Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

So schafft die Generation Y Traumjobs für eine bessere Welt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GENERATION Y JOB
Miami Herald via Getty Images
Drucken

Das Karriere-Portal „The Changer"

The Changer ist die meistbesuchte Karriereplattform für Jobs mit Sinn in Deutschland. Unter dem Motto "Gutes tun einfacher machen" stellt die Seite Jobs, Events und Neuigkeiten rund um den sozialen Sektor vor. Ziel ist es, sozialen Innovationen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen.

Der Fokus liegt auf Social Business, NGOs, Stiftungen sowie dem Gemeinwohl. Zugehörigkeit wird nicht nur vermittelt, sondern gelebt: Monatliche Hangouts, Interviews mit Social Entrepreneurs oder Vertretern aus dem sozialen Sektor lassen das Gefühl entstehen, Teil der Changer-Community zu sein.

Hinzu kommt, dass jeder sechste Mensch in Deutschland ehrenamtlich engagiert ist und das Bedürfnis wächst, das Ehrenamt zum Beruf zu machen und damit seiner Berufung nachhaltig zu folgen.

In der Kategorie "How-To" finden sich Leitfäden (z.B. für grüne Startups oder Marketingtipps für ein geringes Budget) sowie Hinweise auf Web-Seminare. Im Blog gibt es Interviews und Erfahrungsberichte zur Arbeit im sozialen Sektor. Interessierte können außerdem einen Newsletter mit aktuellen Jobangeboten und Geschichten abonnieren.

Monatlich sind über 100.000 Visits und 350.000 Seitenaufrufe zu verzeichnen, zudem gibt eine Facebook-Community mit gut 6.000 Mitgliedern.

Die Website richtet sich an junge Menschen, die nicht nur wegen des Geldes arbeiten, sondern mit ihrer Arbeit auch die Welt verbessern möchten. Die meisten Nutzer sind Hochschulabsolventen und gehören zur Generation Y.

Hier können sich Unternehmen und Absolventen vernetzen, austauschen und wichtige Geschichten aus dem Social-Impact-Sektor teilen.

Unternehmen können beispielsweise ein Upgrade buchen, mit dem sie noch mehr Top-Talente erreichen. Dazu wird die passende Werbung geschaltet, denn die Macherinnen sind davon überzeugt, „dass es coole Werbung gibt, die als Service dienen kann - zum Thema nachhaltig einkaufen zum Beispiel."

Zu den Kunden gehören unter anderem change.org, Triodos Bank, Oxfam, Save the Children und die BMW Stiftung Herbert Quandt. „Über The Changer hatten wir die meisten und besten Bewerbungen - viel einfacher als sonst", bemerkt Ryan Little von der BMW Stiftung Herbert Quandt.

Die Plattform hat einen Fokus auf die Großstädte Berlin, Köln/Bonn, Frankfurt, Hamburg und München. Ende 2015 sollen außerdem Zürich und Wien dazu kommen. Hier entstehen lokale Netzwerke.

Wie alles begann: Beste Freundinnen

Die drei Gründerinnen und Wahl-Berlinerinnen Nadia Boegli, Naomi Ryland und Nicole Winchell, die aus der Schweiz, England und den USA stammen, haben sich mit dieser Plattform auf Jobs im Social-Impact-Sektor spezialisiert.

Ihnen geht es darum, die Welt ein bisschen besser zu machen und zu vermitteln, dass Geld in der Generation Y nicht mehr so wichtig ist, sondern der gesellschaftliche Wandel:

„Ist das wirklich lebenswert, für die nächsten 40, 50 Jahre ins Büro zu fahren, nur weil ich eine bestimmte Summe dafür bekomme? Will ich nicht auch eine positive Wirkung auf die Welt haben und einen Sinn in meinem Leben finden?"

Kennengelernt haben sich die Gründerinnen während des Studiums. Nadia Boegli studierte Internationale Beziehungen und Konfliktmanagement. Sie wollte gern im sozialen Sektor arbeiten, fand allerdings nichts, was ihren Vorstellungen entsprach, denn ihr lag an einer Verbindung von Startup und sozialen Sektor, der auch den anderen grau und verstaubt erschien.

Zudem frustrierte die besten Freundinnen die „normale" Arbeitswelt auf ihrer Suche nach „Impact". Die wirklichen „Changer" (Menschen, die den gesellschaftlichen Wandel auf ihre Weise vorantreiben) sollten außerdem endlich mehr Unterstützung erhalten. So wurde in einer langen Nacht am Küchentisch die Idee zu The Changer geboren.

