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Stromsystem der Zukunft: Darum müssen mit der Energiewende die Flexibilisierungs-Anforderungen steigen

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WIND ENERGY GERMANY
Florian Gaertner via Getty Images
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Die Energiewende ist die größte Infrastrukturtransformation, die unsere Volkswirtschaft je gesehen hat. „Klar ist, dass die Energiewende als Transformation unseres gesamten Energiesystems von der Erzeugung, über die Stromnetze bis in die Gebäude und Wohnungen auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein Mammutprojekt bleiben wird, das nur als gemeinschaftliche Anstrengung von Unternehmen, dem Staat und auch seinen Bürgern gelingen kann", sagt Thomas Zinnöcker, CEO des internationalen Energiedienstleisters ista International GmbH.

Neben dem fortgesetzten Aufbau erneuerbarer Energiequellen kommt es im nächsten Schritt vor allem darauf an, die Infrastruktur für die Vernetzung und Harmonisierung der dezentralen Erzeugungslandschaft sicherzustellen. Alle Interessensgruppen sind aufgerufen, die Energiewende als dynamisches Projekt verstehen.

Mit der Energiewende steigen die Flexibilisierungs-Anforderungen an das Stromsystem der Zukunft. Eine Option, Flexibilität bereitzustellen, ist eine gezielte Steuerung der Stromnachfrage (DSM), die für ein Gelingen der Energiewende mit einer Vielzahl dargebotsabhängiger Energiequellen wie Wind und Sonne ein wichtiger Baustein ist.

Die Marktbedingungen für flexible Stromlasten sind in Frankreich und der Schweiz gegenwärtig besser als in Deutschland. Das zeigt die Studie „Möglichkeiten für grenzüberschreitenden Handel mit flexiblen Lasten in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich", die im Rahmen der Begleitforschung zu dem Pilotprojekt „Demand Side Management Baden-Württemberg" vom Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung ISI aus Karlsruhe durchgeführt wurde.

In dem Projekt hat die Deutschen Energie-Agentur (Dena) mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden Württemberg von Juli 2014 bis Dezember 2016 den Einsatz von DMS in der Praxis erprobt.

Der Fokus der Studie liegt auf dem Markt für Regelenergie, der als zentraler Einstiegspunkt für flexible Lasten gesehen wird. Die Anforderungen an potenzielle Marktteilnehmer sind derzeit noch verhältnismäßig hoch, kritisieren die Studienautoren. So sind die Prozesse zur Abstimmung zwischen den Unternehmen, also Flexibilitätsanbieter, Stromlieferanten, Flexibilitätsvermarkter und Netzbetreiber, vor allem in Deutschland und Österreich noch nicht transparent und standardisiert.

Beispielsweise geht es dabei um die Frage, wie ein Eingriff in Bilanzkreise, also in virtuelle Konten für Strommengen, durch Dritte im Rahmen der DSM-Vermarktung erfolgt. In Frankreich und der Schweiz ist man hier aus Dena-Sicht schon weiter. Um die europäischen Regelleistungsmärkte weiter zu harmonisieren, hat der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-e einen Regelungsvorschlag entwickelt. Aktuell sind die Bestimmungen der Regelleistungsmärkte in den untersuchten Ländern aber noch sehr unterschiedlich, so ein Fazit der dena-Studie.

Ziel war es auch, Unternehmen darin zu unterstützen, vorhandene Potenziale für flexible Lasten zu erkennen und diese wirtschaftlich zu vermarkten. Gleichzeitig sollte anhand der Praxiserfahrung ermittelt werden, „wie die Ausgestaltung eines Marktes für DSM in Deutschland unterstützt werden kann".

Veranstaltungshinweis:

Die Energie-Effizienz-Messe CEB® informiert am 28. und 29. Juni in der Messe Karlsruhe über Energieeffizienz in Nichtwohn- und Wohngebäuden, Energieeffiziente Haustechnik, Industrieeffizienz und Dienstleistungen. Erstmals nimmt die Veranstaltung auch den Megatrend Digitalisierung auf und präsentiert zahlreiche IT-Innovationen und -Lösungen.

Quellen und weitere Informationen:

Thomas Zinnöcker: Nachhaltigkeit, Energiewende und Digitalisierung. In: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler, Berlin-Heidelberg 2017.

Alexandra Hildebrandt: Sonne, Wind und Wärme: Wie die Energiewende im Kleinen gelingen kann von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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