Markchecks, der im Juni den Status zur sogenannten Detox-Kampagne sondierte. Aldi, Lidl, Rewe, Penny, Kaufland und Tchibo haben Fortschritte gemacht: So wurden erste Chemikalien vollständig aus der Herstellung verbannt, zudem veröffentlichten alle Unternehmen Analysedaten ihrer Abwässer. Tchibo legte eine detaillierte Verbotsliste sowie umfangreiche Fallstudien zum Ersatz gefährlicher Chemikalien vor.

Schwieriger ist die Situation beim Bündnis Nachhaltige Textilien, das die Bundesregierung 2014 als Reaktion auf den Gebäudeeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch gründete mit dem Ziel, Produktion, Verarbeitung und Handel mit Textilien sozial und ökologisch nachhaltiger zu gestalten. Dies betrifft unter anderem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitssicherheit, den Einsatz von Chemikalien und die Zertifizierung von Textilien. Mit dem Beitritt verpflichten sich die Mitglieder zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der von unabhängigen Dritten überprüft wird.

Bis Ende März 2017 wurden die Mitgliedsunternehmen gebeten, eine Roadmap (jährlicher Maßnahmenplan zur Umsetzung sozialer und ökologischer Ziele) vorzulegen. Etliche der eingereichten Roadmaps mussten allerdings bis Mitte Juni 2017 nachbessert werden, um die externe Plausibilitätsprüfung durch einen unabhängigen Dienstleister erfolgreich zu bestehen. Viele Unternehmen sind dieser Pflicht nicht nachgekommen, wurden aus dem Bündnis ausgeschlossen oder sind vorher ausgetreten (darunter Engbers, Ernsting's Family, Real, Trigema und Walbusch).

Ein Großteil der Handelsunternehmen ist heute für soziale Aspekte in der Lieferkette sensibilisiert. Allerdings schwankt das Engagement - wie auch dieses Beispiel zeigt - zwischen der Einhaltung minimaler Anforderungen (z. B. Ausschluss von Kinder- und Zwangsarbeit) bis hin zur Aufstellung eigener Lieferantenkodizes mit höheren Mindestanforderungen und strengen Kontrollsystemen.

Als Mitglied des Bündnisses hat die Otto Group nun eine eigene Roadmap mit individuellen Zielsetzungen für 2017 erstellt (auch diese Mitglieder veröffentlichen eine Roadmap). Die hier aufgeführten Ziele sind nach Angaben des internationale Handels- und Dienstleistungskonzerns eine Fortsetzung des jahrzehntelangen Engagements im Sozial- und Umweltbereich. Dennoch: Obwohl der Konzern zu den führenden Unternehmen in diesem Bereich gehört, gibt es im Zuge der Bündnisziele enorme Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen.

Zu den Maßnahmen gehört u.a. das Auslisten bestimmter Chemikalien in der Vorstufe der Lieferkette. Außerdem will das Unternehmen den Anteil an nachhaltiger Baumwolle aus dem Cotton made in Africa-Programm weiter ausbauen und mithilfe weiterer Qualifizierungsmaßnahmen in den Betrieben die Arbeitsbedingungen weiter verbessern.

Das Textilbündnis kann jedoch nur ein Erfolg werden, wenn dazu alle Partner aktiv ihren Beitrag leisten. Denn nur der Schulterschluss von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften macht es möglich, dass Nachhaltigkeit kein Lippenbekenntnis bleibt und relevante Themen wie eine faire Entlohnung in den Produktionsländern verantwortlich vorangetrieben wird.

Die Textilindustrie muss sich ihrer unternehmerischen Verantwortung im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung in besonderer Weise stellen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass es insbesondere in den 1990-er Jahren zu Skandalen (beispielsweise Kinderarbeit bei Nike) kam, die einen Schatten auf die Textilindustrie warfen und vermehrt zu Konfrontationen mit Nichtregierungsorganisationen führten.

Weitere Informationen:

Alexandra Hildebrandt: CSR-Check für Handelsunternehmen: Die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Praxis für die Praxis. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle 2017.

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