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Skandinavien ist alles: Eine Reise ins Leben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SKANDINAVIA
Hans-Peter Merten via Getty Images
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„Hygge" als Lebensphilosophie

Alles, was wirklich wichtig ist, finden wir im „Schönen Skandinavien". Das gleichnamige Buch von Kajsa Kinsella, die 1974 im SĂŒden Schwedens geboren wurde, ist nicht einfach nur ein unterhaltsamer sommerlicher Begleiter, sondern auch ein kluger Wegweiser zu Dingen und Orten, die eine Art Beziehungsgewebe schaffen zu unserem Leben hier und heute.

Und es ist ein Buch zum GlĂŒck: DĂ€nemark gilt allgemein als das Land mit den glĂŒcklichsten Menschen. Das Geheimnis ihrer zufriedenen MentalitĂ€t grĂŒndet auf ihrer Lebensphilosophie, die sie „hygge" nennen. Sie haben das norwegische Wort im Sinne von „Wohlbefinden" auf ein umfassendes Konzept von LebensqualitĂ€ten ĂŒbertragen:

„Hygge umfasst alle VorzĂŒge von GemĂŒtlichkeit, Gemeinschaft, Schlichtheit, Sicherheit, Familie und Geborgenheit." Sich etwas Gutes tun (at hygge sig) heißt, den Tag zu nutzen.

Das trĂ€gt zum gelingenden Leben bei, was bedeutet, mit sich selbst im Reinen zu sein, einverstanden mit seinem Leben, das im Buch viele Seiten hat: von Köttbullar ĂŒber Mittsommer bis zu den Fjorden.

Erlesene Freundschaftsliebe

Unweigerlich kommen einem wĂ€hrend der LektĂŒre Verweisungen und Entsprechungen in den Sinn, die das Buch in weitaus grĂ¶ĂŸere ZusammenhĂ€nge stellen:

So war der Publizist Roger Willemsen in der letzten Zeit vor seinem Tod noch einmal nach Norwegen aufgebrochen und saß ein letztes Mal an einem Fjord. Katja Scholz, eine langjĂ€hrige Freundin von ihm, erzĂ€hlte dies wĂ€hrend seiner Trauerfeier im Februar 2016. Und Oliver Vogel vom Fischer-Verlag ĂŒberbrachte die letzten Worte des Sterbenden: "Ich bin im Reinen." Zwei Mal soll er das gesagt haben, zwei Tage vor seinem Tod.

Vieles, das in der Huffington Post in den vergangenen Monaten thematisiert wurde (Liebe, Tod und Freundschaft) verbinden sich in diesem Buch zu einer inneren Landkarte, deren Erkundung immer wieder Freude macht, weil sie zum beherzten Denken und Handeln anregt, auch wenn das Leben manchmal traurig ist.

Letztlich geht es um das, was auch fĂŒr Roger Willemsen am Ende, als eigentlich fast alles vorbei war, noch zĂ€hlte: "Freundschaftsliebe". Sie beschrĂ€nkt sich nicht nur auf die IntimitĂ€t des Privaten, sondern richtet sich auch auf die Welt - wie das Buch „Schönes Skandinavien".

Die Mumin-Gemeinschaft

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Im Skandinavien-Buch geht es um Mythen und BrĂ€uche, Essen und Feiern, Kultur- und Krimi-Ikonen, Attraktionen und Architektur. Kleine und große Sach- und Dingthemen sind „nachhaltig" miteinander verwoben.

Auch die Mumins, die nilpferdartigen Trollwesen der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson (1914-2001): Die Liebe zu Natur und Umwelt, Toleranz gegenĂŒber anderen Weltanschauungen und ein skurriler Humor durchziehen die Abenteuer dieser freundlichen, neugierigen und naturverbundene Wesen, deren Schöpferin ihre Leser ermutigte, immer an sich zu glauben, den Mut zu haben, Fragen zu stellen und darĂŒber nachzudenken, wie sie selbst Verantwortung ĂŒbernehmen können:

„Werdet nie mĂŒde, verliert nie das Interesse, werdet nie gleichgĂŒltig!"

Das Leben der Mumins wird durch Naturkatastrophen, Überschwemmungen oder einen auf die Erde zurasenden Kometen bedroht. Meere trocknen aus, Orkane verwĂŒsten Landstriche, aus Ägypten kommt eine Heuschreckenplage.

Der familiĂ€re Zusammenhalt ist der wichtigste Wert der Mumin-Gemeinschaft. Ihre Welt wurde wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs erfunden. Wie „Pipi Langstrumpf" war das Buch zugleich eine Antwort auf das Grauen des Krieges.

Wer handeln will und andere dazu ermutigen möchte, muss zuvor begriffen haben - mit den HÀnden.

So faszinierten Tove Jansson schon als Kind die GipssĂ€cke und halbfertigen Tonskulpturen im Atelier ihres Vaters, wie sie es in ihrem spĂ€teren ErzĂ€hlband „Die Tochter des Bildhauers" beschreibt.

Mit den HĂ€nden die Welt gestalten

Das Skandinavische Design, deren nachhaltiger ErfolgsschlĂŒssel solides Handwerk und Einfachheit ist, spielt auch eine besondere Rolle im Buch „Schönes Skandinavien":

ErzĂ€hlt werden auch Geschichten hinter Produkten, zu denen das klassische Cathrineholm-Emaillegeschirr, „Unisex"-Wollfilzpantoffeln, handgestrickte Selbu-Socken aus Norwegen, LEGO, die Stuhl Serie 7 oder der Stokke Tripp-Trapp-Hochstuhl gehören.

