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Sieben Handlungsempfehlungen zum Klimawandel

11/11/2015 14:22 CET | Aktualisiert 11/11/2016 11:12 CET
Tom Williams via Getty Images

Wissen ist die Basis für Veränderungen. Es umzusetzen bedeutet, neue und nachhaltige Entscheidungen zu treffen und das eigene Verhalten daran zu orientieren. Das ist die Kernaussage des aktuellen Sammelbandes von Anja Paumen und Jan-Heiner Küpper: „It's the Planet, Stupid! Sieben Perspektiven zum Klimawandel", das Gespräche mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Disziplinen enthält und dazu beiträgt, die größte Umweltbedrohung für die Menschheit zu erklären. Aber auch ihre größte Chance zeigt.

Dabei können die konkreten Handlungsempfehlungen der beiden Autoren und Herausgeber ein wichtiger Wegweiser sein:

1. Stelle dich entschlossen gegen Menschen, welche den anthropogenen Klimawandel leugnen, denn dieser ist real und bedroht die gesamte Menschheit.

2. Tue, was immer du tun kannst, schon in deinem eigenen Land, in deinem eigenen Umfeld, denn international verpflichtende Abkommen sind zwar notwendig, aber es ist ein langer Weg, bis diese wirksam werden.

3. Denke nicht an dein eigenes Schicksal als Politiker, Wirtschaftsführer oder Bürger, sondern denke an das Schicksal der Menschen heute und in Zukunft, indem du nach der goldenen Regel handelst und anderen Entscheidern entgegenkommst.

4. Denke in langfristigen Perspektiven: Welche Entscheidung muss ich heute treffen, damit mein Land, mein Unternehmen noch in der übernächsten Generation davon profitieren kann?

5. Informiere dich gründlich und redlich, sage den Menschen die Wahrheit, so wie du sie erkannt hast.

6. Sorge für bleibende Akzeptanz der erneuerbaren Energien, indem du dich für einen umweltverträglichen und landschaftsschonenden Ausbau einsetzt.

7. Setze dich für eine langsame, schrittweise und permanente Erhöhung der Preise für Ressourcen wie Energie, natürliche Rohstoffe und Land ein.

Die Beiträge im Buch folgen einem interdisziplinären Ansatz, der das Thema nicht zerstückelt, sondern dem interessierten Leser ganzheitlich vermittelt. Dabei ist das Handeln des Einzelnen genauso wichtig wie große gesellschaftliche Ereignisse.

An einem komplexen Thema wie Energie lässt sich detailliert darstellen, worum es im Großen geht: Für Prof. Dr. Hartmut Graßl war die Energiewende nur möglich, weil die deutsche Zivilgesellschaft seit Jahrzehnten gegen „die großen Lobbys angeht, mit eigenem Geld eine Energiewende bereits eingeleitet hat und weil wir kein Ölland sind."

Angela Merkel hätte seiner Ansicht nach nie eine Energiewende ausgerufen, wenn nicht bereits 2010 fast 20 Prozent des in Deutschland eingesetzten elektrischen Stroms aus erneuerbaren Energien gestammt hätten.

Im Jahr 2000 konnte durch den Druck der Zivilgesellschaft die rot-grüne Koalition zwei andere erneuerbare Energien renditeträchtig machen: Photovoltaik und Biomasse. Nunmehr kommen 25 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen.

Drei Dinge braucht es nach Graßl für eine globale Energiewende: Speicherung von Energie, Elektromobilität und solarthermische Kraftwerke.

Für den Physiker und Biologen Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker ist „die Heiligsprechung der erneuerbaren Energien" ein ökologischer Fehler. Die Verteuerung von Energie in Deutschland sei wiederum ein Segen für Deutschland. Und die leichten strukturellen Verschiebungen von Schwerindustrie zu Hochtechnologieindustrie seien „großartig":

„Aber die Behauptung, das nütze dem Klima nichts und Deutschland würde schwächer durch das EEG, die ist falsch. Die ist deswegen falsch, weil die deutsche Haltung bei den Klimaverhandlungen durch den Boom bei den erneuerbaren Energien viel mehr Flexibilität nach oben bekommen hat."

Für den Dirigenten und Umweltschützer Enoch Freiherr von und zu Guttenberg beginnt der erste Schritt bei der Veränderung unseres Lebensstils. Wenn das nicht gelingt, werden wir auch mit den alternativen Energien scheitern.

Gesellschaft unter Strom

Mit der Frage, was die Wirtschaft für den Klimawandel leisten kann und soll - wo ist sie effizient, wann sind staatlichen Eingriffe notwendig, und welche sind eher schädlich - beschäftigt sich auch der aktuelle Herausgeberband „CSR und Energiewirtschaft".

Autoren sind u. a. Heinz Dürr, Barbara Hendricks, Maximilian Gege, Monika Griefahn, Wolfgang Saam, Gesine Schwan, Tina Müller, Franz Untersteller, aber auch Autorinnen und Autoren, die aus den unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitsbereichen kommen.

So finden sich hier Beiträge ausgewiesener Experten neben Denkbruchstücken von Menschen, die gerade erst beginnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen (z. B. die Generation Y). Zudem sind auch zahlreiche Beispiele für regionale Energiemanagementkonzepte enthalten, die die „Energiewende von unten" besser koordinieren und zeigen, wie sich die Energiewende fair gestalten lässt.

Energie ist kein isoliertes Phänomen, das ohne Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Bereichen und Entwicklungen zu sehen ist. Deshalb folgt auch dieser Herausgeberband einem interdisziplinären Ansatz und führt Debatten und Erkenntnisse aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kultur und Medien zusammen.

Welche Handlungsfelder und Steuerungsmechanismen von Corporate Social Responsibility (CSR) in der Energiewirtschaft dazu beitragen, sie richtig zu bewältigen, welche Rolle die Bürgerbeteiligung und Akzeptanz von Großprojekten spielt, warum CSR-Kommunikation 3.0 Basis für eine erfolgreiche Energiewende ist und Personal- und Organisationsentwicklung ein innerbetrieblicher Treiber der Energiewende, erklären die Autoren aus unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Die wichtigsten Fragen des Buches:

• Wie ist die Energiewende finanzierbar?

• Was muss vordringlich geschehen?

• Mit welchen Technologien ist der Umstieg zu schaffen?

• Wie umweltfreundlich sind erneuerbare Energien?

• Wie können Fehlentwicklungen verhindert werden?

• Was muss die Politik leisten?

• Liegen in Zukunft Energie- und Steuersparen eng beieinander?

• Wie kann die Energiewende vor Ort beschleunigt werden?

• Wo steht der Mittelstand?

Es geht um das Große im Kleinen und das Kleine im Großen, um gesamtheitliche Zusammenhänge und eine nachhaltige Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Endverbraucher, dem die Energiewende in kleinen Schritten nähergebracht werden soll.

Das ist das Verbindende der beiden Bücher, die (be)greifbare Begleiter auf dem Weg zur Nachhaltigkeit sind und beim Machbaren ansetzen, denn: „Jegliche Änderung sollte in kleinen Schritten erfolgen. Das wäre der erste kleine Abschied vom ewigen Wachstumsdenken." (Prof. Dr. Hartmut Graßl)

Literatur:

Anja Paumen, Jan-Heiner Küpper: It´s the Planet, Stupid! Sieben Perspektiven zum Klimawandel. Oekom Verlag, München 2015.

CSR und Energiewirtschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016.

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