Das Freundschaftsprojekt, das im April 2014 offiziell an den Start ging, hatte den Vorteil, dass alle einander vertrauen konnten und in die gleiche Richtung dachten. „Schwarmintelligenz betont doch immer das verbindende Interesse, die gleichen Ziele und Visionen." Schreibt der Mathematiker und Autor Gunter Dueck.

Das Beste am Gründen war für die drei Frauen die Lernkurve. „Es gibt selbst einzelne Tage, an denen ich mehr lerne als in den zwei Jahren meines Masterstudiums. Man steht komplett auf eignen Beinen, keiner weiß so ganz genau, was zu tun ist, aber man macht einfach - und meistens klappt es auch", sagt Nadia Boegli.

Das Team legte bestimmte Regeln fest, zu denen auch ein wöchentliches „Feel Good"-Meeting gehört, in dem besprochen wird, was gerade gut läuft und was nicht. „Das soll verhindern, dass man Dinge in sich hineinfrisst und es zu Streit kommen kann."

Sie erhielten ein Stipendium des Berliner Senats und des Europäischen Sozialfonds. Auch wenn es bereits einige Social Business Stipendien (zum Beispiel Social Impact Lab oder Climate Kic Accelerator) gibt, so ist es nach wie vor schwerer, Förderungen im sozialen Bereich zu erhalten als ein klassisches Startup zu gründen.

Das liegt vor allem daran, dass Social Investment in Deutschland noch nicht so fortgeschritten ist wie in England oder den USA. „Manche Innovationen haben die Chance, durch Sponsoren wie SAP oder direkt von Stiftungen unterstützt zu werden", sagt Nadia Boegli, die den Weg für Social Business in Deutschland als „sehr steil" bezeichnet, was sich ihrer Ansicht nach auch so schnell nicht ändern wird.

Gute Arbeit

Heute wird The Changer von einer kleinen Stiftung in Berlin unterstützt und ist dabei, mit dem Verkauf von Stellenanzeigen erste Umsätze zu machen. Die Gründerinnen überlegen zudem, ob sie ab Januar gezielt auf Investoren zugehen wollen, um The Changer auch international anzubieten.

Das Geld, das sie erwirtschaften, soll stets in die Weiterentwicklung von The Changer und des sozialen Sektors fließen. Es ist ihnen zudem ein wichtiges Anliegen zu vermitteln, dass es in Deutschland endlich „erlaubt" sein muss, „auch mit sozialen Jobs Geld zu verdienen".

Das Beispiel von The Changer zeigt, was gute Arbeit ausmacht - nämlich: Das Ganze zu verstehen, nachhaltig zu handeln und sich immer Fragen im „absoluten Sinne" zu stellen. Für Gunter Dueck gehören diese dazu:

• Wie sieht Bildung in der Wissensgesellschaft aus?
• Welche Menschen brauchen wir in Zukunft?
• Wozu sind wir selbst da?
• Welche Verantwortung haben wir über bloße Jobs hinaus?
• Was ist beste Forschung, Entwicklung und Arbeit?
• Wie kommt man dahin, das Beste zu verwirklichen?

Die drei Gründerinnen Nadia Boegli, Naomi Ryland und Nicole Winchell sind das beste Beispiel dafür:

„Wer ganz neu beginnt, kann mit Schwarmintelligenz starten und muss sie möglichst lange steigern und nähren."

Weitere Informationen:

The Changer

greenjobs.de. Die Jobbörse für Umweltfachkräfte


Talents4Good. Jobs, die gut tun!


Ashoka Deutschland

BMW Stiftung Herbert Quandt

Alexandra Hildebrandt / Hauke Schwiezer: GETEILTE ZUKUNFT. Das essayistische Leben der Generation Y und seine Bedeutung für eine neue Nachhaltigkeitsdebatte

Gunter Dueck: schwarmdumm. So blöd sind wir nur gemeinsam. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015.

Start-Up verspricht die Revolution: Nie wieder geknackte Schlösser! Das ist das sicherste Fahrrad der Welt

Video: Ein-Dollar-Brille: Ein deutsches Startup verbessert mit seiner Idee das Leben von 150 Millionen Menschen Siemens Stiftung

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Hier geht es zurück zur Startseite