Vor allem aber ist es ein Buch der Nachhaltigkeit, das Buchstabenwege so setzt, dass Themen auf „erlesene" Weise - je nach Lesegeschwindigkeit und Interessen - bewandert und erfahren werden können:

Zum Beispiel, dass Ilse Jacobsens Gummistiefel aus reinem Naturgummi sind und mit der Hand gefertigt wurden, dass Anton Sandqvist 2004 eine IndustrienĂ€hmaschine im Internet fand und begann, eine Reisetasche fĂŒr sich zu nĂ€hen. Als er ein Buch ĂŒber den norwegischen Forscher Roald Amundsen las, kam ihm die Idee, einen Rucksack aus Segeltuch und Leder zu erfinden.

Nachhaltiges findet sich auch in der Geschichte zu den Hummel High-Tops: In den 1990er Jahren entwickelte sich das Unternehmen vom einfachen Schuhhersteller zum beliebten Label, das 1999 der dĂ€nische Unternehmer Christian Stadil („VerĂ€ndere die Welt durch Sport!") kaufte.

Heute ist das Unternehmen bestrebt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bei der geschnitzten Vogelschar von Kristian Vedel werden alle Teile von Hand in einer kleinen Drechslerei in DĂ€nemark gefertigt.

Wenn es um skandinavisches Design geht, sind auch deutsche Nachhaltigkeitsexperten begeistert. Claudia Silber, beim Okö-Pionier memo AG verantwortlich fĂŒr die Unternehmenskommunikation, liebt ebenfalls skandinavische Designermöbel (z.B. von HAY) und den skandinavischen Einrichtungsstil.

Er ist fĂŒr sie „einfach unschlagbar, weil er gekonnt Natur und modernes Design verbindet. Die Möbel wirken niemals â€šĂŒberladen' oder zu chic, sondern eher einfach und befreiend. Skandinavische Möbel strahlen die nordische LĂ€ssigkeit der Skandinavier selbst aus - man fĂŒhlt sich damit zu Hause das ganze Jahr ĂŒber wie im Mittsommer".

Aber auch die Tierfiguren aus Holz von Kay Bojesen gehören zu ihren Lieblingsdingen. Sie bestĂ€tigt, dass der Trend des „Schönen Skandinavien" auch im Unternehmen angekommen ist. So wurden auch Möbel aus DĂ€nemark ins Sortiment genommen. Sie kombinieren traditionelle Handwerkskunst mit modernem Design. Verwendet wird beispielsweise massive Balkeneiche. Das Lowboard "Albit/Beryllonit" wurde aus europĂ€ischer Forstwirtschaft in DĂ€nemark hergestellt (Quelle: memolife).

Auch im Nachhaltigkeitsportal memolife ist Skandinavien im Großen und Kleinen prĂ€sent. So findet man Wikingerschach "Kubb" aus Buchenholz, eine Nordlux Stehleuchte mit lösemittelfreier gepulverter OberflĂ€che oder einen HĂ€ngemattenstĂ€nder aus skandinavischem, nachhaltigen FSC-zertifiziertem Fichtenholz.

Seit vielen Jahren wird mit dem fĂŒhrenden skandinavischen BĂŒrostuhlhersteller HAG zusammen gearbeitet. Die Sitzschalen und RĂŒckenlehnen einiger Modelle werden aus 100 % Recycling-Polypropylen gefertigt. Das aus ausgedienten SchraubverschlĂŒssen von GetrĂ€nkeflaschen gewonnene Regenerat ist mit Neukunststoff qualitativ absolut vergleichbar.

Auch gibt es keine getackerten oder geklebten Verbindungen, Lösemittel oder chlorhaltigen Kunststoffe. Die wenigen, sortenrein trennbaren Materialien sind fĂŒr das spĂ€tere Recycling gekennzeichnet.

Warum all diese „handfesten" Beispiele? Vielleicht, weil sie uns zeigen, wie schön es sein kann, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten.

Die Skandinavier fĂŒhren uns in besonderer Weise vor, warum wir HĂ€nde haben: Damit wir etwas mit ihnen tun. Handeln! Denn das macht uns als Menschen aus, wie auch der HuffPost-Beitrag ĂŒber das WeltverstĂ€ndnis des norwegischen SĂ€ngers und aha-Frontmanns Morten Harket zeigt.

Nein, es geht nicht um eine VerklÀrung des guten alten Handwerks im Zeitalter der Digitalisierung und zunehmenden Krisen.

Wir brauchen fĂŒr die BewĂ€ltigung der aktuellen Herausforderungen und des Lebens die Begegnung mit Material, mit dem Haptischen und Konkreten, weil unser inneres Werkzeug, das Denken, nur funktionsfĂ€hig ist, wenn wir auch unsere HĂ€nde benutzen und „handeln". Schon die MönchsvĂ€ter kannten diese Notwendigkeit:

„Wenn deinen Worten keine Taten folgen, gleichst du dem Baum, der BlĂ€tter, aber keine Frucht trĂ€gt."

Literatur:

Schönes Skandinavien. Von Astrid Lindgren bis SmörgÄsbord. Kultur und Lebensstil unserer nordischen Nachbarn. Eden Books. Hamburg 2016.

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